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Überarbeitetes Verkehrskonzept : Tempo 30 in Schleswig: Stadt rudert zurück

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bei einer Info-Veranstaltung im Rathaus präsentiert die Verwaltung ein in einzelnen Punkten überarbeitetes Verkehrskonzept. Die Meinungen sind nach wie vor geteilt.

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erstellt am 25.Mai.2016 | 07:04 Uhr

Schleswig | Tempo 50 nur noch auf den größten Durchgangsstraßen – Tempo 30 im Rest des Stadtgebiets. Dieser Plan aus der Schleswiger Stadtverwaltung sorgte im Frühjahr landesweit für Aufsehen. So sehr, dass Bürgermeister Arthur Christiansen sich nun an einem Tag, für den er sich eigentlich krank gemeldet hatte, eigens auf den Weg ins Rathaus machte, um auf einer Bürgerveranstaltung zum Verkehrskonzept eine Botschaft loszuwerden, die ihm wichtig war: Keinesfalls solle die ganze Stadt zur Tempo-30-Zone werden. „Es geht um nicht einmal zwei Dutzend Straßen.“

Tempo 30 in der Stadt: Das Verkehrskonzept könnte eine Vorbildfunktion für andere Städte sein. Es bleibt offen, wie effektiv die neue Geschwindigkeitsregelung ist und wie kostenintensiv die Umstellung wird. Die Unfallzahlen sollten deutlich nach unten gehen.

Tatsächlich gilt schon jetzt in den meisten Wohngebieten Tempo 30. Für die Zukunft ist dies aber auch für viel befahrene Durchgangsstraßen wie den Lollfuß, die Suadicanistraße, die Friedrich-Ebert-Straße oder die Moltkestraße geplant. Ronald Mehling vom Hamburger Planungsbüro VVT, das das Verkehrskonzept erstellt hatte, präsentierte eine Grafik, die zwei Überraschungen parat hatte: Einige Straßen, für die in den bisherigen Plänen noch Tempo 30 vorgesehen war, waren nun nicht mehr entsprechend markiert. Das betrifft den östlichen Teil der Schubystraße, Knud-Laward-Straße, Holmer Noorweg und Ilensee.

Einer der ersten, die diese stillschweigenden Änderungen bemerkten, war der FDP-Ratsherr Jürgen Wenzel. Erst das große Presseecho habe „diesen Irrweg beendet“, sagte er. Und: „Die abgespeckte Version ist aber noch immer schwer verdaulich.“‎ Unter den Schleswigern sind die Meinungen nach wie vor geteilt. Das wurde auf der Informationsveranstaltung deutlich. Ilona Tebbe von der Fahrschule Volker Röh befürchtete einen „verkehrspädagogischen Super-Gau“. Zu viele Tempo-30-Strecken würden von den Autofahrern nicht akzeptiert werden. Die Gegenposition vertrat Henk Schmidt-Bergemann. Er wünschte sich noch mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen, als sie jetzt geplant sind. Der passionierte Radfahrer, der sich im Fahrradclub ADFC engagiert, verwies auf Statistiken, nach denen das Unfallrisiko – und insbesondere das Risiko tödlicher Verletzungen – bei Tempo 30 deutlich geringer sei als bei Tempo 50. „Wer im Stadtverkehr schneller fährt, muss sowieso an der nächsten Ampel wieder halten und kommt am Ende nur wenige Sekunden früher an sein Ziel.“

Damit untermauerte Schmidt-Bergemann die Argumentation der Verkehrsplaner. Der Autoverkehr soll vor allem deshalb ausgebremst werden, weil viele Straßen in der Stadt zu eng sind, als dass man dort Radwege bauen könnte, die den aktuellen Vorgaben entsprechen. Demnach müssen Radwege mindestens 1,50 Meter breit sein. Viele ältere Radwege in Schleswig sind erheblich schmaler. Radfahrer sind deshalb nicht verpflichtet, sie zu benutzen.

Auf dem Info-Abend meldete sich auch Ferdinand Frenzer, der Leiter des Schleswiger Polizeireviers, zu Wort. Er sagte: „Schleswig hat bei Fahrrad-Unfällen im Vergleich zu anderen Städten keine besonderen Probleme. Veränderungen geben keine Garantie dafür, dass die Sicherheit sich erhöht.“

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