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Kandidat: Schleswigs Mensch des Jahres : Tobias Kargoll

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der 34-Jährige zeigte Zivilcourage, als andere wegsahen.

von
erstellt am 07.Nov.2014 | 15:37 Uhr

Schleswig Aus dem Mund von Tobias Kargoll klingt es eigentlich ganz einfach: „Ich bin gut erzogen worden. Da ist es offenbar in meinem Kopf verankert, dass ich nicht tatenlos stehen geblieben bin“, sagt der 34-Jährige. Die vielen anderen Passanten, die wie er am Nachmittag des 18. Februar in der Schleswiger Ladenstraße unterwegs waren, dachten offenbar anders. Denn als ein junger Mann durch die Fußgängerzone spurtete und ein älterer Herr hinter ihm herlief und lautstark „Festhalten, festhalten!“ brüllte, war Kargoll der einzige, der reagierte.  Gemeinsam mit einem Kollegen stand der Flensburger damals vor dem Handyladen, in dem er arbeitet, und wurde plötzlich auf das Geschrei aufmerksam. „Ich weiß noch, dass ich mich darüber geärgert habe, dass keiner was gemacht hat. Als der Typ dann immer näher kam, habe ich gar nicht weiter nachgedacht und bin auf ihn los“, erzählt er. Mit weit ausgebreiteten Armen stellte er sich dem Flüchtigen in den Weg und rang ihn schließlich nach kurzem Kampf  nieder. Wenige Augenblicke später war auch der Verfolger des jungen Mannes zur Stelle – und ließ die Handschellen klicken. Denn dieser war, wie sich schnell herausstellte, Beamter bei der Kriminalpolizei.  Der Polizist erklärte später, dass sich ihm der Jugendliche als taubstumm vorgestellt  und um eine Spende gebeten habe – um  unauffällig seine Geldbörse zu stehlen. Als der Polizist das unterbinden wollte,  gab der Trickdieb Fersengeld. Bis er auf Tobias Kargoll traf. „Ich würde es jederzeit wieder  machen“, sagt er – obwohl der Täter, ein 19-jähriger Rumäne, nach kurzem Aufenthalt auf der Schleswiger Polizeiwache noch am selben Abend mit einem weiteren  Mann vor dem Handyladen im Stadtweg stand und bedrohlich durchs Fenster blickte. „Das fühlte sich schon komisch an. Aber es hat mich nicht daran zweifeln lassen, das Richtige getan zu haben.“

Online abstimmen: www.shz.de/menschdesjahres

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