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Stadtmuseum Schleswig : Sylt zwischen Traum und Wirklichkeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Stadtmuseum zeigt beeindruckende Insel-Bilder des Landschaftsfotografen Hans Jessel.

von
erstellt am 06.Jun.2015 | 15:18 Uhr

„Sylt ist schön. Aber Sylt ist nicht nur schön.“ Wenn Hans Jessel von seiner geliebten Insel spricht, dann schwingt jede Menge Frust mit. Dann berichtet der 59-jährige Fotograf, wie jeden Sommer 160  000 Touristen über Deutschlands bekanntestes Eiland herfallen und der Natur zusetzen. Erzählt, dass die Reichen Sylt gnadenlos aufkaufen und viele Einheimische aufs Festland flüchten müssen.

Aber der gebürtige Sylter hat ein Ventil gefunden, um seinen Frust zu verarbeiten. In seiner Ausstellung, die seit gestern im Schleswiger Stadtmuseum zu bewundern ist, wird auch eine neue Seite des populären Naturfotografen präsentiert. Denn Jessel wagt sich seit etwa fünf Jahren bei seinen fotografischen Streifzügen auch an die urbane Seite Sylts, die er zuvor stets gemieden hatte, die aber zweifellos einen ganz eigenen Charme versprüht. So hat er beispielsweise ein Abbruchhaus in Wenningstedt fotografiert, die Monotonie der Wohnblocks oder den völlig überfüllten Campingplatz von Westerland. Jessel geht sein neues Schaffen mit einem Augenzwinkern an, sonst könnte er dieses Sylt wohl auch nicht ertragen. „Endlich kann ich zeigen, dass ich Humor besitze. Das kann ich bei der melancholischen Landschaftsfotografie nicht.“ Und deswegen hat er durchaus auch einen spöttischen Kommentar für jenen Mann parat, der für ihn stolz mit Schaufel und Kelle vor einer gigantischen Sandburg posiert.

Aber Jessel ist auch der Jessel geblieben, den viele Menschen kennen, weil sie mal eine seiner unzähligen Postkartenbilder oder Kalender in Händen gehalten haben. Keinem anderen ist es derart gelungen, die herbe Schönheit und Faszination der Insel, aber auch ihre Zerbrechlichkeit in den Fokus zu rücken. „Die Landschaften ziehen mich magisch an“, sagt der Diplom-Geograf, der seit 35 Jahren mit der Kamera unterwegs ist. „Das Schöne an der Landschaftsfotografie ist, dass jeder Tag in der Natur wieder etwas anderes bietet. Sie ermöglicht unendlich viele Variationen.“ Dafür ist Jessel ständig auf der Suche nach dem perfekten Bild. Steht nachts auf, um dann, wenn die Strände und Dünen noch menschenleer sind, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. „Das Entscheidende ist die Vorahnung, vor allem hinsichtlich der Wettergeschehnisse“, verrät er ein Geheimnis der Naturfotografie.

Für Jessel sind die Ausflüge in die vermeintlich unberührte Natur nach eigenem Bekunden immer auch eine Flucht aus der Wirklichkeit, die seine Insel längst erfasst hat. So trägt die Ausstellung im Stadtmuseum den treffenden Titel „Sylt. Traum und Wirklichkeit“. Die Schau zeigt die ganze Widersprüchlichkeit der Insel. „Man bekommt nochmal einen ganz anderen Eindruck von Sylt“, findet Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen. Für Kuratorin Dörte Beier bleibt eines jedoch unverkennbar: „Der Schlüssel bei Hans Jessels Wirken ist die Liebe zu Sylt.“ Trotz aller Frustration des Fotografen.


> Die Ausstellung „Sylt. Traum und Wirklichkeit – Photographien von Hans Jessel“ ist bis zum 13. September im Stadtmuseum zu sehen; dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Führungen werden angeboten am 21. Juni, 26. Juli und 16. August, jeweils um 15 Uhr (Kosten: drei Euro zzgl. Eintritt).

 

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