Bergsittich stirbt nach Böllerwurf : Trauer um „Butschi“

Hildegard und Rolf-Dieter Süberkrüb mit ihrem toten Bergsittich „Butschi“.
Hildegard und Rolf-Dieter Süberkrüb mit ihrem toten Bergsittich „Butschi“.

Das Busdorfer Ehepaar Süberkrüb ist entsetzt: Ihr Bergsittich fiel nach zwei Böllerexplosionen vor Schreck tot von der Stange.

shz.de von
04. Januar 2018, 07:29 Uhr

„Butschi“ ist tot. Zart streichelt das Ehepaar ein letztes Mal das Federkleid seines kleinen Schützlings. Dieser Moment der Stille ist tränenreich. Der vierjährige Bergsittich von Rolf-Dieter und Hildegard Süberkrüb aus Busdorf fiel vermutlich nach einer zweifachen Böllerexplosion am Dienstagabend gegen 21.30 Uhr vor Schreck von der Stange.

Der 77-jährige Hobby-Vogelzüchter fand seinen gefiederten Freund gestern Früh leblos auf dem Boden der Voliere liegen. Die Trauer ist groß. Der Böller-Angriff aus Richtung Panellenweg – zwei Tage nach Silvester – entsetzt das Ehepaar. Hoch hinaus über die Bahnschienen flogen die Böller bis zu den Gebäuden der Straße „An der Bahn“ , landeten dort und detonierten direkt auf der Voliere von Familie Süberkrüb.

Für den schreckhaften Bergsittich war das vermutlich zu viel Aufregung. Einen anderen Grund kann sich der Vogelfreund, der sein Hobby seit 47 Jahren mit Begeisterung lebt, nicht vorstellen. „Wie schade, dass so ein Tier auf diese Weise sterben muss. Unser grüner Bergsittich war so ein schönes Tier. Mit vier Jahren war er gerade in den besten Jahren. Er stand bestens im Futter, war nicht abgemagert, und krank war er auch nicht“, sagt Rolf-Dieter Süberkrüb.

Bergsittiche sind eine mittelgroße Papageien-Art, die aus Australien stammt und in Höhlen brütet. Bei guter Pflege und in einer großräumigen Voliere könnten die Sittiche bis zu 30 Jahre alt werden, erläutert der Vogel-Experte.

Eigentlich hatte er in diesem Sommer mit dem Nachwuchs seines Bergsittich-Pärchens geplant. Doch jetzt sitzt das Weibchen einsam und alleine auf seiner Stange.

Wer die Täter waren, das konnte Rolf-Dieter Süberkrüb in der Dunkelheit nicht ausmachen. „Böller direkt über die Häuser und auf Volieren zu werfen, finden wir unverantwortlich und rücksichtslos. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass man so etwas nicht tun darf. Wenn alle ein bisschen Rücksicht aufeinander nehmen, dann würde so etwas nicht passieren“, appelliert der Vogelfreund an die Verursacher.

Indes habe das Paar nichts gegen die Veranstaltung „Hansi lässt es krachen“, die alljährlich vor Silvester viele Menschen zum Feuerwerk nach Busdorf lockt. „Wir haben überhaupt nichts dagegen, das möchten wir klarstellen“, sagte Süberkrüb. Auch gegen Raketen und Böller zu Silvester habe das Paar nichts einzuwenden. Gegen gezielten Böllerbewurf von Haus und Hof sowie Bedrohung von Leib und Leben allerdings schon. Verständnis ist alles, worum die beiden Tierfreunde angesichts ihres toten Vogels jetzt bitten. Trotz der Trauer will der Hobby-Züchter nach vorne blicken, schließlich schenkt ihm seine kunterbunte Schar aus Sittichen – darunter Kragen-Sittiche, Schwalben-Sittiche, -Wellen- und Königssittiche – täglich viel Freude. Die Versorgung der Tiere und das Engagement im Schleswiger Vogelverein, der seit 50 Jahren existiert, hält den Rentner offensichtlich jung und zudem täglich auf Trab. „Ich bin froh, dass ich dieses Hobby habe.“

Christina Weiß










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