Umweltskandal in Schleswig : Taucher finden kaum Plastik auf dem Schlei-Grund

Die Biologen Luisa Berghoff, Judith Nickel und David Johannes (v.l.) nehmen ihr Proben direkt nach der Rückkehr vom Tauchgang am Ufer der Freiheit unter die Lupe.
Die Biologen Luisa Berghoff, Judith Nickel und David Johannes (v.l.) nehmen ihre Proben direkt nach der Rückkehr vom Tauchgang am Ufer der Freiheit unter die Lupe.

Wie schlimm steht es um die Schlei? Taucher haben Wasser- und Bodenproben genommen. Der Kreis spricht von leichter Entspannung der Lage.

23-13374878_23-57004624_1386942051.JPG von
23. März 2018, 07:00 Uhr

„Kalt und null Sicht“, lautete das knappe Urteil von Luisa Berghoff nach ihrem ersten Tauchgang in der Schlei. Eigentlich sollte sie mit ihrer Kollegin Judith Nickel schon am Montag Proben nehmen vom Grund des Meeresarmes, um festzustellen, ob der Plastik-Skandal auch hier Spuren hinterlassen hat. Da allerdings machte ihnen eine Eisschicht auf dem Wasser einen Strich durch die Rechnung. Am Donnerstag aber waren die Bedingungen, mal abgesehen von den Temperaturen, ideal.

Ausgerüstet mit Trockentauchanzügen, Keschern und einer Menge Spezialwerkzeug ging es mit einem Motorboot also raus auf die ein Grad kalte Schlei. Knapp fünf Stunden waren die Taucherinnen der Firma Marilim-Gewässeruntersuchung aus Schönkirchen gemeinsam mit ihrem Kollegen David Johannes (er koordinierte die Aktion von Bord aus) im Einsatz und nahmen am Brautseegraben, über den die Kläranlage entwässert wird, sowie westlich und östlich der Halbinsel Reesholm Boden- und Wasserproben. Diese wurden gleich nach ihrer Rückkehr an der Slipanlage auf der Freiheit unter die Lupe genommen. Ergebnis: Offenbar haben sich am Grund der Schlei nur vereinzelt Plastikteilchen abgesetzt.

„Das sieht erstmal ganz gut aus“

„Das sieht erstmal ganz gut aus“, hielt sich der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises, Thorsten Roos, mit einem Fazit noch etwas bedeckt. Man wolle jetzt in Ruhe das Ergebnis der Proben analysieren und dann entscheiden, ob es eventuell eine weitere Tauchaktion gibt. „Ausgeschlossen“, so Roos, „ist das auf jeden Fall nicht.“

An den besagten drei Stellen in der Schlei hatten die Biologen insgesamt 20 Sedimentproben genommen, sowie jeweils vier mit einem Kescher und sechs mit einem sogenannten Planktonnetz. „Was Offensichtliches haben wir dabei nicht gefunden, nur einzelne, kleine Teile“, sagte Johannes David, der sich auf eine heiße Dusche freute. Das galt auch für seine Kolleginnen. Bis zu 30 Minuten waren die beiden jungen Frauen jeweils im Wasser und mussten sich dabei in etwa zwei Metern Tiefe alleine auf ihren Tastsinn verlassen. „Das war schon heftig“, meinte Judith Nickel.

„Es gibt eine signifikante Tendenz zum Besseren“

Unabhängig vom Ergebnis der Unterwasser-Proben sprach Thorsten Roos dann aber doch von einer leichten Entspannung der Lage. „Es gibt eine signifikante Tendenz zum Besseren“, meinte er und nannte etwa die Halbinsel Reesholm, auf der man im Moment kaum noch Plastikpartikel finde. „Das liegt einerseits an den Reinigungsaktionen, die dort stattgefunden haben, und andererseits am Hochwasser der vergangenen Woche“, meinte Roos. So seien sehr viele der Teilchen auf höher gelegenes Land getrieben worden. „Dort können wir es wegsammeln, und dadurch ist es raus aus dem Wasser. Das ist schon mal gut.“

Gleichzeitig seien dadurch natürlich längst nicht alle Probleme gelöst. So hätten Hochwasser und Ostwind auch dafür gesorgt, dass etwa das Haddebyer Noor nun deutlich stärker betroffen ist als vorher. Gleiches gelte für die westlichen Schleibereiche am Marienbad und rund um den Wikingturm. „Hier wurden richtige Massen von Plastik angespült, die in diesen Tagen so gut wie möglich entfernt werden“, sagte Roos. Gleichzeitig kündigte er an, dass man zumindest auf Reesholm ab Beginn der Schutzzeit (1. April) keine Reinigungsarbeiten mehr vornehmen werde. Eine Aktion mit freiwilligen Helfern startet hingegen am Sonnabend um 10 Uhr auf den Königswiesen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen