Nachwuchstalent : Theater-Mädchen

Vorher: Vor der Ankündigung der Oper „Le Grand Macabre“.
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Vorher: Vor der Ankündigung der Oper „Le Grand Macabre“.

Sofia Niemeyer möchte Schauspielerin werden. Als Statistin sammelt die Schülerin erste Bühnenerfahrung am Landestheater

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18. August 2018, 16:20 Uhr

„Klar“, sagt Sofia Niemeyer, „diese Kritik kenne ich, dass Leute meine Pläne nicht so ernst nehmen oder kritisch sehen.“ Wer sagt, dass er Schauspieler werden und am liebsten nach Amerika gehen will, der gilt schnell als verträumt. „Aber ich gebe nicht so viel auf das, was andere Leute meinen, und spätestens, wenn ich mit meinen Eltern spreche, weiß ich, dass es in Ordnung ist, dass ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen.“

Und wenn es nicht klappen sollte mit der Schauspielerei? „Naja, dann hab’ ich es jedenfalls versucht und muss mich später nicht darüber ärgern, von vornherein ,Nein‘ gesagt zu haben.“

Sofia Niemeyer ist 17 Jahre alt, Gymnasiastin, seit ihrem zehnten Lebensjahr mit dem Schauspiel-Virus infiziert. Nicht im Theater, sondern vor dem Fernseher habe sie sich angesteckt. „Ich habe schon immer gern Filme gesehen und finde es total cool, dass Schauspieler in verschiedene Rollen, also auch irgendwie in verschiedene Leben, schlüpfen können.“

So probiert sich die junge Frau selbst aus in der Kunst der Darstellung. Sie besucht die Theaterschule in Flensburg, nimmt an Workshops teil und steht auf der Bühne des Landestheaters – als Statistin, aber immerhin. „Le Grand Macabre“, die große absurde Oper von György Ligeti – ausgerechnet eine Weltuntergangs-Groteske – hat es der Schülerin angetan. Zugegeben: „Das ist alles etwas irre und anstrengend.“ Aber die Wucht der Gefühle, die auf der Bühne entstehe, die sei „total beeindruckend“. „Besonders im dritten Bild, wenn die zwölf Apostel des Todes auftreten. Das kann ich nicht beschreiben. Das muss man sehen.“

Opernchef Markus Hertel stimmt einem Theaterbesuch der Journalistin zu: Hinter den Kulissen summt es, irgendwo wird ein Instrument gestimmt. Volltönend dröhnt eine Männerstimme Tonleitern ins Treppenhaus. Vor dem Spiegel in der Maske sitzt Sofia Niemeyer und wird geschminkt. Die langen blonden Haare verschwinden unter einem Nylon-Haarstrumpf. Die Statisten – elf sind es insgesamt – werden heute viele Auftritte haben, sind Gefolge, Gehilfen, Diener, düstere Geister, Diktatoren. Manchmal laufen sie auf verschlungenen Wegen hinter und unter der Bühne zu ihren Auftritten, manchmal warten sie im Dunkel der Kulissen, manchmal müssen sie sich so schnell umziehen, dass sie es ohne Hilfe kaum schaffen können. Alles ist durchgeplant und so oft geprobt, dass Sofia Niemeyer heute, am Tag der letzten Aufführung vor der Sommerpause, nicht einmal mehr aufgeregt ist. Die Verwandlung der Schülerin ist verblüffend. Lehnte sie eben noch mädchenhaft schüchtern am Schaukasten, der „Le Grand Macabre“ ankündigt, steht sie nun fest und breitbeinig auf der Bühne: ein kalter, mächtiger, böser Mann – ein Apostel des Todes im dritten Bild. Und, ja, die Szene – das ganze Stücke – ist irre und wahrhaft beeindruckend.

Wie wird es weitergehen für die schauspielbegeisterte junge Frau? So viel Erfahrung wie möglich will Sofia sammeln. Sie ist dankbar für jedes Erlebnis, freut sich über den zwanglosen Umgang, der am Theater herrscht – zwischen den Statisten, aber auch mit Schauspielern und Verantwortlichen. Sie lerne viel, auch fürs „wahre Leben“, sagt sie und erklärt: „Dadurch, dass du Rollen spielst, lernst du verschiedene Lebenssituationen sozusagen von Innen kennen. Du kannst fühlen, wie es der Figur geht, die du bist.“ Sie lacht: Einmal sei sie eine Mutter gewesen. „Das Führsorgliche zu spielen, fiel mir nicht so schwer. Aber die Sorge um meine Tochter zu erleben – das hat mich wirklich beeindruckt.“

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