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Schleswiger Nachrichten

20. November 2017 | 07:00 Uhr

Ellingstedt : Sylter Spezialitäten von der Geest

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In Ellingstedt werden aus rohem Fisch die Spezialitäten für alle Gosch-Restaurants hergestellt. Jeden Donnerstag gibt es einen Wochenmarkt mit Fabrikverkauf.

von
erstellt am 15.Mai.2016 | 07:45 Uhr

Fisch von Gosch ist Kult. Die frisch gebratenen Scampi, Brötchen mit geräuchertem Lachs oder Matjes, die Fischsuppe und Krustentiere – das alles verbinden die Kunden in den Gosch-Niederlassungen in München, Düsseldorf, Hamburg und auf Sylt mit exzellenter Ware, mit Urlaubsstimmung, dem herben Charme des Firmeninhabers Jürgen Gosch und mit Luxus. Kaum jemand weiß, dass die Basis des Genusses in Ellingstedt gelegt wird, einem 800-Einwohner-Dorf auf der Schleswigschen Geest – weit weg von Urlaubsorten der Schönen und Reichen.

Mitten im Dorf, in der Straße Langacker, weht eine riesige Flagge, auf der ein roter Hummer prangt. Dazu der Schriftzug: „Gosch Sylt“ – es ist die Zufahrt zur „Gosch Manufaktur“, in der seit 1994 alle Produkte des Gosch-Imperiums hergestellt werden. Wie an jedem Donnerstag ist Markttag, der weitläufige Parkplatz auf dem weitläufigen Firmengelände brechend voll. Der ortsansässige Bäcker ist mit einem Verkaufswagen gekommen, ein Schlachter, ein Obststand, ein Grieche bietet Spezialitäten aus seiner Heimat an, eine ältere Dame selbst gemacht Säfte. Es herrscht Betrieb. Im Mittelpunkt aber steht der Fischwagen von Gosch. „Einmal in der Woche machen wir hier auf dem Markt zwischen 8 und 14 Uhr einen Fabrikverkauf“, sagt der Produktions- und Betriebsleiter Friedrich-Wilhelm Kiy, „die erste Schlange bildet sich meist schon um halb Acht. Die Kunden kommen aus Ellingstedt, aber auch aus Schleswig, Rendsburg, Kropp und Eckernförde. Und viele Touristen. Das läuft toll und ist gute Werbung für uns.“

Mit dem Chef auf Sylt telefoniert Kiy jeden Morgen, meist aber gibt es nicht viel zu erzählen. Kiy ist seit 30 Jahren im Betrieb und weiß genau was zu tun ist – aus rohem Fisch die Spezialitäten herstellen, die in den Gosch-Niederlassungen so reißenden Absatz finden. „Uns werden beispielsweise die Heringe geliefert, aus denen wir Matjes, Rollmops, Salate und andere Spezialitäten machen“, erklärt Kiy. In Ellingstedt wird geräuchert, hier entstehen kalte und warme Saucen, und es wird Fischsuppe gekocht. Auf die Frage, wie viel Fisch hier im Binnenland verarbeitet wird, gerät der Betriebsleiter ein wenig ins Stocken. Das sei abhängig von der Saison. Ab Pfingsten herrscht Hochsaison, dann werden wöchentlich bis zu vier Tonnen Lachs angeliefert, verarbeitet und wieder auf die Reise in die Gosch-Restaurants geschickt, das Weihnachtsgeschäft brummt, im Januar und Februar aber bleibt genügend Zeit, um Überstunden abzubummeln, Maschinen zu warten und Messer zu schärfen.

Warum Gosch-Produkte gerade in Ellingstedt entstehen, erklärt Kiy in wenigen Worten. „Früher fand das alles auf Sylt statt. Dann kamen überall in Deutschland Niederlassungen hinzu und es stellte sich die Frage, ob es sinnvoll ist, den ganzen Frisch-Fisch erst über den Hindenburgdamm und die fertigen Produkte wieder zurück zu transportieren.“ Die Antwort war einfach. Um Geld zu sparen, wurde ein neuer Stadtort gesucht – und der fand sich eben in Ellingstedt.

Während Kiy berichtet, kommt ein Ehepaar hinzu, das am Verkaufsstand mit seinem Anliegen gescheitert ist. Acht Kilo Matjes hätten sie gern. Die bekommen sie aus dem Lager. Gastronomen, die gute Gosch-Ware für ihr Lokal wollen? „Nein auf keinen Fall“, erklärt Mitarbeiter Mirko Lindstädt, „was wir produzieren, geht ausschließlich an Gosch-Niederlassung.“ Die Familien, so die Auflösung, gehört zu den Stammkunden, die gleich für die gesamte Nachbarschaft einkauft.

Stammkunde ist auch der ehemalige Ellingstedter Bürgermeister Klaus-Dieter Wendland. Er steht wie alle anderen Kunden in der langen Schlange. Was letztlich in seinem Korb landet, weiß er noch nicht. „Meine Frau hat mir aufgetragen, etwas Schönes mitzubringen, Was, das entscheide ich intuitiv, wenn ich an der Reihe bin. Aber ich finde hier immer etwas.“

Wendland erinnert sich genau an die wechselvolle Gesichte des Gewerbestandorts Ellingstedt. Eis von Jannys und Schöller wurde hier produziert und Coppenrath  &  Wiese hat in Ellingstedt täglich fast 40  000 Torten gebacken. „Es war eine Zeit mit Höhen, aber auch mit vielen Tiefen“ , sagt der Ex-Bürgermeister. Als die Tortenbäcker 2002 den Ort plötzlich verließen, gingen 83 Arbeitsplätze verloren – und fast 300  000 Euro Gewerbesteuer, fast ein Drittel des Dorf-Etats. Das war ein herber Schlag.

Inzwischen hat sich die Situation stabilisiert. „Ich bin sehr froh, dass wir ein echtes Familienunternehmen gewinnen konnten“, sagt Wendland. Gosch ist eine tragende Säule bei der Gewerbesteuer und stellt 50 feste Arbeitsplätze. Und das Sylter Unternehmen trägt auch einen Hauch von Luxus und Urlaubsstimmung in das Dorf auf der Geest. Auf den Gosch-Servietten steht der Name Ellingstedt in einer Reihe mit Sylt, Hamburg und München. „Das ist doch was“, sagt Wendland und lächelt.

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