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Schleswig : Tipps für die Archivierung der Stasi-Akten

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bundesbeauftragter Roland Jahn war am Mittwoch zu Gast im Landesarchiv in Schleswig.

von
erstellt am 04.Feb.2016 | 07:30 Uhr

„Tief beeindruckt“ zeigte sich Roland Jahn, nachdem er gestern seinen kleinen Rundgang durch das Landesarchiv im Prinzenpalais beendet hatte. Zuvor hatte dessen Leiter, Professor Rainer Hering, den aus Berlin angereisten Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde mitgenommen durch die langen Gänge und vielen Räume, in denen Millionen von Akten, Filmen oder auch Fotos lagern. „Das ist das Gedächtnis Schleswig-Holsteins. So etwas muss man gut behandeln. Genau das geschieht hier offenbar“, lobte Jahn.

Der Jenaer Journalist und Bürgerrechtler hat die Leitung der Stasi-Akten-Behörde im Jahr 2011 übernommen. Er ist Nachfolger von Joachim Gauck und Marianne Birthler. Sein Besuch in Schleswig war Teil einer kleinen Reise durch Schleswig-Holstein. Unter anderem traf sich Jahn bereits am Vormittag mit Landtagspräsident Klaus Schlie und dem Landesbeauftragten für politische Bildung. In Schleswig interessierte er sich in erster Linie für die hier praktizierten Archivierungs-Methoden und die klimatischen Bedingungen, unter denen die Akten lagern. Dabei ging es insbesondere auch um die Kombination aus Alt- und Neubau. Denn die Jahn-Behörde verfügt neben dem Hauptsitz in Berlin über zwölf Außenstellen, die nicht alle die besten Bedingungen zum Archivieren der Akten böten. Deshalb seien für die Zukunft umfangreiche Um- und Neubauten geplant, mit der sich der Bundestag zeitnah befassen werde, wie Jahns Referent Niels Schwiderski erklärte. Auch die Themen digitales Magazinieren, Archiv-Pädagogik und Öffentlichkeitsarbeit waren Inhalt der Gespräche.

Rund 5000 Menschen pro Monat würden, wie Jahn erklärte, auch heute noch – 26 Jahre nach dem Mauerfall – bei seiner Behörde Akteneinsicht beantragen. Darunter seien etwa ein Drittel Wiederholungsanträge. „Das ist weiterhin ein sehr emotionales Thema“, meinte Jahn, der als Oppositioneller selbst Opfer der Stasi war. 1983 wurde er, nachdem er bereits zwangsexmatrikuliert und für sechs Monate inhaftiert wurde, gegen seinen Willen aus der DDR ausgewiesen.

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