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Norderbrarup : „Surprise“ braucht eine Augen-OP

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Sehbehinderte Stute wird in der Pferdeklappe wieder aufgepäppelt. Dort wurden in diesem Jahr bereits 100 Tiere aufgenommen

Neben dem Tagesgeschäft steht im Moment die siebenjährige Norweger-Mixstute „Surprise“ im Mittelpunkt der Arbeit der Pferdeklappe in Rurup. Ähnlich wie bei der Babyklappe nimmt die Pferdeklappe Pferde auf, wenn ihre Besitzer die Tiere nicht mehr versorgen können und keine andere Lösung mehr wissen. Die überforderten Pferdehalter bleiben dabei anonym. Die aufgenommenen Tiere werden nach tierärztlicher Untersuchung in gute Hände weitervermittelt und dürfen von den Abnehmern nicht weiterverkauft werden. Zusätzlich wird die Haltung der Tiere durch Tierärzte überprüft.

„Surprise“ wurde im ersten Schritt privat an Geschäftsführerin Petra Teegen zur Pflege übergeben. Sie litt an einer periodischen Augenentzündung und war, als sie in Tegens Obhut kam, vollständig. Teegen ließ sich von einer auf Augenkrankheiten spezialisierten Tierärztin ein Pflegeprogramm erstellen. Das erforderte täglich zehn Mal eine Behandlung mit Salbe oder Tropfen. Außerdem durfte die Stute nicht UV-Licht – und damit auch Tageslicht – ausgesetzt werden. Schon nach einer Woche konnte sie punktuell wieder sehe. Heute hat sie schon ein Sehvermögen von etwa 30 Prozent erreicht und kann hell sowie dunkel unterscheiden. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn nach so einer Behandlung das Pferd den Kopf dreht, wenn ein weißes Blatt Papier herunterfällt“, erinnert sich Teegen an den ersten Abschnitt ihrer Bemühungen.

Doch jetzt kam ein neues Problem hinzu. Denn die Besitzer von „Surprise“ waren nicht in der Lage, die Behandlung und vor allem die Fortsetzung derselben zu bezahlen. Sie überschrieben daraufhin das Tier der Pferdeklappe.

Im Moment läuft die rotbraune Stute mit einem UV-Schutz über den Augen auf einer Koppel der Pferdeklappe. Dort wird sie von „Fanny“ betreut. Die 28-jährige Norweger-Arabermix-Stute verdient sich auf diese Art ihr Gnadenbrot. Sie schirmt die sehbehinderte Artgenossin wie ein Blindenhund mit ihrem Körper vor Hindernissen ab. „Niemand hat ihr das beigebracht“, verrät Teegen. Doch habe „Fanny “einfach ein Faible für sehbehinderte Pferde. Das habe sie bereits bei einer Hannoveraner Stute bewiesen, die inzwischen wieder zu 100 Prozent sehen könne.

Für „Surprise“ ist in Kürze ein Untersuchungstermin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover vorgesehen. Dort soll überprüft werden, ob sich ihre Netzhaut abgelöst hat. Falls dieser irreparable Schaden nicht vorliegt, sollen in einer Operation die Glaskörper an beiden Augen ausgetauscht werden. Diese Vitrektomi genannte Operation kostet etwa 3000 Euro und muss über Spenden finanziert werden. „Jedes Tier hat das Recht, etwas von seiner Umgebung zu sehen“, verteidigt sich Teegen gegen den Vorwurf, dass sie einen zu hohen Aufwand für ein nach objektiven Maßstäben nicht wertvolles Tier treibt.

Ein möglicher Sponsor ist die Bert-Mettmann-Stiftung, die Augenbehandlungen finanziell unterstützt. Dort wurde – laut Teegen – bereits Interesse gezeigt, aber noch keine Summe genannt. Weitere Spendengelder sollen durch einen Flohmarkt am 1. November von 14 bis 17 Uhr auf dem Gelände der Pferdeklappe in Norderbrarup, Ruruperstraße 42, zusammenkommen. „Sollte sich dabei mehr Geld als benötigt ansammeln, werden wir es zur Betreuung augengeschädigter Pferde verwenden“, erklärt Teegen. Denn derartige Fälle häuften sich inzwischen. Sie stellt sich dabei eine große Koppel mit einer speziellen Umzäunung vor. Darauf müsste sich für den UV-Schutz bei Tagesbetrieb eine große Laufhalle befinden. Nachts könnten die Tiere dann ins Freie.

Doch das sieht sie als Zukunftsvision. Sorgen bereitet ihr die allgemeine Situation der Pferdeklappe, die in der vorvergangenen Woche bereits ihr 100. Pferd in diesem Jahr aufgenommen hat. Insgesamt sind es in den zweieinhalb Jahren seit der Gründung mehr als 400 Tiere gewesen. „Und die harten Monate, an denen Pferdebesitzer merken, dass sie ihren Liebling nicht mehr über den Winter bekommen, kommen noch“, sagt sie vorher. Im November und Dezember des vergangenen Jahres hatten sie insgesamt 55 Zugänge. Doch für diese Zahlen ist man bei der Pferdeklappe auch in diesem Jahr gerüstet.

Auch öffentliche Anerkennung wird der Ruruper Pferdeklappe zuteil, die in Deutschland bisher die einzige beständige Einrichtung dieser Art ist. Nach einer Nominierung des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages zum „Mensch des Jahres“ wurde Petra Teegen und die Pferdeklappe für den „Charity Award“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) vorgeschlagen und führt zur Zeit mit mehr als 50 Prozent der Stimmen bei der Online-Abstimmung, die noch bis zum 31. Oktober läuft.


> Kontakt zur Pferdeklappe erhält man unter Telefon 04641/462934. Genauere Informationen finden sich im Internet auf www.erste-Pferdeklappe.de.





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