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Eingeschläferter Hund aus Hollingstedt : Toter Jack: Warum blieb er bei der Halterin?

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Die Artikel über den gelähmten Hund Jack aus Hollingstedt haben unsere Leser berührt. Viele hatten Fragen, zum Beispiel, was es mit dem angeblichen Unfall auf dem Weg zum Tierarzt auf sich hat. shz.de mit den Antworten.

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2015 | 14:30 Uhr

Hollingstedt | Selten hat ein Thema in unserer Zeitung  die Leser zu so vielen Kommentaren animiert wie das Schicksal des Retrievers Jack aus Hollingstedt. Mehr als 400  Äußerungen wurden allein auf den Internetplattformen inklusive Facebook des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags und der Schleswiger Nachrichten abgegeben. Es handelte  sich sehr häufig um Einträge, in denen das Mitgefühl für den Hund ausgedrückt wurde. Viele boten ihre Hilfe zum Wohl des Hundes an, aber  auch Wut und Fassungslosigkeit sowie Unverständnis gegenüber dem Verhalten der Halter wurde geäußert. Beleidigungen und Aufrufe zur Gewalt wurden gelöscht.

Der Flat-Coated Retriever Jack war mehr als acht Wochen unter einem Wohnwagen in Hollingstedt angekettet. Wegen einer Lähmung der Hinterläufe konnte sich Jack nicht richtig bewegen. Er lag in seinem eigenen Kot. Am Montag hatte die Halterin auf Drängen von Ordnungsbehörde und Tierschützern zugestimmt, Jack einschläfern zu lassen. Der Tierarzt aber entschied sich anders. Er riet zu einer Röntgenuntersuchung in Kropp, die am Dienstag stattfinden sollte. Auf dem Weg zum Tierarzt soll es nach Angaben der Halterin zu einem Unfall gekommen sein. Sie meldete sich daraufhin beim Tierheim mit der Bitte, ihr den Hund abzunehmen. „Sie hat uns Jack übereignet“, berichtete Yvonne Wiegers-von Wegner, „er ist dadurch in unsere Verantwortung gelegt worden – mit allen Rechten, Pflichten und Kosten.“ Ein Tierarzt schläferte den zwei Jahre alten Hund ein.

Das Leben des Hundes und  sein trauriges Ende haben viele Emotionen und letztlich auch noch einige Fragen ausgelöst. shz.de beantwortet die am häufigsten gestellten Fragen.

Was hat es mit dem Unfall auf sich?

Auf der Fahrt zum Tierarzt  am Dienstag soll es zu einem Unfall gekommen sein, bei dem Jack zusätzlich verletzt wurde. „Uns liegt kein Bericht über einen Unfall in der fraglichen Zeit vor“, erklärt Sprecherin Mandy Lorenzen von der Polizeidirektion Flensburg. Sie wies allerdings darauf hin, dass nicht alle Unfälle gemeldet  werden müssen.

Warum wurde der Hund nicht sofort vom Ordnungsamt beschlagnahmt?

Nachdem Tierschutz, Ordnungsamt und Polizei den Hund am Montag befreit und die Halterin zur Rede gestellt hatten, sagte diese zu, den Hund noch am Nachmittag einschläfern zu lassen.  Zuständig  für eine so genannte Entziehung des Tieres wäre das Veterinäramt des Kreises Schleswig-Flensburg. Die Ordnungsbehörde des Amtes Arensharde wäre damit beauftragt worden, den Hund in Sicherheit zu bringen.

Dazu kam es jedoch nicht. Der Hund blieb über Nacht in Hollingstedt. Der Amtstierarzt hatte mit der Halterin vereinbart, den Hund nicht gleich einzuschläfern, sondern Jack am folgenden Tag zunächst untersuchen zu lassen. „Es sollte herausgefunden werden, wie sein Gesamtzustand ist – und ob er möglicherweise noch zu retten war“, zitiert  Martina Stekkelies, die Pressesprecherin des Kreises Schleswig-Flensburg, den Amtstierarzt.

Weil der Hund abgesehen von seiner Lähmung und den Folgen der Liegezeit unter dem Wohnwagen einen aufgeweckten und fröhlichen Eindruck gemacht,  keine Schmerzen gehabt habe und an ihm auch keine Anzeichen von Gewaltanwendung festzustellen gewesen seien, habe der Amtstierarzt der Halterin vertraut und den Hund bei ihr gelassen. 

Wie ist die rechtliche Lage? Wer darf in so einer Situation entscheiden, ob das Tier mitgenommen wird?

Das Ordnungsamt entscheidet, ob ein Tier bei dem Halter bleibt oder in Obhut genommen wird. Das Kreisveterinäramt fungiert als Sachverständiger und gibt Empfehlungen ab.  Meist bekommt der Tierhalter zunächst die Möglichkeit, den Mangel, dies ist der rechtliche Begriff, innerhalb einer gesetzten Frist zu beheben. Bei einem kranken Tier ist die Frist meist kurz. Oft beträgt sie einen Tag.

Der Tierhalter wird zunächst mündlich und in der Regel danach auch schriftlich aufgefordert, festgestellte Mängel zu beheben und die angeordneten Maßnahmen umzusetzen.

Wird gegen die Halterin ermittelt?

Die Halterin wird sich für Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu verantworten haben. Es handelt sich um Offizialdelikte, die Behörden zur Anzeige bringen müssen,  wenn sie davon erfahren. Danach wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm entweder aus Rohheit Schmerzen oder  Leiden zufügt. Diese Beschreibungen gelten auch, wenn die Schmerzen dem Tier durch Unterlassen beigefügt werden –  wenn also beispielsweise bei einer offensichtlichen Krankheit oder Verletzung keine  Behandlung efolgt.

Kann ein Hundehaltungsverbot ausgesprochen werden?

Der Amtstierarzt überprüft im Rahmen einer vor Ort Kontrolle, zumeist gemeinsam mit einem Vertreter des zuständigen Ordnungsamtes die Tierhaltung. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Haltungsbedingungen und den Zustand des Tieres/der Tiere gerichtet. Wenn erforderlich, wird ein tierartgebundenes Tierhaltungsverbot ausgesprochen, je nach dem welche Tierart von den tierschutzrechtlichen Verstößen betroffen ist.

Ob im vorliegenden Fall ein Hundehaltungsverbot ausgesprochen werden wird, ist noch offen. „Wir müssen die strafrechtlichen Ermittlungen abwarten“, sagte der zuständige Ordnungsamtlseiter des Amtes Arensharde, Holger Weinert.

 

 
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