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Premiere im Dom : Tauffeier im 25 Meter hohen Gewölbe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fünf Jugendliche wurden im Dachstuhl über dem Taufbecken feierlich in die Gemeinde aufgenommen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Im Turmzimmer, dem Eingangsbereich hinter der schweren Tür des Doms, ist die Stimmung gespannt. Beinahe 80 Menschen haben sich hier versammelt, die letzten kommen eilig durch das Portal, werden freundlich empfangen, bevor es losgeht. Pastor Michael Dübbers begrüßt die Gruppe aus Jugendlichen und ihren Familien zu diesem „ganz besonderen Abend“. Fünf junge Gäste werden besonders willkommen geheißen: Jacqueline Behrens, Phillip Goede, Nils Klose, Luis Kolb und Jaqueline Lorch sind die Hauptpersonen − die Täuflinge. Für sie soll es ein unvergesslicher Abend werden, und dafür haben sich Dübbers und Jugendleiter Gero Moltzen im Vorhinein ordentlich ins Zeug gelegt. Unterstützung bekommen sie von Marco Frahm, der die Veranstaltung in atemberaubendes Licht setzt.

Aber bevor die Besucher dieses illuminierte Highlight des Gottesdienstes zu sehen bekommen, spielt das Licht eher eine untergeordnete Rolle. Nur wenige Lampen und einige Kerzen erleuchten den Dom und sorgen für eine gemütliche, aber doch feierliche Stimmung. „Wenn man als Baby getauft wird, wird man zur Taufe getragen. Ihr aber legt den Weg dorthin selbst zurück, und dass der Weg, den wir mit Gott gehen, nicht immer gerade verläuft, sehen wir auch in diesem Gottesdienst“, kündigt Dübbers eingangs an und erklärt, dass jeder Schritt die Gruppe näher zu Gott und näher zur Taufe bringen wird. So findet die Andacht in mehreren Etappen an unterschiedlichen Orten statt: Nach der Begrüßung, dem ersten Lied und einem Gebet im relativ kleinen Turmzimmer, geht es erst richtig in den Dom. Die Kühle und Atmosphäre des großen Kirchenschiffs ändert die Stimmung spürbar. Nach einigen Worten des Pastors im Eingangsbereich unter der Orgel sollen sich die Gäste ihren Weg zwischen den Bankreihen zum Altar suchen. Wie angekündigt, ist es dabei nicht möglich, den einfachen geraden Weg zu gehen. Einige Hürden versperren teilweise den Mittelgang, darauf Schilder mit Fragen, Vorurteilen sowie Gründen, an seinem Glauben zu zweifeln. Die Besucher kommen ins Grübeln, finden sich in einigen Aussagen wieder, in anderen weniger und suchen ihren Weg zum Ziel.

Nach einem Zwischenstopp am Altar geht es aufwärts: Zwischen dem seitlichen Petriportal und der ehemaligen Ahrenstorf-Gruft führt eine steinerne Wendeltreppe hinauf. Teelichter weisen den Weg, und 85 Stufen später bietet sich ein spektakulärer Anblick, der den etwas beschwerlichen Aufstieg vergessen macht: das Gewölbe des Doms. Über den Köpfen die Holzbalken des Dachstuhls und die Unterseiten der Dachziegel, aber beeindruckender ist die Hügellandschaft auf Augenhöhe. Die Unterseiten der Kuppeln, die die Domdecke schmücken, sind reich verziert, von hier oben sehen sie jedoch aus wie kleine Berge aus Stein, staubig aber schön. Extra für diesen Anlass wurden Scheinwerfer angebracht, welche die ungewöhnliche Szenerie in grünes und blaues Licht tauchen. Zwischen den vielen Hügeln führen dicke Holzbalken entlang, auf denen die Gäste zu ihrem Ziel kommen. Rund um einen flachen Hügel stehen Bänke. Mit so vielen Gästen hatte man nicht gerechnet, deshalb wird es etwas eng, aber dafür umso gemütlicher. Die Kleinsten spielen mit Steinen, die sie auf dem Boden gefunden haben, die Großen feiern den Höhepunkt des Gottesdienstes. Das Licht ändert sich in Gelb- und Rottöne. Manche Eltern und Verwandte haben Wasser für die Taufschale mitgebracht: aus der Spree, der Hubertusquelle im Harz, der Donau und natürlich der Schlei. Nacheinander werden die fünf Hauptpersonen aufgerufen und 25 Meter über dem Taufbecken getauft. Eine Premiere im Schleswiger Dom.

Nur für die Täuflinge geht es anschließend noch eine Etage höher. In der Spitze des kleineren Domturmes haben sie einen einmaligen Blick auf den Hauptturm und das nächtliche Schleswig − für Jaqueline Lorch das Beste an ihrer Taufe. Sie hatte sich schon im Alter von acht oder neun Jahren entschlossen, getauft und konfirmiert werden zu wollen, sagt sie. Der erste Schritt ist nun getan, die Konfirmation folgt am 4. Mai 2014. Die Begeisterung über den Taufgottesdienst teilt auch Jaquelines Großvater Acker Wulf. Schön locker sei es für die Jugendlichen gewesen, nur wegen der Treppenstufen schwierig für die Älteren, sagt er. „Die hätten vielleicht vorgewarnt werden müssen.“ Eine anders geartete Vorwarnung, die sich aber auch auf den außergewöhnlichen Ort bezog, bekamen die Organisatoren Dübbers und Moltzen im Vorhinein: „Auf das Gewölbe geht man mit zwei Personen − höchstens“, hieß es. Die Praxis zeigt: Mit einer ganzen Gruppe ist es aber gleich viel schöner und für die neuen Gemeindemitglieder sicherlich ein unvergessliches Ereignis.

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