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Schleswig-Flensburg : Transitverkehr über den Wolken

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Über den Wolken herrscht reichlich Verkehr: Zahlreiche Routen internationaler Fluglinien gehen über das Kreisgebiet hinweg. Die Flugbewegungen lassen sich im Internet in Echtzeit verfolgen.

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erstellt am 16.Okt.2014 | 19:33 Uhr

Wer in Schleswig oder der näheren Umgebung wohnt, für den ist das Thema Flugbetrieb alltäglich. Die meisten Menschen in der Region haben sich mit den Starts und Landungen der Aufklärungs-Tornados vom Fliegerhorst in Jagel arrangiert. Lediglich wenn internationale Großübungen geflogen werden, steigt die Lärmbelastung und macht überdeutlich, dass der Luftraum im Norden keineswegs nur den Zugvögeln überlassen ist. Doch nicht nur die Jets der Bundeswehr sind im Norden unterwegs. Minütlich überqueren Passagiermaschinen das Kreisgebiet.

Wie die A7 am Boden ist auch der Luftraum zwischen Flensburg und Kropp eine wichtige Transitschneise – nicht für Auto- und Lkw-Fahrer, sondern für Fluggesellschaften aus ganz Europa, die Verbindungen zwischen Skandinavien, Süd- und Westeuropa bedienen. Helsinki-Paris, Kopenhagen-London, London-Stockholm, Brüssel–Helsinki, Oslo–Madrid, Amsterdam–Riga, Tampere–Alicante, Rom–Billund – diese Liste ließe sich fortsetzen. Auf verschiedenen Internetseiten lässt sich der Transitverkehr über den Wolken in Echtzeit nachvollziehen.

Gestern gegen 13.30 Uhr zum Beispiel flogen, wie an der Perlenkette gezogen, Maschinen im Minutentakt aus Südwest in Richtung Nordosten über den Kreis hinweg – in einer Linie über Wanderup, Jarplund, Maasbüll, Munkbrarup und Bockholmwik: ein Airbus 320 der Iberia Express von Madrid nach Stockholm, gefolgt von einer niederländischen Embraer der Fluggesellschaft KLM, die von Amsterdam nach Kopenhagen unterwegs war. In geringem Abstand folgten ein schwedischer SAS-Airbus von Dublin nach Kopenhagen sowie zwei Airbus-Maschinen der Finnair mit Ziel Helsinki, eine war in Malaga gestartet, die andere in Paris. 15 Minuten später auf fast identischer Route: eine Boing 737 der Royal Air Maroc – um 10.30 Uhr in Casablanca gestartet und auf dem Weg nach Stockholm.

Doch nicht nur Kontinentalflüge berühren den Kreis. Keine fünf Minuten später flog über Flensburg aus nordöstlicher Richtung eine niederländische KLM-Boeing 747 über den Kreis ein. Diese Jumbos werden für Langstreckenflüge eingesetzt, so auch in diesem Fall: Die KLM 862 war in Tokio gestartet und hatte schon 9000 von 9319 Kilometern zurückgelegt. Wenige Minuten später erneut zwei Maschinen aus Japan über Flensburg, jeweils Boeing 777 von Nippon Air und KLM. Um 13.57 kommt aus südlicher Richtung ein Air-Berlin-Airbus A330 und überfliegt – von Berlin kommend – in Richtung New York die Geltinger Birk.

Von all dem bekamen die Menschen am Boden nichts mit. Fluglärm ist kein Thema, denn die Maschinen fliegen durchweg in einer Höhe zwischen 30 000 und 36 000 Fuß, also zwischen 9700 und 11 000 Metern. Lediglich Maschinen, die sich bereits im Landeanflug auf den Regionalflugplatz in Billund befinden, fliegen deutlich tiefer – gestern beispielsweise um 12.31 Uhr eine Boeing 737 der Billigfluglinie Ryanair aus Rom, Flughöhe über Esgrus rund 13 000 Fuß. Erkennen kann man die Maschinen vom Boden aus nur als kleine glitzernde Punkte, die einen Kondensstreifen hinter sich herziehen – allerdings auch das nur bei klaren Himmel. Gestern war der Himmel über dem Kreis Schleswig-Flensburg in dichte Wolken gehüllt.

Damit am Himmel über Schleswig-Holstein nichts schief geht, werden sämtliche Verkehrsflugzeuge von Lotsen in Karlsruhe und Maastricht überwacht. Dies gilt für Flughöhen ab 25 000 Fuß (7600 Meter) und betrifft damit nahezu alle großen Verkehrsmaschinen, die den Norden überfliegen. „Bei einer Höhe unter 25 000 Fuß ist unser Kontrollzentrum in Bremen zuständig“, sagt Kristina Kelek von der Deutschen Flugsicherung. Im Raum Jagel kommt der Tower des Aufklärungsgeschwaders hinzu, der den militärischen Flugverkehr (OAT, Operational Air Traffic) überwacht und mit dem zivilen koordiniert. Hin und wieder werden Sperrzonen eingerichtet, beispielsweise bei militärischen Übungen. Dann müssen Airbus, Jumbo und Co. einen Umweg fliegen.

www.flightradar24.com


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