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Aus den USA nach Jagel : Tornados vs. Entschleunigung: Schlei-Region bangt um Touristen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die geplante Verlegung der Tornado-Pilotenausbildung von den USA nach Jagel löst ein geteiltes Echo aus.

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 08:30 Uhr

Die Ausbildung von Tornado-Piloten wird von Holloman in den USA nach Jagel im Kreis Schleswig-Flensburg verlegt. Die Bevölkerung reagiert mit gemischten Gefühlen.

Der Standort Jagel wird sich durch den Umzug der Tornado-Piloten in der Ausbildung vergrößern. Auf die Anwohner kommt durch mehr Starts und Landungen von Tornados eine höhere Lärmbelastung zu.

Während die Bürgermeister der Umlandgemeinden sich mit Einschätzungen bedeckt halten, nehmen einige Vermieter von Ferienwohnungen kein Blatt vor den Mund. Aus ihrer Sicht gibt es keinen Zweifel daran, dass die Intensität des Flugbetriebs mit der Pilotenausbildung steigen wird – mit negativen Auswirkungen auf den Tourismus an der Schlei. Schleswig und die Schlei sind nur wenige Kilometer entfernt, eine Region, die mit Ruhe, Natur und Abgeschiedenheit um Urlauber wirbt.

Foto: dpa
 

Max Triphaus, Geschäftsführer des regionalen Tourismus-Vermarkters Ostseefjord Schlei, erwartet angesichts der möglichen zunehmenden Intensität des Flugbetriebs in Jagel einen Interessenkonflikt, schließlich werbe man unter den Slogans „Entschleunigung“ und „Langsamzeit“. Derzeit sei das Maß der Belastung für den Tourismus in der Schleiregion „noch erträglich“, sagte er gestern auf Anfrage. „Wenn es aber deutlich mehr Fluglärm werden sollte, sehe ich Gesprächsbedarf.“

„Die Leute, die hier Urlaub machen, kommen aus Ballungsgebieten und wollen ihre Ruhe haben“, weiß beispielsweise Bernd Holger Voigt, der gemeinsam mit seiner Frau Gisela in Fahrdorf eine Wohnung an Feriengäste vermietet. Und diese Ruhe – da ist er sicher – wird mit dem zusätzlichen Ausbildungsbetrieb weniger werden. Den offiziellen Angaben der Luftwaffe zu Starts und Landungen auf dem Flugplatz Jagel glaubt er schon lange nicht mehr. „Ich bin mir nicht sicher, ob dabei auch die Flugplatzrunden und das nochmalige Durchstarten vor einer Landung mitgezählt werden“, sagt er. Und auch Beteuerungen, dass beispielsweise Tiefflüge nur über der Nord- und Ostsee stattfinden würden, schenkt er wenig Glauben. „Wir saßen bei Nachbarn, als ein Tornado so tief flog, dass ich dem Piloten in der Nase hätte bohren können. Wir sind fast von der Terrasse geflogen!“ Sollte die Bundeswehr ihre Pläne wahr machen, erwägt er sogar, aus Fahrdorf wegzuziehen. Haus und Grundstück, befürchtet er, würden an Wert verlieren.

Eine andere Ferienwohnungsvermieterin, die namentlich nicht genannt werden möchte, bleibt hingegen gelassen. Bisher habe es von ihren Gästen nie Beschwerden über den Lärm der Jets gegeben. Und auch wenn sie mehr Starts und Landungen erwartet, so glaubt sie nicht an negative Auswirkungen auf die Buchungslage. „Wir leben mit den Tornados, und unsere Gäste wissen das auch.“ Vermieter Jochen Fritsche, ebenfalls aus Fahrdorf, befürchtet, dass der zunehmende Lärm vor allem Stammgäste vergraulen könnte. „Aber bislang ist ja alles nur Spekulation.“

Das ist es auch für die Bürgermeister Frank Ameis (Fahrdorf) und Klaus Dietrich (Selk). Am Spekulieren wollen sich beide nicht beteiligen und verweisen auf die kommende Sitzung der Fluglärmkommission. „Wie wollen erst einmal in Ruhe mit dem Geschwader sprechen und dann Stellung beziehen“, sagt Dietrich.

„Die Verlegung der Ausbildung nach Jagel finde ich nicht schlimm. Vom Lärm her wird es nichts anderes sein. Wir haben die Starfighter-Zeit erlebt, da war es viel schlimmer als heute“, sagt Georg Schindler (51) aus Busdorf. Und Susanne B. (52) aus Stexwig sagt: „Ob wir uns nun aufregen oder nicht – da können wir ja sowieso nichts machen. Wir müssen mit dem militärischen Flugplatzlärm leben. Schlimmer ist es in Frankfurt.“ Wilhelm Röh aus Schleswig (76) meint: „Ich hätte gerne die Privatisierung des Flugplatzes gehabt. Die Verlegung der Flugausbildung bringt für uns nichts. Von Jagel aus in den Urlaub zu starten, das wäre gut.“

Auch im Internet wird diskutiert:

Leser Godehard Schmidt-Goertz beispielsweise hebt den sparsamen Umgang mit dem Geld der Steuerzahler hervor und verweist darauf, dass der Fliegerhorst Jagel einst ein Marinefliegergeschwader mit drei Staffeln und über 50 Tornados beherbergt habe. Das Taktische Luftwaffengeschwader 51 nutze die vorhandene Infrastruktur also nur zur Hälfte. „Man wundert sich regelrecht, dass niemand schon früher auf die nahliegende Idee gekommen ist, die Ausbildung aus Holloman nach Jagel zu holen.“

Sven Miethke kommentiert auf Facebook: „Das wird den Tourismus in der Region negativ beeinflussen. Die Bundeswehr ist völlig überaltert, und zur Landesverteidigung taugt sie auch nicht mehr. Die Ausbildung macht nur Lärm und verschmutzt die Umwelt. Darunter wird die Region stark leiden, und ich frag’ mich, was daran gut sein soll.“

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