Schleswig : Thermen-Experte kam mit Helikopter

Frank Neubauer (47)  ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbands.
Frank Neubauer (47) ist Vorsitzender des CDU-Ortsverbands.

Stadt empfing drei potenzielle Betreiber / Nächster Schritt: Rat soll am 19. September über die Ausschreibung des Projekts entscheiden

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19. August 2011, 09:06 Uhr

Schleswig | Manchmal ist offenbar kein Weg zu weit und kein Aufwand zu groß. Wie jetzt bekannt wurde, musste der Werkhof der städtischen Umweltdienste am Ilensee vor kurzem geräumt werden, um für mehrere Stunden als Flugplatz dienen zu können. Kaum waren die Vorbereitungen abgeschlossen, landete ein Hubschrauber. An Bord der Maschine befand sich ein hochrangiger Manager der "Kristallbäder"-Gruppe, die in Deutschland zwölf Thermen betreibt. Der Manager wollte vor Ort der Frage nachgehen, ob Schleswig als Thermenstandort in Frage kommt.

Ohne öffentliches Aufhebens hat die Stadt in den Sommerferien die Vertreter von drei Unternehmen empfangen, die mit dem Betrieb von Thermen und Bädern Erfahrung haben. Wie es aus Kreisen von Thermenbefürwortern hieß, seien die Gespräche positiv verlaufen. Keiner der Manager habe den Standort Schleswig als ungeeignet angesehen. Jeder habe die vorgelegten Wirtschaftsdaten und gutachterlichen Analysen zur Therme als nachvollziehbar eingeschätzt. Für Ende August hat ein viertes Unternehmen seinen Besuch in Schleswig angekündigt.

Die Gespräche dienten dazu, verschiedene Szenarien für eine Realisierung der Gesundheitstherme auszuloten. Im Wesentlichen ging es dabei um die Frage, ob sich potenzielle Betreiber an den Investitionskosten des Projekts beteiligen würden. Aber auch das städtische Hallenbad an der Friedrich-Ebert-Straße spielte eine Rolle. In kommunalpolitischen Kreisen gilt es mittlerweile als sicher, dass an die Therme kein Sportbad angedockt wird. Damit würde man einem drohenden Bürgerentscheid über den Fortbestand des Hallenbades aus dem Weg gehen. Allerdings ergibt sich dadurch ein neues Problem. Die Stadt ist finanziell nicht in der Lage, den Bau einer zirka 20 Millionen Euro teuren Therme zu realisieren (davon 9,8 Millionen als Landeszuschuss) und gleichzeitig das jährliche Defizit des Hallenbades von derzeit 1,1 Millionen Euro zu verkraften. Politiker und Manager denken daher über eine "Paket"-Lösung nach. Leitidee: Wer die Therme betreiben will, muss das Hallenbad mitübernehmen.

Doch bevor diese Fragen geklärt werden, muss die Ratsversammlung am 19. September darüber befinden, wie weiter vorgegangen werden soll. Geht es nach dem CDU-Ortsverbandsvorsitzenden Frank Neubauer, "muss endlich Schluss mit den unklaren Mehrheitsverhältnissen sein". Neubauer will in der kommenden Ratssitzung zunächst beantragen, sämtliche bisher gefassten Thermenbeschlüsse aufzuheben. In einem zweiten Schritt will er den Antrag einbringen, das Projekt Therme weiter zu verfolgen. Der Sinn dieses Manövers: "Wenn man die Therme verwirklichen will, geht das nur mit einer stabilen Mehrheit. Jedes Ratsmitglied soll sich endlich klar bekennen, ob es die Therme will oder nicht", sagt der Politiker.

Dieses Vorgehen ist für die Befürworter der Gesundheitstherme auf der Freiheit allerdings mit einem erheblichen Risiko verbunden. Sollte sich der Rat gegen die Fortführung des Projekts aussprechen, wäre der Bau einer Therme mit städtischer Beteiligung - auch aus Sicht der CDU - endgültig vom Tisch.

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