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HSV-Fanclub in Angeln : Torjubel und Freudentränen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gemeinschaftserlebnis und Besuchs-Verbot: Wie HSV-Anhänger mit ihrer Mannschaft um den Klassenerhalt zitterten.

Beim HSV-Fanclub „Schleiraute“ in Steinfeld war das Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC das ganz große Ereignis. Mehr als 30 Mitglieder verfolgten das Herzschlagspiel auf der zwölf Quadratmeter großen Leinwand in ihrem Vereinsheim in Steinfeld. Der Jubel nach 90 Minuten, Verlängerung und Nachspielzeit und dem Abpfiff war ohrenbetäubend.

Anfangs war die Stimmung gemäßigt. Es wurde kommentiert und zu Torschüssen geklatscht. Zur Halbzeit waren sich alle einig, dass der HSV das beste Spiel in dieser Saison zeigte – aber ein Tor fehlte. Das schoss dann der Gegner. Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der die Fans mit diesem Schlag fertig werden mussten, hielt es keinen mehr auf den Sitzen. Jetzt wurden die Spieler angefeuert, jeder Ballgewinn bejubelt und jedes Fast-Tor betrauert. Als sich Marcelo Diaz den Ball für den Freistoß in der 92. Minute zurechtlegte, tönte es: „Mach dich unsterblich!“ Und er tat ihnen den Gefallen. „Ich brauche ein Sauerstoffzelt“, stöhnte ein Zuschauer, als ihm klar wurde, dass sich der HSV zwei Minuten vor dem Abstieg in die Zweite Liga noch einmal gefangen hatte. „Man sollte diesen Verein wegen Körperverletzung anzeigen“, schlug ein anderer Zuschauer mit hochrotem Kopf vor. Den Stress könne doch kein Fan aushalten.

Das Siegtor sechs Minuten vor Schluss der Verlängerung löste ein derartiges Gebrüll aus, dass es vermutlich noch im Nachbarort zu hören war. „Der Dino ist nicht totzukriegen!“ und „Die Uhr wird nicht abgestellt!“, hörte man. Denn alle wussten, dass der KSC jetzt zwei Tore schießen musste, um in die erste Liga zu gelangen. Deshalb nahm man auch den Elfmeter gelassen hin, der außerdem auch noch gehalten wurde. Nach dem Spielschluss verlagerte sich der Jubel auf die Straße, wo Menschen sich in die Arme fielen und Fahnen geschwenkt wurden. Das Tüpfelchen auf dem I war ein Übungseinsatz der Steinfelder Feuerwehr. Die rückte mit Blaulicht an und stürmte mit dem Schlauch das Vereinsheim, um „die überhitzten Gemüter abzukühlen und einen Flächenbrand zu verhindern“. Gefeiert wurde danach noch lange. Dazu gab es Freibier vom Vereinsvorsitzenden Werner Gabriel.

Der war als einer der wenigen in der Lage, einen abgeklärten Kommentar zu geben. „Bis zur 90. Minute habe ich nicht daran geglaubt, dass wir dieses Spiel gewinnen könnten“, sagte er. Aber wie man sehe, könne alles anders kommen, als man denke. „Ich hoffe nur, dass zur neuen Saison die halbe Mannschaft ausgetauscht wird und alles besser wird“, sagte Gabriel, während seine euphorisierten Mitstreiter der Mannschaft neue Ziele setzte. Die Forderungen reichten von „Nie wieder Relegation!“ bis zu „Nächstes Jahr Championsleague“.

Kay Buchholz, Vorsitzender des Jübeker Fanclubs „Rauten Düwels“, hat am Montagabend bewusst auf Gesellschaft verzichtet. Nachdem er das Hinspiel noch im Stadion gesehen hatte, erteilte er Freunden und Bekannten Besuchsverbot und setzte sich allein vor den Fernseher. Er wollte seine Emotionen niemandem anders zumuten. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit sah er seine geliebten Hamburger gedanklich bereits in der zweiten Liga und sich auf dem Weg zum Punktspiel nach Sandhausen – ein unerträglicher Gedanke. Aber dann wurde doch noch alles gut.

„Nach dem Schlusspfiff habe ich mir die Freudentränen abgewischt, bin in den Garten gegangen und habe einmal ganz tief durchgeatmet“, sagt Buchholz. Und sein anschließender Freudenschrei war sicher in ganz Jübek zu hören: „Nur der HSV!!!“

Für die kommende Saison erhofft sich der Fan von seiner Mannschaft keine neuen, teuren Stars, sondern talentierte junge Spieler und vor allem mehr Konstanz. Und natürlich bessere Leistungen, denn auf noch eine Relegationsrunde kann der Chef der „Rauten Düwels“ gut verzichten.

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