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Schleswig : Tempo 30 auf fast allen Straßen in der Stadt?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein neues Verkehrskonzept für Schleswig sieht einschneidende Maßnahmen vor. Die Ratsfraktionen sehen noch Beratungsbedarf.

Es ist ein dicker Stapel Papier, der bislang nur Eingeweihten bekannt ist: Das Verkehrskonzept für die Stadt Schleswig. In ihm geht es um Radwege, um Fußgänger-Überwege und um viele andere Vorhaben, die die Stadtverwaltung in den kommenden Jahren Schritt für Schritt umsetzen möchte. Und es gibt einen Punkt, der den Straßenverkehr in Schleswig revolutionieren würde: Tempo 30 für fast alle Straßen in der Stadt. Nur auf den Hauptverkehrsadern wie dem Gottorfdamm oder der Flensburger Straße sollen weiterhin 50 km/h erlaubt sein.

„Das ist ein Thema, über das wir in der Öffentlichkeit eine Diskussion führen sollten“, befand der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm (SPD) auf der gestrigen Sitzung. Dabei wurde das Verkehrskonzept lediglich am Ende des öffentlichen Sitzungsteils im Bericht aus der Verwaltung angesprochen.

Spätestens im kommenden Frühjahr wird der Ausschuss nun ausführlicher über das Thema beraten. Bisher gehen die Vertreter aller Fraktionen zurückhaltend mit der Frage um. Niemand ist hellauf begeistert, aber es ist auch niemand empört.

„Es wäre eine große Umstellung für uns alle“, sagte Bosholm. „Ich weiß ja selber, dass man sich als Autofahrer manchmal ärgert, wenn vor einem jemand tatsächlich 30 km/h fährt.“ Geschwindigkeitsbeschränkungen ohne Akzeptanz in der Bevölkerung seien wenig sinnvoll. Diesen Punkt sprach auch Steffen Hempel (Grüne) an: „Ich wohne selber in einer Tempo-30-Zone. Nach Einbruch der Dunkelheit hält sich keiner mehr dran.“ Helge Lehmkuhl (CDU) merkte an, dass Tempolimits nur dann sinnvoll seien, wenn man sich zuvor auch Gedanken darüber mache, wie die Einhaltung kontrolliert werden soll.

Bürgermeister Arthur Christiansen wies auf das Ziel hin, die Interessen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer unter einen Hut zu bringen: „Es geht um die zentrale Frage: Will man zu Gunsten des Radverkehrs in Kauf nehmen, die Mobilität im Fahrzeug zurückzunehmen?“ So erreichten ihn immer wieder Klagen über fehlende Radwege an viel befahrenen Straßen. „Wenn man Tempo 30 nicht will, muss man in Kauf nehmen, dass sich die Situation dort nicht ändert. Wir könne ja keine Häuser abreißen, um Radwege zu bauen“, sagte der Bürgermeister.

Klar ist, dass die stadtweite Tempo-30-Zone noch nicht im nächsten Jahr kommt. Die Bauverwaltung möchte zunächst andere Teile des Verkehrskonzeptes umsetzen. So sind im Haushaltsentwurf für 2016 zum Beispiel 100  000 Euro vorgesehen für den Bau einer Fußgänger-Querungshilfe am Stadtfeld.

 

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erstellt am 14.Okt.2015 | 11:25 Uhr

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