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Schleswig : Tierschützer distanzieren sich von ihrem Präsidenten

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit seinem Besuch in Schleswig hat Thomas Schröder, der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes gewaltig Staub aufgewirbelt. Der Schleswiger Tierschutzverein sieht sich zu einer Stellungnahme genötigt.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 19:33 Uhr

Einen Medienauflauf wie an diesem Montag hatte das Tierheim am Ratsteich noch nicht erlebt: Radio, Fernsehen und mehrere Zeitungen berichteten über den Besuch von Thomas Schröder, dem Präsidenten des Deutschen Tierschutzbundes. Er hatte sich Schleswig gewählt für den Auftakt einer Rundreise durch mehrere schleswig-holsteinische Tierheime, mit der er vor allem eine Botschaft vermitteln wollte: Der Tierschutz braucht mehr Geld, und dieses Geld soll von den Städten und Gemeinden kommen, die – so Schröders Argumentation – ja schließlich jedes Jahr 300 Millionen Euro Hundesteuer kassieren.

Dass Schröder diese Forderung an alle deutschen Städten und Gemeinden ausgerechnet in Schleswig formulierte, das sorgte im hiesigen Tierschutzverein gestern für erhebliche Bauchschmerzen. „Ich habe gleich am Morgen, als ich die Schlagzeile in der Zeitung las, E-Mails an die Stadt und die umliegenden Ämter geschrieben und klargestellt, dass wir uns diese Aussagen nicht zu eigen machen“, sagt Schriftführerin Nicole Schmonsees. Denn erst kürzlich hat der Tierschutzverein mit der Stadt Schleswig und den Ämter Haddeby, Arensharde, Kropp-Stapelholm und Hütten eine Vereinbarung getroffen, die die finanziellen Sorgen des Tierheims erheblich mildert. Für die Aufgabe, aufgefundene und beschlagnahmte Hunde und Katzen aufzunehmen, zahlen die Kommunen dem Tierschutzverein jetzt fast doppelt so viel Geld wie noch im vergangenen Jahr.

Die Vorsitzende Yvonne Wiegers sagt deshalb: „Wir wollen unserem Präsidenten nicht in den Rücken fallen, aber in unserer Situation waren seine Aussagen nicht so angebracht.“ Denn die Verhandlungen mit den Kommunen hatten sich teilweise durchaus schwierig gestaltet. Das zeigt sich am deutlichsten am Beispiel des Amtes Südangeln, das schon seit Jahren nicht mehr mit dem Schleswiger Tierheim zusammenarbeitet.

Bisher zahlte zum Beispiel die Stadt Schleswig für jede gefundene Katze pauschal sieben Euro pro Tag im Tierheim, und zwar für höchstens vier Wochen. Neuerdings kann der Tierschutzverein auch alle darüber hinaus in diesem Zeitraum entstehenden Kosten mit der Stadt abrechnen.

Reaktionen aus den Amtsverwaltungen lassen Schmonsees vermuten, dass ihre Sorge nicht ganz unbegründet war, man könne sich dort von den Aussagen des Tierschutzbund-Präsidenten vor den Kopf gestoßen fühlen. „Grundsätzlich und für viele andere Tierheime waren seine Aussagen sicherlich richtig“, meint Wiegers. „Es stimmt, dass viele andere Kommunen ihre Tierheime nicht hinreichend unterstützen.“

Aber warum wählte Schröder für seinen medienwirksamen Auftritt ausgerechnet Schleswig aus? Er wollte die hervorragende Entwicklung des Hauses in den vergangenen Jahren würdigen. Und obwohl sein Auftritt für Missverständnisse sorgte, sind Wiegers und Schmonsees glücklich: Denn Schröder sagte spontan einen vierstelligen Betrag aus dem Topf des Bundesverbandes als Zuschuss für das Kleintiergehege zu.

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