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Kirchenkreis Schleswig-Flensburg : Synode entscheidet über Pfarrstellen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Kirchenparlament will morgen eine umstrittene Strukturreform beschließen. Protest regt sich vor allem in Angeln.

Die Diskussion über „kirchengemeindliche Handlungsräume“ im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg dauert bereits über ein Jahr an. Nun soll die Strukturreform, mit der die einzelnen Kirchengemeinden stärker zusammenarbeiten sollen, beschlossen werden. Im Vorfeld wurde die Streichung von Pastorenstellen an der Basis heiß diskutiert und kritisiert. Nach dem zur Abstimmung vorliegenden Pfarrstellenplan werden dabei 11,75 Stellen in den Gemeinden gestrichen, die meisten davon in der Propstei Angeln. Die Synode als oberstes Gremium des Kirchenkreises berät und stimmt über die Pläne ab. Sie trifft sich morgen ab 15 Uhr im Gemeindehaus St. Jürgen in Flensburg.

Aus den „Handlungsräumen“, von denen bisher dabei die Rede war, sind in den umfangreichen Unterlagen zur Synode nun „Kirchenregionen“ geworden. Insgesamt 18 solcher Regionen sollen in den drei Propsteien des Kirchenkreises (Angeln, Flensburg und Schleswig) gebildet werden. „Das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden wird dabei nicht beeinträchtigt“, sagt Schleswigs Pröpstin Johanna Lenz-Aude. Sie ist Vorsitzende des Kirchenkreisrates, dem leitenden Gremium des Kirchenkreises.

„Wir haben die Verantwortung, das Ganze auf solide Beine zu stellen“, ergänzt Flensburgs Pröpstin Carmen Rahlf. Dafür müsse der Raum der Zusammenarbeit vergrößert werden. „Das ist ein Weg, auf dem wir schon länger sind.“ Notwendig würden die Reformen zum einen, weil künftig der Pastorennachwuchs fehle. Dazu kämen die zu erwartenden geringeren Einnahmen. Eine Konjunkturkrise könnte die derzeit hohen Kirchensteuerzahlungen verringern. Schon jetzt sorgen notwendige Baumaßnahmen für ein Defizit im Haushalt und schrumpfende Rücklagen. Zudem nimmt die Zahl der Gemeindeglieder ab, jedes Jahr verliere der Kirchenkreis 2500 Mitglieder, so Pröpstin Lenz-Aude. Für die Umsetzung der anstehenden Reformen werden etwa zehn Jahre veranschlagt, sie erwartet dann etwa 25  000 Mitglieder weniger als die heute gut 160  000. Die Kürzung von Pfarrstellen wird laut Lenz-Aude erst nach und nach geschehen, wenn Stelleninhaber in Rente gehen oder sich anderswo bewerben.

Der für Angeln zuständige Propst Helgo Jacobs legt Wert darauf, dass das vom Kirchenkreisrat vorgeschlagene Modell die kleinen Gemeinden schütze, die sich sonst nicht mehr erhalten könnten. Die Kritik aus den Kirchengemeinden ist gleichwohl groß. Beispielsweise unterstützten Anfang des Jahres mehr als 1400 Unterzeichner einen Protestbrief an den Kirchenkreisrat, der Alternativen zur Kürzung von Gemeindepfarrstellen zur Sprache brachte und kritisierte, mit den Kürzungen werde die Basis des kirchlichen Lebens zerstört. Auch auf den ersten Blick von den Streichungen weniger betroffene Gemeinden wie die Kirchengemeinde Flensburg-Engelsby kritisieren die Kürzungen, da sie „zu einer Marginalisierung der Gemeinden führt“. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hätten Gemeinden und Pastoren eine starke Bedeutung für die Zukunft der evangelischen Kirche.

Der Entwurf des Pfarrstellenplans sieht vor, die Pfarrstellen nicht mehr wie jetzt den Gemeinden, sondern den Regionen zuzuordnen, „wenn dies rechtlich ermöglicht wird“. In ihren Stellungnahmen an die Synode kritisieren dies mehrere Kirchengemeinden. Es „widerspricht unserer Auffassung nach dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchengemeinden, das in Artikel 20 der Verfassung der Nordkirche ausdrücklich garantiert wird“, schreibt beispielsweise die Kirchengemeinde Großsolt-Kleinsolt. Die Kritiker bekommen dabei Unterstützung vom ehemaligen Präsidenten des Nordelbischen Kirchenamts, dem Kirchenrechtler Klaus Blaschke. „Die Regionalisierung ist nicht geeignet, um Pfarrstellenplanung zu betreiben“, sagte er unserer Zeitung und ergänzte mit Blick auf die Verfassung der Nordkirche: „Die Pfarrstelle ist mit der Gemeinde verbunden.“

Auf der Synode werden voraussichtlich Alternativen zum Entwurf des Kirchenkreises vorgelegt, dabei sind aus den Gemeinden auch Kürzungen bei den Kirchenkreispfarrstellen angeregt worden. Da der alte Pfarrstellenplan bereits im vergangenen Jahr ausgesetzt wurde, sind schon jetzt einige Gemeindepfarrstellen unbesetzt. Seit Ostern steht beispielsweise das Pastorat in Norderbrarup leer, Pastorin Anne Vollert aus dem benachbarten Böel ist nun für die Gemeinde zuständig. „Das ist ein großer Umbruch, der Verunsicherung mit sich bringt“, sagt die Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Anke Braas. Das Gremium versuche, das Beste aus der Situation zu machen, die Gemeinde besuche auch die Gottesdienste in Böel. „Über die weitere Nutzung des Pastorats wird noch beraten.“

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erstellt am 14.Apr.2016 | 07:50 Uhr

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