Schleswig : Theater-Bau: Stadt tritt auf der Stelle

So könnte das neue Theater aussehen. Montage: Jennert
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So könnte das neue Theater aussehen. Montage: Jennert

Die Landesregierung zeigt Schleswig in Sachen Theater-Finanzierung die kalte Schulter. An einem "Runden Tisch" nahm niemand aus den Ministerien teil.

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23. April 2012, 09:53 Uhr

Schleswig | Es sollte der große Durchbruch werden, stattdessen machte sich am Ende bei vielen Beteiligten Frustration breit. Der "Runde Tisch" zur Finanzierung des Theater-Neubaus hat keine neuen Fördermöglichkeiten aufgetan. "Darüber bin ich sehr enttäuscht", sagte Bürgermeister Thorsten Dahl auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Diskussion im Ständesaal. Dennoch wollen die Verantwortlichen nicht aufgeben. Der Vorsitzende des Theater-Aufsichtsrates, Dr. Jörn Klimant, gab sich kämpferisch. Bei ihm sei durch das Ergebnis des "Runden Tisches" eine "Jetzt erst recht"-Stimmung entstanden.
Dahl hatte zu der Sitzung Vertreter aller Landtagsfraktionen und aller zuständigen Ministerien sowie führende Schleswiger Kommunalpolitiker eingeladen. Die Ministerien hatten jedoch aus "Terminschwierigkeiten" keinen Vertreter entsandt. Dabei saßen die wichtigsten Entscheidungsträger nicht am Tisch - ein "Ärgernis", das beim Bürgermeister auf große Verwunderung stieß. Denn von der Landesregierung hängt ab, ob Schleswig einen Ersatz für das marode Stadttheater bekommt. Sollte sich das Land mit zwei Millionen Euro an der Finanzierung des 16,5-Millionen-Baus beteiligen, würden die kommunalen Spitzenverbände ihrerseits die Schatulle öffnen. Dies haben sie bei der Sitzung im Rathaus erneut in Aussicht gestellt. Dabei wurde konkret der Fördertopf benannt, aus dem die Mittel fließen sollen. War bisher stets von Geldern aus dem kommunalen Finanzausgleich die Rede, geht es jetzt um einen "Sonderbedarfsfond". Dieser wird nach Angaben von Fachbereitsleiterin Dr. Julia Pfannkuch mit jährlich fünf Millionen Euro gespeist. Schleswig möchte über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren insgesamt sechs Millionen Euro aus diesem Topf erhalten.
"Jetzt müssen Taten folgen"
Auf der Sitzung hat es laut Klimant "an guten Worten nicht gefehlt, aber jetzt müssen Taten folgen." Er griff einen Vorschlag auf, der aus der Ideenkiste der kommunalen Spitzenverbände stammt. Demnach sollten alle zuständigen Ministerien "endlich an einen Tisch gebracht werden". Die Spitzen der Ministerien müssten "diese Sache zu ihrem Thema machen." Großen Respekt äußerte Klimant vor den Gremien der Stadt Schleswig, die bis zu fünf Millionen Euro für den Theater-Neubau zur Verfügung stellen wollen: "Ich hätte erwartet, dass die Landesregierung dieses würdigt."
Generalintendant Peter Grisebach sagte, der "Runde Tisch" habe gezeigt, "dass Schleswig allein ist". Insbesondere zeigte er sich darüber verärgert, dass es von Kulturminister Ekkehard Klug "bis heute keine Sympathiebekundung zum Theater" gebe. "Ein dreibeiniger Hocker mit zwei Beinen steht nicht", sagte er in Anspielung auf die drei Säulen der Theater-GmbH - die Städte Flensburg, Rendsburg und Schleswig.
Ausstieg aus Landestheater-Gesellschaft?
Dahl betonte, dass man alles dafür tun werde, eine Lösung herbeizuführen, hielt allerdings auch seine Ankündigung aufrecht, bei einem Scheitern den Gesellschaftervertrag des Theaters zu kündigen. Klimant sagte, dass das Theater im Falle eines Ausstiegs der Stadt in kürzester Zeit "mausetot" sei. Eine vor wenigen Wochen von Minister Klug geäußerte Einschätzung, dass sich nach einem Schleswiger Ausstieg andere Gesellschafter finden würden, bezeichnete Klimant als realitätsfern".
Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. Dahl zitierte die Landtagsabgeordnete Birte Pauls mit dem Hinweis, dass "mit der SPD eine Finanzierung des Theaters gelingen wird". Klimant wiederum berichtete, dass er vor dem "Runden Tisch" einen Anruf von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) erhalten habe. Der Regierungschef habe ihm versichert, "dass er sich des Themas gedanklich angenommen hat".

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