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Aktive Schule : Trauer-Workshop am Sportaktionstag

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ungewöhnliches Angebot bei Aktion am Schleswiger Berufsbildungszentrums fand große Resonanz bei den Jugendlichen.

Am Sport- und Aktionstag des Schleswiger Berufs-Bildungszentrums (BBZ) nahmen gestern 1727 Schüler teil. Vorab konnten sich die Jugendlichen für eines der über 60 Angebote anmelden. Es standen Basketball, Volleyball und andere Ballsportarten auf dem Programm. Und während die einen fleißig Zumba tanzten, sangen andere die neusten Pop-Songs. Schulleiter Hans Hermann Henken empfand den Tag als gelungen: „Es lief super. Die Schüler waren mit Spaß dabei und auch das Wetter spielte mit.“ Schüler Julian Jerusel (19) bestätigt dies: „Durch das Volleyballspielen habe ich ein paar neue Mitschüler kennen gelernt, klasse!“

Dieser Tag hat schon eine lange Tradition an der Schleswiger Schule. Seit über 20 Jahren wird er dort veranstaltet. Am Anfang wurde er erst nur von der Schülervertretung (SV) organisiert, später kam dann ein Team aus Lehrern hinzu. „Durch die große Erfahrung, die wir im Laufe der Jahre gesammelt haben, konnten wir den Tag immer weiter ausbauen und verbessern“, erklärte Thomas Hill, Koordinator des Sport- und Aktionstag.

Eine außergewöhnliche Aktion fand diesmal in der Kirchengemeinde Schleswig-Friedrichsberg statt. Im Gemeindehaus am Kolonnenweg beschäftigten sich rund 50 Schüler mit dem Thema „Trauer“. Mitglieder des Vereins „Verwaiste Eltern“, in dem Betroffene anderen helfen, den Verlust des eigenen Kindes zu verarbeiten, brachten ihnen das schwierige Thema nahe. Ein Friedhofsbesuch inklusive der Kindergräber, die Geschichten von zwei betroffenen Eltern, die ihre Söhne oder Töchter verloren haben, Trauer-Gesellschaftsspiele und das Bemalen kleiner Holzsärge – hergestellt von den Schleswiger Werkstätten – standen auf dem Programm.

Dass das Thema präsent ist, zeigt die hohe Teilnehmerzahl. Trauerbegleiterin Elke Heinen erzählt: „Am Anfang war von einem Dutzend Schülern die Rede, nun sind 48 Jugendliche hier.“ Eine Lehrerin habe angefragt, ob der Verein bereit wäre, am Sport- und Aktionstag etwas zu organisieren. „Und das waren wir natürlich“.

Während sich ihre Mitschüler also im BBZ amüsierten, besuchten diese jungen Menschen in zwei Gruppen Gräber und bemalten die kleine Särge. Darin sollen übrigens ungeborene Kinder beerdigt werden – auch jene, die weniger als 500 Gramm wiegen und für die es kein Bestattungsrecht gibt.

Kein Geräusch war während der Arbeiten im Raum zu hören, alle Jugendlichen waren sichtlich konzentriert bei der Arbeit. Einige von ihnen sahen nachdenklich aus. Auch die 20-jährige Mandy Tölke und die 24-jährige Melanie Asmussen hielten einen Pinsel in der Hand. Mandy Tölke malte einen Bären auf einen gelben Sargdeckel. „Ich finde es interessant zu hören, wie Eltern mit dem Tod ihrer Kinder umgehen“, erklärte sie ihre Entscheidung für gerade diesen Workshop. „Sonst sieht man so etwas nur im Fernsehen, hier sind wir bei persönlichen Gesprächen dabei.“ Melanie Asmussen stimmte ihr zu. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie es ist, den Sohn oder die Tochter zu verlieren“, sagte sie.

Christine Thomsen weiß, wie sich das anfühlt. Sie hat vor elf Jahren ihre Zwillige und ihr Enkelkind bei einem Autounfall verloren. 19 Jahre alt waren die Töchter damals. Um nicht über den Verlust nachdenken zu müssen, stürzte sie sich in die Arbeit. „Ich wollte nicht mit dem Tod umgehen“, erinnert sie sich. Um ihre Trauer zu verarbeiten, besuchte sie regelmäßig einen Gesprächskreis. Heute sei sie dankbar für die Zeit, die sie mit den Zwillingen verbringen durfte: „Man kann den Tod nicht totschweigen.“


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