Sörup : Teilerfolg für den Rosengarten

Bewohnerin Theodora Johannsen und Heimbetreiber Rainer Ballhausen freuen sich über die Entscheidung des Gerichts.
Bewohnerin Theodora Johannsen und Heimbetreiber Rainer Ballhausen freuen sich über die Entscheidung des Gerichts.

Entscheidung des Verwaltungsgerichts: Senioreneinrichtung in Sörup wurde am Donnerstag nicht geräumt.

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21. Februar 2019, 18:08 Uhr

Aufatmen im Söruper Haus Rosengarten. Die vom Kreis Schleswig-Flensburg für Donnerstag verfügte Schießung der Anlage für betreutes Wohnen ist erst einmal vom Tisch. Das Verwaltungsgericht hat im Wege einer einstweiligen Verfügung dem Widerspruch des Heimbetreibers Rainer Ballhausen stattgegeben – die 16 Bewohner des Hauses können zunächst einmal bleiben.

Erlassen hatte der Kreis Schleswig-Flensburg seine Verfügung nach einer Kontrolle in der vergangenen Woche. Dabei sei festgestellt worden, dass es sich um eine vollstationäre Pflegeeinrichtung handle, für die es keine Genehmigung gebe, hieß es zur Begründung. Auch das Fehlen examinierter Pflegekräfte sowie pflegerischen und baulichen Mängel wurden angeführt. Das Gericht begründete die Aufhebung der Kreis-Entscheidung nun mit formalen Gründen, verneinte jedoch auch eine Gefahr für Leib und Leben der Bewohner.

Große Angst bei den Bewohnern

Für die Bewohner, zum Teil Pflegefälle, war diese Nachricht mit Angst, Schlaflosigkeit und auch körperlichen Beeinträchtigungen verbunden, wie es Michaele Duchscherer bei ihrem 84-jährigen Vater feststellte. „Ich war fix und fertig“, berichtet die 96-jährige Theodora Johannsen, und Horst Bukowski hatte große Angst, dass er das Haus verlassen muss, in dem er sich seit sieben Jahren wohlfühlt. „In einem Pflegeheim hätte ich mich nur verschlechtert“, befürchtete der 82-jährige Wilhelm Dettmer.

Seinem Widerspruch hatte Ballhausen Stellungnahmen aller Bewohner beigefügt, die bescheinigten, dass sie gerne im Rosengarten ihren Lebensabend verbringen, dass sie gut betreut und umsorgt werden. Auch die Stellungnahme der Hausärzte, die ihre Patienten im Rosengarten besuchen, war eindeutig. „Mein Patient wird optimal persönlich und medizinisch versorgt“, schreibt ein Arzt, und ein anderer lobt die Pflege und Versorgung sowie die außergewöhnliche Zuwendung und Kontinuität der Versorgung. Eine Verlegung in eine andere Einrichtung schließt ein weiterer Arzt aus, weil sie lebensgefährliche Konsequenzen für seine Patientin bedeuten würde.

Polizei kontrollierte die Einrichtung

„Wir haben in der vergangenen Woche wirklich schlimme Dinge erlebt“, erinnert sich Ballhausen. Nachts sei die Polizei vorgefahren, um zu überprüfen, ob jetzt eine examinierte Krankenschwester die Bewohner betreut. „Wie soll ein Polizeibeamter feststellen, ob Menschen ordnungsgemäß betreut werden?“, fragt Sabrina Ballhausen, Tochter des Betreibers und Krankenschwester.

Rainer Stiemcke vom Kreis Schleswig-Flensburg verteidigt die Entscheidung zur Schließung: „Wir schätzen Rosengarten als vollstationäre Einrichtung ein, die den gesetzlichen Anforderungen nicht gerecht wird. Deshalb mussten wir als Ordnungsbehörde tätig werden.“ Im Rosengarten habe es keine Pflegeleitung gegeben, hinzu seien pflegerische, hygienische, organisatorische und bauliche Mängel gekommen.

Die Zeit soll genutzt werden

Stiemcke sieht die Entscheidung des Gerichts dennoch auch positiv: „Jetzt können wir die Zeit nutzen, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.“ Inzwischen gebe es immerhin einen ambulanten Pflegedienst und eine Nachtwache. „Ich habe einen klaren Weg vor Augen, wie das klappen könnte, dazu aber müssen alle Beteiligten und besonders der Betreiber beitragen.“ Noch können sich die Bewohner des Rosengartens also nicht sicher sein, dass der Betrieb auf Dauer weitergeht – aber es gibt immerhin wieder Grund zur Hoffnung

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