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Geltinger bucht : Tierische Rasenmäher auf Tour

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Norwegische Schafe grasen am Landschutzdeich von Falshöft und befreien den Strand so von der ungeliebten Kartoffelrose.

„Alm-Abtrieb“, oder richtiger gesagt „Strand-Abtrieb“, war in dieser Woche in Falshöft für insgesamt 500 Schafe angesagt. Da ließen „Rio“ und „Mac“ die Tiere nicht aus den Augen. Die beiden Hütehunde, Vater und Sohn, neun und drei Jahre alt, umkreisten die Herde und sorgten dafür, dass der Abtrieb reibungslos über die Bühne ging. Die beiden Border Collies sind unentbehrliche Begleiter für Schafhalterin Uta Wree. Die Hunde trieben die Herde – alle gehören zur Rasse der „Norsk Spaelsau“ – auf die Koppeln, auf denen sich die Tiere mit sichtlichem Appetit auf das grüne Gras stürzten.

Die 41-jährige Tierärztin, die es vor drei Jahren von Nordfriesland nach Kappeln-Nonsfeld verschlug, spricht in Bezug auf ihre Schafe, mit denen sie sich auf Wanderschaft begeben hat, von „Norwegens Antwort auf die Heidschnucken“. Für Wree begann die Schafhaltung vor über 20 Jahren, als ihr jemand zwei der Tiere schenkte – als vierbeinige Rasenmäher. Im Laufe der Jahre sind daraus 800 geworden – und die weiden nicht nur auf Wrees eigenen Flächen, sondern auch in Port Olpenitz, in Nordfriesland und am Landesschutzdeich von Falshöft. Zudem werden sie hin und wieder auch zur Solarpark-Beweidung auf dem ehemaligen Militärgelände Eggebek und auf dem Areal eines Biobetriebs in Tarp eingesetzt.

Die norwegischen Schafe waren einst vielerorts Küstenbewohner, doch wurden sie nach und nach durch andere Rassen verdrängt. Anders sei das an der Westküste Norwegens, erzählt die Schafhalterin. Dort habe diese Rasse nach wie vor das Sagen. „Früher“, erzählt Uta Wree zudem, „nahmen die Wikinger diese Schafe mit auf ihre Schiffe – als Proviant.“ Sie lieferten den Nordmännern nicht nur Wolle, Milch und Fett, sondern auch Fleisch während der Reisen.

Am Strand in Falshöft haben Wrees Schafe vor allem die Kartoffelrose („Rosa Rugosa“) verputzt und sich so gleichzeitig um den Strand und den Naturschutz verdient gemacht. Die Kartoffelrose, ein Lieblingsfressen der Schafe, ist hier äußerst ungeliebt. Sie ist derart dominant, dass sie andere Pflanzen verdrängt und so auch Bodenbrütern keine Chance lässt. Die Strandbeweidung trägt also zum Erhalt einer Artenvielfalt bei. Uta Wree: „Den Schafen mit ihren Fressgewohnheiten sei Dank.“

Bevor die Schafe von Falshöft auf Weiden mit Wintergras im gesamten Kreisgebiet gruppenweise verlagert werden, verweilen sie kurzfristig auf Deichwiesen . Einige bleiben auch dort. Das Auftauchen der Herde war ein von Spaziergängern viel beachtetes Spektakel. Die Jungen und Mädchen des Wald- und Naturkindergartens Geltinter Birk etwa staunten nicht schlecht, als sie die Tiere auf der Straße entdeckten.

Die „Norsk Spaelsau“ bleiben den ganzen Winter hindurch draußen. Anfang November steht für die Mutterschafe das Decken durch die Böcke an, im April beginnt das Lammen. Danach verbringen „Mutter und Kind“ eine Woche im Stall, geschützt vor Füchsen und Krähen. Dann geht es wieder hinaus. In ihrem zweiten Lebensjahr kommen die Lämmer mit zur Strandbeweidung nach Falshöft, die beginnt im nächsten Jahr wieder im August. Bis dahin hat der Nachwuchs von den Müttern gelernt, wie man richtig frisst.

Übrigens: Bei den Schafen haben die Böcke nichts zu melden. Die alten Mutterschafe als Leittiere wie zum Beispiel „Tonks“, „Mercedes“, „Melman“ oder „Braunhilda“ sagen, wo es lang geht, erklärt Uta Wree. Dabei verhehlt sie nicht, dass es nicht einfach ist, die Schafe satt durch den Winter zu bekommen. Zunehmend haben Maisfelder Wiesen verdrängt.

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erstellt am 24.Okt.2013 | 07:45 Uhr

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