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Streit um Bahnhofs-Klo : Süderbrarups Alt-Bürgermeister schießt zurück

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Johannes-Peter Henningsen ist Ehrenbürgermeister von Süderbrarup – und ihm gehört das Bahnhofsgebäude im Ort. Eine heikle Sache...

Der Streit um die Öffnung der Toiletten im Bahnhofsgebäude von Süderbrarup (wir berichteten) geht weiter. Bahnhofsbesitzer Johannes-Peter Henningsen will die im Zeitungsbericht von Bürgermeister Friedrich Bennetreu gemachten Aussagen nicht stehen lassen. Insbesondere weist der Alt- und Ehrenbürgermeister der Gemeinde die Behauptung seines Nachfolgers zurück, er habe „vertraglich vereinbarte Leistungen nicht erbracht“. Er verweist dabei auf den Vertrag mit der Gemeinde, in der seiner Meinung nach keine festen Öffnungszeiten für Halle und Toiletten festgeschrieben sind.

„Der Eigentümer des Bahnhofsgeländes stellt der Gemeinde Süderbrarup die WC-Anlagen laut beiliegendem Plan im Gebäude als öffentliche Toilettenanlage täglich im Rahmen der allgemeinen Öffnungszeiten des Warteraumes zur Verfügung. Bei längeren Öffnungszeiten des Betriebes bleiben die Toiletten ebenfalls länger geöffnet. Ebenfalls steht Bahn- und Busreisenden mit Begleitpersonen die Empfangshalle während der Öffnungszeiten zur Verfügung“, heißt es wortwörtlich im Vertrag.

„Zwischenzeitliche abendliche Kurzschließungen der Wartehalle und der WC-Anlage wurden erforderlich, da sich einige Male randalierende Jugendliche daran machten, Schäden anzurichten“, schreibt Henningsen in seiner Richtigstellung. Nach einigen Tagen seien diese Jugendlichen dann nicht mehr vor Ort gewesen und die Türen wieder geöffnet worden. Diese Vorsichtsmaßnahme sei aus Sicherheitsgründen erforderlich gewesen und dies widerspreche keineswegs der mit der Gemeinde getroffenen Vereinbarung, meint er.

„Das ist doch wohl der größte Witz des Jahrhunderts“, kommentiert Henningsen den Vorwurf, er habe das Gespräch suchen sollen. Er brauche schließlich keine öffentliche Toilette, so Henningsen. Der Bürgermeister habe das Gespräch zu suchen, wenn er etwas zu beanstanden habe, so der Ehrenbürgermeister. Und wenn dieser der Meinung sei, dass ein Ort wie Süderbrarup mit mehr als 4000 Einwohnern, einem Zug- und Busbahnhof mit viel Personenverkehr keine öffentliche Toiletten benötige, möge das seine Einstellung sein. Er selbst, Henningsen, hätte die Anlage gerne weiter zur Verfügung gestellt. „Die neuen Ideen des Bürgermeisters, die Toiletten auf dem Marktplatz und auf dem Friedhof zu öffnen, mag für ihn beruhigend sein“, sagt Henningsen. Aber Publikumsverkehr finde am Bahnhof statt.

Bürgermeister Friedrich Bennetreu weigert sich, einen weiteren Kommentar zu diesem Thema abzugeben und verweist auf die 1934 erschienene Novelle „Clochemerle“ des französischen Autors Gabriel Chevallier. In dieser beschließen der um seine Wiederwahl besorgte Bürgermeister und die Honoratioren des fiktiven Städtchens Clochemerle eine öffentliche Bedürfnisanstalt zu bauen – direkt vis a vis der Kirche. Der Protest sittenstrenger Bürgersfrauen, angeführt von einer alten Jungfer, der zwischen öffentlicher Moral und praktischer Vernunft hin- und hergerissene katholische Priester und die unklare Gemengelage in und zwischen den Familien lassen den Bau der Bedürfnisanstalt zu einem Skandal werden, so dass zu guter Letzt das Militär einschreiten muss, um die erhitzten Gemüter zu beruhigen.

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