Chris Tall in der „Heimat“ : Training für die Lachmuskeln

Chris Tall: Der Hamburger ist derzeit einer des angesagtesten Comedians der Republik.
Chris Tall: Der Hamburger ist derzeit einer des angesagtesten Comedians der Republik.

Comedian Chris Tall begeistert in der ausverkauften „Heimat“ mit frechen Witzen über seine Zuschauer und sich selbst.

shz.de von
13. Februar 2018, 07:12 Uhr

Wenn bei Schleswiger Schmuddelwetter bereits zwei Stunden vor Einlass die ersten Fans an der Eingangstür campieren, dann muss ein besonderer Star zu Gast in der „Heimat“ auf der Freiheit sein. Es ist Chris Tall, derzeit einer der angesagtesten Comedians in Deutschland. Vor rund zwei Jahren hatte der 26-Jährige einen seiner ersten großen Publikumsauftritte überhaupt auf der Freiheit, nun ist er zurück am Ursprungsort seiner Erfolgsgeschichte. Kein Wunder, dass bereits wenige Stunden nach Vorverkaufsstart alle Tickets vergriffen waren.

Und Chris Tall (ausgesprochen „Kristall“) hält an diesem Abend, was sich die Fans von ihm versprechen. Zwei Stunden bestes Training für die Lachmuskeln. Für den Hamburger kein unwichtiger Auftritt. Es ist eine Preview-Show für sein neues Programm „Und jetzt ist Papa dran“. Üben unter Live-Bedingungen sozusagen. Etwas merken tun die Zuschauer hiervon nicht. Chris Tall ist schon jetzt in Top-Form und zeigt auch abseits des Skriptes sein ganzes Können. Immer wieder geht er auf sein Publikum ein, bezieht ihre Geschichten in seine Gags mit ein.

Überhaupt schreckt der Witzbold vor nahezu niemandem zurück. Hässliche, Dicke, Dünne, Veganer, Heteros, Schwule, Lesben oder Behinderte – sie alle bekommen bei Chris Tall ihr Fett weg. Wichtig ist ihm dabei jedoch eine gewisse Augenhöhe: „Wer sich nicht wehren kann, über den mache ich auch keine Witze.“

Und auch die Schleswiger selbst knüpft sich Chris Tall bei seinem Auftritt immer wieder vor. „Seid Ihr eigentlich alle mit dem Traktor gekommen?“, fragt der Mann aus der Großstadt im norddeutschen Slang. Herzlich willkommen in der Provinz.

Böse sein kann man ihm hierfür nicht, schließlich bietet er selbst genug Angriffsfläche. Mit seinem Milchbubi-Gesicht und dem verkehrt herum aufgesetzten Käppi wirkt er ein wenig wie der kleine dicke Junge von nebenan. Chris Tall weiß das und geht auf der Bühne immer wieder auf seine Gewichtsprobleme ein. „Neun Kilo habe ich abgenommen und wiege jetzt nur noch 101 Kilo“, berichtet er stolz. Doch sein Leben ist immer von Rückfällen gezeichnet. „Kennt Ihr dieses Gefühl, wenn man in eine viel zu heiße Bratwurst beißt? Man macht es immer wieder. Und warum: Weil man ein fettes Schwein ist“, zeigt sich Chris Tall selbstkritisch.

Freude kommt bei ihm auf, als er im späteren Verlauf einen ebenfalls etwas fülligeren Zuschauer erblickt. „Hey, Du siehst ja aus wie ich, nur halt in dick“, platzt es aus ihm herum. So geht es den ganzen Abend.

Wie der Name es schon sagt, nimmt sich der Comedian in seinem eigenen Programm vor allem den eigenen Papa vor. Dieser will vor dem Sohn stets cool wirken, tritt dabei aber immer wieder in Fettnäpfen. „Mein Vater begrüßt mich immer mit dem Spruch ,WhattsAppie‘“, lästert Chris Tall mächtig über seinen Vater ab.

Doch bei allem Spaß verliert der gefeierte Entertainer bei seiner Zugabe den nötigen Ernst nicht. Seine Botschaft: das Leben genießen. „Wir regen uns über so viele unnötige Dinge auf, die es überhaupt nicht wert sind“, gibt er sich nachdenklich. Die schönen Dinge des Lebens? Für die Zuschauer in der ausverkauften „Heimat“ ab diesem Zeitpunkt ein gemeinsames Foto mit Chris Tall. Sie kommen an diesem Abend alle auf ihre Kosten. Geduldig nimmt sich der Komiker Zeit für jeden seiner Fans, denn er weiß: Auftritte in Schleswig werden für ihn immer etwas Besonderes sein.

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