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Bürgermeister-Wechsel : Thorsten Dahls emotionaler Abschied

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rund 200 Bürger verfolgten im Ständesaal, wie der Bürgermeister seine Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Arthur Christiansen übergab.

von
erstellt am 18.Jan.2014 | 07:45 Uhr

Zum Schluss kamen ihm doch noch die Tränen. „Das wollte ich eigentlich gar nicht“, sagte Bürgermeister Thorsten Dahl am Ende seiner Abschiedsrede im zum Bersten gefüllten Ständesaal des Rathauses. Eine dreiviertel Stunde lang hatte er die Amtszeit Revue passieren lassen und wirkte dabei fast so wie immer in den vergangenen zwölf Jahren, als Rückschläge ihm nie etwas auszumachen schienen. Detailliert schilderte er große Projekte und auch Nebensächlichkeiten, zeigte Bilder vom Büchereigebäude und von der Freiheit, lobte die Arbeit der Feuerwehr und bedankte sich bei seinen Bürokräften Gabriela Marx und Bettina Piening. Natürlich hätte er gern weitergemacht, sagte er, aber „ein Bürgermeisteramt ist keine Lebensaufgabe“. Die Gefühle übermannten ihn schließlich, als er sich an seine beiden Töchter, seine Eltern und seine Lebensgefährtin wandte. Er habe viel zu wenig Zeit für die Familie gehabt, das werde sich nun ändern.

Formal war die zweistündige Veranstaltung gestern Nachmittag eine Sitzung der Ratsversammlung. Vor ihr legte der neue Bürgermeister Arthur Christiansen seinen Amtseid ab und nahm die Schlüssel für das Rathaus entgegen. Aber in den Stuhlreihen vermischten sich Ratsmitglieder und Gäste. So saß Johannes Callsen, der Oppositionsführer aus dem Kieler Landtag, neben Grünen-Ratsfrau Babette Tewes. Die früheren Bürgervorsteherinnen Annelen Weiss und Anke Carstens-Richter waren dabei, ebenso die früheren Bürgermeister Klaus Nielsky und Bodo Richter.

Überhaupt hatte sich viel Prominenz aus Stadt und Land eingefunden, allen voran der Kieler Innenminister Andreas Breitner. Er erinnerte sich an die Zeit, als er selbst Bürgermeister von Rendsburg war und zusammen mit Dahl gemeinsame Probleme anging wie zum Beispiel die leer stehenden Hertie-Kaufhäuser in den Innenstädten. In erster Linie wandte sich Breitner aber an den neuen Bürgermeister, als er sagte: „Für eine Stadt wie Schleswig ist es nicht unwichtig, welche Persönlichkeit an der Spitze der Verwaltung steht.“ An Christiansen, der sich in den vergangenen Wochen schon energisch in die Stadtpolitik eingemischt hat – zum Beispiel in die Theaterdiskussion – appellierte der Minister aber auch, vorsichtig zu agieren: „Gehen Sie nicht mit Lösungen auf Probleme zu, die Sie noch nicht kennen!“ Langweilig werde es in Schleswig mit dem neuen Bürgermeister jedenfalls nicht werden.

Im Namen aller Ratsfraktionen bedankte sich SPD-Fraktionschef Stephan Dose bei Dahl und erwähnte dabei auch, dass es „kein Geheimnis ist, dass das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Ratsversammlung nicht immer einfach war“. Bürgervorsteher Eckhard Haeger attestierte Dahl, er habe sein Amt stets engagiert und mit Freude ausgeübt, und der Respekt vor dem Amt gebiete es, ihm nun einen würdigen Abschied zu bereiten.

Für die Bürgermeister der Nachbargemeinden sprach Ralf Feddersen aus Busdorf. Auf persönlicher Ebene fand er sehr freundschaftliche Worte, als Abschiedgeschenke holte er unter anderem eine Flasche Cola light aus einem Stoffbeutel – als Anspielung auf die Ausrüstung, mit der Dahl zu gemeinsamen Terminen erschien. In der Sache aber übte Feddersen deutliche Kritik. Er hoffe, dass der abgerissene Gesprächsfaden zwischen Stadt und Umland wieder aufgenommen werde.

Arthur Christiansen ließ keinen Zweifel daran, dass er diesen Wunsche erfüllen werde. „Als Bürgermeister von Handewitt war ich das Busdorf vor den Toren Flensburgs“, sagte er. Seine ausführliche Antrittsrede wird er erst auf der nächsten Sitzung der Ratsversammlung am 17. Februar halten, ein vollmundiges Versprechen aber gab es schon jetzt ab: „Alles wird gut.“

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