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Offener Brief I : Team Vivendi an den Bürgermeister

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Mit diesem offenen Brief bringt Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen die Freiheit als Theater-Standort ins Gespräch - andernfalls könne das Varieté "Heimat" geschlossen werden.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 14:10 Uhr

Offener Brief der Team Vivendi Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrter Herr Bürgervorsteher,

sehr geehrte Mitglieder der Ratsversammlung der Stadt Schleswig,

sehr geehrter Herr Generalintendant Grisebach,

sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schleswig.

 

aus großer Sorge um das kulturelle Profil der Stadt Schleswig wenden wir uns mit diesem Offenen Brief an Sie und die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Gleich mehrere Gründe haben uns als Projektentwickler des Schleswigr Stadtteils Auf der Freiheit dazu veranlasst, diesen Weg zu wählen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Zukunft der – abgesehen von den Landesmuseen – bedeutendsten Kulturinstitution der Stadt: des Landestheaters und des Varieté-Theaters „Heimat“. Beide sind kulturelle Marken; sie tragen wesentlich dazu bei, Schleswigs Ruf als attraktive „Kultur-Stadt“ aufrechtzuerhalten.

Das Landestheater mit seinem Schleswiger Part hat unter der Stabführung von Generalintendant Peter Grisebach trotz schwierigster Bedingungen eine bewundernswerte Performance gezeigt. Dazu zählt aus unserer Sicht insbesondere auch der hohe Anteil an jungen Leuten unter den Besuchern.

Aber: Die derzeitige und künftige Nutzung der jetzigen Spielstätte im „Slesvighus“ ist und bleibt „keiensfalls eine Dauerlösung“ (Ralf Stegner) – gemessen an den Möglichkeiten, die die Standorte Lollfuß und Hesterberg geboten hätten. Viele frühere Abonnenten auis Schleswig sind bekanntlich in der Zwischenzeit dem Landestheater bereits verloren gegangen.

Um es klar zu sagen: Wir begrüßen das jüngst bekannt gewordene Votum des Hauptausschusses und dann hoffentlich auch der nächsten Ratsversammlung für den Verbleib von Schleswig in der Landestheater GmbH. Die Verlängerung des Interimsstandortes im „Slesvighus“ ist jedoch der falsche Ansatz – auch aus finanzieller Sicht. Wir schließen nicht aus, dass die Mietzahlungen der Stadt für den mit dem SSF verlängerten Vertrag noch oberhalb der jetzt bekannt gewordenen 175.000 Euro pro Jahr liegen werden. Aber auch ohne einen solchen Zuschlag macht das für die angestrebten 12 Jahre einen Betrag von mehr als zwei Millionen Euro oder pro Jahr – selbst an den Tagen, an denen das Landestheater das „Slesvighus“ nicht benutzt – von fast 500 Euro am Tag, den unsere hoch verschuldete Stadt ohne große Gegenleistungen des Vermieters SSF aufzubringen hat.

Das Varieté-Theater „Heimat“ auf der Freiheit, etabliert und finanziell unterstützt sowohl von der Projektentwicklungsgesellschaft Team Vivendi GmbH & Co. KG als auch von etlichen bekannten Schleswiger Unternehmen, hat sich in der relativ kurzen Zeit seier Existenz nicht nur lokal, sondern auch landesweit einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Das ist dem so geschickten wie kenntnisreichen Management von Mario Hoff zu verdanken, der seinerzeit von Team Vivendi in diese Funktion gebracht wurde. Die „Heimat“, dieses – so Bürgermeister Christiansen – „wichtige Projekt“, ist heute eine Erfolgsstory mit einer Platz-Auslastung von 86 % und 11.000 Besuchern in der letzten, gerade zu Ende gegangenen Saison. Ihr Programm trägt ohne Zweifel erheblich zur touristischen Belebung der Stadt bei.

Aber: Der Fortbestand der „Heimat“ über die aktuelle Saison hinaus ist leider existenziell gefährdet. Grund ist die derzeitige, unverständliche Blockade der weiteren Entwicklung des Freiheit-Geländes, in dem neben dem Binnenhafen auch eine Seniorenanlage (mit einem Invest-Volumen von ca. 35 Mio. Euro) geplant ist. Ohne ein Aufheben dieser kleinkarierten Blockade-Politik, die insbesondere von dänischer Seite vorgetragen wird, kann Team Vivendi die „Heimat“ nicht länger finanziell unterstützen. Im Vorgriff auf diese Problematik hat Hoffs Agentur, trotz Bedenken von Team Vivendi, die Anzahl der Veranstaltungen in der kommenden Saison bereits halbiert. Eine nachfolgende Schließung wird unausweichlich sein. Die Zeit läuft. Im Moment, Sie wissen das, steht die Ampel für die Fortsetzung des Baugebietes „Auf der Freiheit“ aus für uns nicht nachvollziehbafren Gründen auf „Rot“. Die Aussage von Ministerpräsident Torsten Albig bei seinem Besuch auf der Freiheit, „So geht Konversion“, wird konterkariert.

