Zehn Jahre Ostseefjord Schlei GmbH : Touristiker sind auf Kurs

Anerkennung: Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (li.) überreichte OFS-Geschäftsführer Max Triphaus eine Urkunde. Rechts OFS-Aufsichtsratschef Thomas Detlefsen.
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Anerkennung: Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (li.) überreichte OFS-Geschäftsführer Max Triphaus eine Urkunde. Rechts OFS-Aufsichtsratschef Thomas Detlefsen.

Wirtschaftsminister Meyer wagt eine vielversprechende Prognose für die Region.

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09. Juli 2015, 07:02 Uhr

Reinhard Meyer war über die Schlei-Brücke Lindaunis gekommen – und hatte beim Überqueren des Gewässers nach eigenem Bekunden sofort ein Gefühl der Erholung gespürt. „Ich freue mich, den Tag hier ausklingen lassen zu können“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister am Dienstagabend im „Café Lindauhof“. In dem Haus, in dem viele Jahre lang die ZDF-Serie „Der Landarzt“ gedreht wurde, hatte die Ostseefjord Schlei GmbH (OFS) zur Jubiläumsfeier geladen. Zehn Jahre alt ist die Lokale Tourismusorganisation (LTO), die in ihrer „Langsamzeit“-Kampagne auf Entschleunigung setzt, geworden. Was passte da besser als ein entspannter Ehrengast? Meyer wagte später die Prognose: „In zehn Jahren wird das Mekka des Slow-Tourismus hier an der Schlei sein.“ Die Aussage des ausgewiesenen Fachmanns – Meyer ist nicht nur der für Tourismus zuständige Minister, sondern auch Präsident des Deutschen Tourismusverbandes – stieß auf großen Beifall.

Der SPD-Politiker war nicht mit leeren Händen in den Borener Ortsteil Lindau gekommen. Meyer verlieh der OFS „die erste schleswig-holsteinische Anerkennungsurkunde als Lokale Tourismusorganisation“. Nur durch die Bündelung der Kräfte könnten Synergien erreicht werden, die dringend erforderlich seien für die Verbesserung der Wettbewerbsposition der Tourismuswirtschaft im Land, sagte er. „Unsere Lokalen Tourismusorganisationen sind auf einem hervorragenden Weg.“

Bei den LTOs im Land habe die OFS von Anfang an eine Vorreiterrolle eingenommen, erklärte Prof. Bernd Eisenstein von der Fachhochschule Westküste (Heide). Der Tourismusmuswissenschaftler hatte seinerzeit gemeinsam mit dem heutigen OFS-Geschäftsführer Max Triphaus ein Konzept erarbeitet, in dessen Folge die Ostseefjord Schlei GmbH ins Leben gerufen wurde. Die Gründung der OFS, damals noch unter dem Namen „Schlei-Ostsee GmbH“, sei jedoch alles andere als einfach gewesen. „Die unendlichen Diskussionen sind mir in Erinnerung geblieben, teilweise fanden sie konspirativ in Hinterzimmern von Restaurants statt“, berichtete Eisenstein. Auch der frühere OFS-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Werner Berlau erinnerte an die heftigen Widerstände örtlicher Tourismusvereine, die es zu überwinden galt. „Wir sind damals in gewachsene Strukturen eingebrochen.“ Der heutige Aufsichtsratsvorsitzende, Borens Bürgermeister Thomas Detlefsen, erläuterte, dass die Schlei früher viel stärker als Grenze zwischen Angeln und Schwansen wahrgenommen worden sei. „Heute ist die Schlei zu einem verbindenden Element geworden.“ Berlau machte indes deutlich, dass die OFS noch längst nicht am Ziel sei. „Die Herausforderungen im Tourismus sind groß. Wir müssen aufpassen, dass man uns nicht das Wasser abgräbt“, mahnte er mit Blick auf die Konkurrenz in Mecklenburg-Vorpommern.

Auch Meyer wies darauf hin, dass es gerade in Sachen Qualitätssteigerung noch einiges zu tun gebe. „Viele Betriebe sind in die Jahre gekommen“, sagte der Minister. Der Ausbau der Infrastruktur gehört zu den wesentlichen Elementen der „Tourismusstrategie 2025“, mit der das Land innerhalb der nächsten zehn Jahre mehr Gäste in den „echten Norden“ locken will. Der Qualitätsanspruch der Urlauber werde weiter steigen, assistierte Eisenstein. Der Tourismusforscher sieht die OFS aber auf gutem Kurs. Das Konzept der „Langsamzeit“ nehme die richtige Zielgruppe ins Visier, denn, so Eisenstein: „Senioren sind jetzt schon der Wachstumsmotor im innerdeutschen Tourismus.“



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