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Der Neue im Landesmuseum : Suche nach den Museen der Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Gottorf-Direktor Guido Wendt zeigt Profil: Er muss Molfsee integrieren und will die Mitarbeiter am Masterplan der Landesmuseen beteiligen

Seit rund 100 Tagen ist Guido Wendt auf Schloss Gottorf der Kaufmännische Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen. SN-Redakteur Michael Radtke sprach mit dem 36-jährigen Sehestedter über seine Einschätzungen, Erfahrungen und Vorhaben.

 

Herr Wendt, gibt es Erfahrungen aus Ihrer früheren Tätigkeit als Geschäftsführer der Hermann Ehlers Stiftung, die Sie auch für Ihre aktuelle Funktion aktivieren können?

Wendt: Parallelen gibt es vor allem im Organisatorischen. Ich war bei Hermann Ehlers unter anderem zuständig für die Liegenschaftsverwaltung. Und die spielt ja in der Stiftung eine große Rolle. Immerhin haben wir zusammen mit Molfsee 150 Hektar Grundfläche zu betreuen. Und weit über 100 Gebäude.

 

Bedauern Sie, dass Sie sich um den politisch-pädagogischen Aspekt Ihrer früheren Tätigkeit nicht mehr kümmern können?

Nein, ich finde es gut, dass ich mich jetzt auf Kernbereiche konzentrieren kann. Aber ich bin selbstverständlich in die inhaltliche Arbeit der Museen einbezogen.

 

So ist auch die Arbeit im Vorstand aufgeteilt ...

Ja, Prof. von Carnap-Bornheim gibt als wissenschaftlicher Kopf der Stiftung ein Gesicht und ich als Kaufmännischer Vorstand kümmere mich um Finanzen, Personal und Strukturplanung.

 

Auf der Skala zwischen Spontaneität und strukturiertem Arbeiten – wo ordnen Sie sich da ein?

Meine Aufgabe ist es einerseits, dass wir uns an die Spielregeln halten, die das Land als der Zuwendungsgeber vorgibt. Aber innerhalb dieses Rahmens hat man eine Menge Freiheiten. Die müssen kreativ genutzt werden.

 

Können Sie in der Stiftung auf denStrukturen aufbauen, die Sie vorgefunden haben?

Sehr gut sogar. Gleichwohl ist eine Weiterentwicklung notwendig. Aber nicht, weil ich da bin, sondern weil sich die gesamte Stiftung weiterentwickelt. So stellt die Integration des Freilichtmuseums Molfsee schon eine große Herausforderung dar.

 

Was ist konkret das größte Problem in Molfsee?

Enorm wichtig ist es beispielsweise, die hohe Bereitschaft des Fördervereins, das Freilichtmuseum zu unterstützen, zu erhalten. Abgesehen davon ist es schon eine große Aufgabe, einen so bedeutenden Bestand an historischen Gebäuden intakt zu halten.

 

Wie lautet Ihr übergeordnetes Ziel für die Stiftung Gottorf?

Jedes Haus, jedes Landesmuseum muss seine Identität bewahren. Aber wir müssen uns als Einheit verstehen und zugleich beginnen, die Synergien, die es gibt, zu nutzen.

 

Gibt es für das Stichwort „Synergien“ ein konkretes Beispiel?

Wir schauen etwa in Molfsee auf Bereiche wie Buchhaltung, den Einkauf und die Vermarktung.

 

Müssen die Mitarbeiter in Molfsee mit Verschlankungen rechnen?

Molfsee ist bereits sehr schlank besetzt. Die Mitarbeiter dort haben 120 Prozent und mehr geleistet. Unser erstes Ziel ist es also, dort zu einer Arbeitsbelastung zu kommen, die vertretbar ist.

 

Bei der Menge der Mitarbeiter ist doch sicherlich allein in der Personalführung viel zu tun. Vermutlich läuft einer eigentlich immer Amok ...

... (lacht) Da wäre ich auf Hinweise angewiesen, ich kann mich an keinen Fall erinnern. Im Ernst: Für die Zeit, in der ich jetzt in der Stiftung tätig bin, kann ich über den Einsatzwillen der Mitarbeiter nur Gutes berichten. An jeder Stelle des Hauses sitzen Kollegen, die ihre Aufgabe als Berufung wahrnehmen und leben. Ein ganz großer Teil des Personals macht mehr, als im Arbeitsvertrag steht.

 

Was war in Ihren ersten 100 Tagen Ihre dominierende Erfahrung in der Stiftung?

Man weiß natürlich nicht so ganz, wo man hinkommt. Ich habe mehr klassische Verwaltungs-Atmosphäre erwartet und bin freudig überrascht, wie flexibel und motiviert alle sind, mit denen ich in der Stiftung - nicht nur auf der Leitungsebene! - zu tun habe.

 

Und das größte Erlebnis bisher?

Das war der Startschuss in Büdelsdorf. Das neue Museum wird innovativ sein, etwa in der Meisterung didaktischer Herausforderungen.

 

Soll es auch eine Vorreiterrolle für andere Bereiche haben?

Ja, durchaus. Wir erhoffen uns Antworten auf Fragen wie: Wie funktioniert das? Wie kommt das an? Wie kann man besonders Familien für Museen begeistern?

 

Wie geht es weiter mit der größten Baustelle, der geplanten Attraktivierung der Ausstellungsräume im Schloss selber?

Wir haben viele Anregungen aus dem Internationalen Ideenwettbewerb erhalten. Im zweiten Schritt findet im nächsten Monat die Präsentation der Ergebnisse der umfangreichen Besucherbefragung aus dem Sommer 2012 innerhalb der Mitarbeiterschaft statt. Denn für die Erstellung eines Masterplans ist es uns enorm wichtig, alle Gottorfer, die sich involvieren möchten, auch am Prozess zu beteiligen.

 

War das Ergebnis des „Ideenwettbewerbs“ nicht reichlich dünn?

Die Experten dieses Prozesses sehen das anders. Es sind in jedem Bereich Kernpunkte angesprochen worden, über die man weiter nachdenken muss. Es wäre gar nicht möglich gewesen, darüberhinaus ins Detail zu gehen. Eine Enttäuschung wäre also fehl am Platz. Wir haben ein gutes Fundament für die Erstellung des Masterplans erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 23.Aug.2013 | 09:57 Uhr

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