Hund im Krankenhaus : Therapiehelfer mit Schlappohren

Großer Erfolg: Ergotherapeutin Elisa Dunkel kann mit ihrem Therapiehund Nicky viele Patienten zurück ins Leben führen.
Großer Erfolg: Ergotherapeutin Elisa Dunkel kann mit ihrem Therapiehund Nicky viele Patienten zurück ins Leben führen.

Im Helios-Klinikum in Schleswig werden ganz besondere Methoden eingesetzt, um Schlaganfall-Patienten wieder auf die Beine zu bringen. Dabei werden auch die Gefühle der Menschen wieder belebt.

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08. Juli 2014, 07:45 Uhr

Nicky ist sehr aufgeregt. Man kann ihm die Freude fast schon von den Augen ablesen. Endgültig verraten hat ihn aber sein Hinterteil, denn der Schwanz des sechs Jahre alten Australian Shepherd wedelt schon seit einigen Minuten. „Er weiß, dass er gleich was zum Naschen bekommt“, sagt seine Besitzerin Elisa Dunkel. Die Ergotherapeutin versteckt die „Leckerlis“ zwar noch in einem Beutel, aber sobald Nicky auf die Befehle des Patienten Georg Rantmann (Name geändert) reagiert, greift sie hinein und legt ein Stück in dessen ausgestreckte linke Hand. Nicky ist der erste Therapiehund im Schleswiger Helios Klinikum, wo er für die Physiotherapie von Patienten der Neurologie eingesetzt wird. Im Laufe des Jahres könnte er aber auch noch in anderen Bereichen zum Einsatz kommen.

„Wir könnten uns vorstellen ausgebildete Therapiehunde in der Kinder- und Jugendpsychiatrie einzusetzen“, sagt Karsten Schepelmann. Der Chefarzt für Neurologie im Helios Klinikum hat den Australian Shepherd aber fürs Erste in den Keller der Klinik geschickt, wo die Physiotherapie stattfindet. Stationsleiterin Carmen Hansen kümmert sich dort unter anderem um die Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten wie Georg Rantmann. „Bis jetzt läuft es sehr gut, aber wir müssen sehen wie weit wir mit dieser Methode gehen können“, sagt sie.

Bei Rantmann war vor allem das Sprachzentrum im Gehirn betroffen, weshalb er immer noch kaum sprechen kann. „Seitdem er mit Nicky trainiert, haben wir größere Erfolge“, berichtet Hansen. Rantmann mache seitdem große Fortschritte, die auch ihren Chefarzt verblüffen. „Vor ein paar Wochen konnte er noch kein Wort sagen“, erinnert sich Stationsleiterin Hansen, die Nickys Einsatz auf ihrer Station mittlerweile stark befürwortet. „Ein Hund kann der Türöffner innerhalb einer Therapie sein“, weiß auch Ilona Krause, die Inhaberin einer Ausbildungsstätte für Begleit- und Therapiehunde in Kropp ist. Der Einsatz eines Hundes zu Therapiezwecken hänge allerdings immer von der jeweiligen Situation ab.

„Mit Leuten, die Hunde nicht mögen, kann Nicky noch so freundlich sein. Das führt dann einfach zu nichts“, sagt die 27-jährige Dunkel. Deshalb erkundige sie sich im Voraus bei Freunden und Verwandten über das vorherige Verhältnis zwischen Patient und Hund. „Ich hatte früher selbst einen kleinen Terrier“, kriecht es langsam und äußerst leise über Rantmanns Lippen. Dabei formt sich ein schwaches Lächeln in seinem Gesicht. „Nach einer Stunde hat er Nicky schon selbst gerufen“, berichtet Dunkel. Ihr Hund habe sich daher als ein sehr hilfreiches Zusatzangebot erwiesen. „Ein Therapiehund ist genauso ein Mittel zur Reha wie eine Gymnastikmatte“, erklärt Hundeausbilderin Krause. „Der Patient bewegt sich mit dem Hund nur viel mehr“.

Warum das so ist, kann auch Chefarzt Schepelmann nicht genau sagen. „Vielleicht öffnen Tiere bei uns Menschen einen Kanal, der sonst nicht genutzt wird“, vermutet der Neurologe. Sicher sei nur, dass sich durch die Präsenz des Hundes eine andere Art von Vertrauen zwischen dem Therapeuten und dem Patienten ergibt. „Durch Nicky bekam ich einen besseren Zugang zu Herrn Rantmann“, erklärt Dunkel. Am Anfang habe er nur wenig Vertrauen in sie erkennen lassen. Jetzt würde er wohl kaum noch jemand anderen akzeptieren.

Für Rantmann ist es mittlerweile die dritte Sitzung mit Nicky. Im Laufe des Therapie soll er seine Stimme wieder vollständig zurückgewinnen. Seine gelähmte rechte Körperhälfte soll ebenfalls von Nickys Zuneigung profitieren. „Wir überlegen seine rechte Hand mit Frischkäse einzustreichen und Nicky dann darüber lecken zu lassen“, erklärt Dunkel. So könne man den Arm wieder schonend an verschiedene Reize gewöhnen. Welchen weiteren Patienten Nicky helfen darf, ist noch nicht klar. Vorher muss seine Besitzerin noch die Ausbildung an ihrer Hundeschule in Kiel beenden. Vor allem die vierstündige schriftliche Prüfung werde sicherlich nicht leicht, sagt sie. „Um die praktischen Aufgaben mit Nicky mache ich mir aber keine Sorgen“, fügt sie hinzu. Auch sein Verbleib im Krankenhaus ist für sie sicher. Immerhin hat er schon während seiner Ausbildung gezeigt, was er alles bewirken kann.

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