Doch das muss nicht das letzte Wort sein. Enn unter der Voraussetzung, dass sich der Knoten auflösen lässt, gibt es für das Landestheater wie für die „Heimat“ eine bessere Zukunft – und zwar eine gemeinsame. Lassen Sie sich bitte genau diese Zukunft von uns skizzieren. Wenn Sie nur wollen und entsprechend votieren, kann diese neue „Schlei-Halle“, wie das traditionsreiche, alte, nicht mehr vorhandene Gebäude unmittelbar am Ufer des Ostseefjords gelegen, schon 2017 Wirklichkeit werden.

Das Landestheater hat eine Spielstätte verdient, die mehr als die dürftigen Kriterien enthält wie jetzt das „Slesvighus“. Dieser Wunsch kann erfüllt werden, wenn das Schleswiger Landestheater seinen künftigen Standort auf der Freiheit in der „Heimat“ nimmt. Zudem ließe sich dadurch auch die existenzielle Gefährdung des beliebten Varieté-Theaters abwenden. Und der Ruf von Schleswig als „Kultur-Stadt“ bliebe insofern unbeschädigt.

Was u.a. für dieses Konzept spricht:

  • Besseres Platzangebot. Der große Saal der „Heimat“ kann mit überschaubarem Aufwand mit einem Bühnenturm und ansteigenden Rängen ausgerüstet werden. Das Landestheater hätte dann immer noch mehr Plätze zur Verfügung als jetzt im „Slesvighus“.
  • Bessere Ausstattung. Die Belüftung des Saals ist (im Gegensatz zum „Slesvighus“) bereits jetzt optimal, die Beschallung ebenso; die Beleuchtungstechnik der Bühne kann für das Landestheater mit frei werdenden Eigenmitteln nachgerüstet werden. Ausstattung und Räumlichkeiten entsprechen der Versammlungsstättenverordnung des Landes.
  • Echter zweiter Saal. Die „Heimat“ bietet zudem Möglichkeiten für Open-Air-Veranstaltungen am Ufer der Schlei; sie hat eine beliebte Gastronomie (die unter der Landestheater-Perspektive weiter perfektioniert würde); ausreichend Parkplätze befinden sich unmittelbar am Haus (ganz im Gegensatz zum „Slesvighus“).
  • Ausbau-Flächen vorhanden. Die „Heimat“ hat derzeit ungenutzte umfangreiche Kellerräume sowie auf der Ebene des großen Saals ca. weitere 300 Quadratmeter Fläche für Büroräume etc.
  • Koordination möglich. Die Terminplanung des Schleswiger Landestheatrers lässt sich problemlos mit der künftigen Termingestaltung des Varieté-Theaters koordinieren. Auch inhaltlich kann man sich eine gegenseitige Befruchtung vorstellen.
  • Schon jetzt multifunktional.  Die Anlage der „Heimat“ bietet sich, neben den Theater- und Comedy-Produktionen, multifunktional auch für andere Veranstaltungen an; so wie die „Heimat“ heute bereits für Events von Privatpersonen und Firmen genutzt.
  • Weiterer Saal. Falls für später gewünscht, lässt sich ein weiterer Saal mit Bühne auf dem Gelände in enger Verbindung zur „Heimat“ zu überschaubaren Kosten anbauen.

 

Kurzum: Mit einer Zusammenführung von Schleswiger Landestheater und „Heimat“ können die sich abzeichnenden existenziellen Probleme beider Institutionen mit vertretbarem Aufwand und in relativ kurzer Zeit gelöst werden. Zwei der wichtigsten Kultureinrichtungen unserer Stadt – die eine seit langem bewährt, die andere in diese Liga aufgestiegen – bleiben unter einem Dach erhalten und prägen weiterhin das Image von Schleswig als Kultur-Standort; dieser „weiche“ Faktor ist inzwischen allgemein anerkannt als wesentlich für die Gewinnung von Gewerbe und Einwohnern.

 

Unsere Bitte: Lassen Sie diese Chance nicht ungenutzt an sich vorübergehen!

 

Realisieren Sie die Möglichkeiten, die sich in dem oben skizzierten Modell für unsere Stadt abzeichnen. Dazu bittet Team Vivendi dringlich und kurzfristig um ein Gespräch mit Verantwortlichen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Volker Schlüschen, Geschäftsführer

Thorsten Rupp, Generalbevollmächtigter

 

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