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Schleswiger Nachrichten

21. August 2017 | 18:08 Uhr

Jübek : Sturmholz geht auf die Reise

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Güterbahnhof Jübek wurde kaum noch genutzt – die Beseitigung von Waldschäden sorgt jetzt für einen vorübergehenden Aufschwung.

Der Güterbahnhof in Jübek hat seine besten Tage längst hinter sich, zurzeit erlebt er allerdings eine Renaissance: Die Verladung brummt wie in seinen besten Tagen – eine Folge des unerwartet massiven und ungeplanten Holzeinschlages im Norden durch die beiden Herbststürme „Christian“ und „Xaver“. Am vergangenen Montag wurde ein Güterzug mit 27 Waggons beladen – ausschließlich mit Holz. Zersägte Baumstämme lagern auf der Fläche neben dem Gleis auf einer Länge von mehreren Hundert Metern und wurden gestern Morgen – wie bereits zweimal in den vergangenen zwei Wochen zuvor – auf dem Schienenweg in Richtung Bad Bentheim (Niedersachsen) geschickt.

„Normalerweise gehen ein bis drei Waggons mit Holz auf den Weg“, sagte Christian Tepker, Geschäftsführer der Firma Tepker aus Hanerau-Hademarschen, die für die zuständigen Förstereien das Sturmholz aus Wäldern bei Schwesing und Mildstedt (Nordfriesland) herausgeholt hat und für den Weitertransport sorgt. Aber diese Größenordnung sei schon ungewöhnlich. Zur Mittagszeit hatten Mitarbeiter am Montag bereits 13 Waggons gefüllt, mehr gab das Verladegleis nicht her. Deshalb warteten sie auf eine Lok, die den Zug rangieren sollte, um Platz für weitere 14 Waggons zu schaffen. Insgesamt erstreckte sich der Güterzug schließlich auf einer Länge von 600 Metern.

Die Alternative zum Gleis wäre die Autobahn gewesen. 53 Lastwagen wären nötig gewesen, um die Menge abzutransportieren, erklärte Jörg Görlich, Einkaufsleiter der Bentheimer Holz GmbH. „Mit dem Transport auf der Schiene schonen wir die Umwelt und die Rader Hochbrücke.“ Das Unternehmen aus der Grafschaft Bentheim ist Adressat der Holz-Lieferung und will daraus Transportpaletten herstellen.

Dass der Abtransport der Holzmengen über Jübek erfolge, sei in erster Linie der unkomplizierten Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Amt zu verdanken, loben Tepker und Görlich. Das Amt hatte die Mitnutzung der öffentlichen Straße entlang des Gleises unbürokratisch genehmigt. Die reine Logistikfläche, die in den vergangenen Jahren weitgehend ungenutzt geblieben war, reicht nicht aus, um die abzutransportierenden Holzmengen aufzunehmen. Nach Informationen aus der Amtsverwaltung sind Holztransporte bis in den Mai hinein beantragt. In der kommenden Woche wird Tepker weitere Güterzüge auf die Reise schicken, danach sind Transporte des Deutsche-Bahn-Logistikers Schenker angemeldet. Pro Verladung kassiert die Gemeinde 500 Euro Nutzungsgebühr.

Wie in Jübek sieht es auch anderswo im Kreis aus – Beispiel Handewitt: Von dort werden noch größere Mengen Holz abtransportiert, denn vor allem im Handewitter sowie dem Glücksburger Forst hatte „Christian“ verheerende Schäden angerichtet. Die Speditionsfirma Carstensen transportiert das Holz ebenfalls mit Güterwaggons zu Abnehmern in ganz Deutschland.

In Schleswig-Holstein gibt es etwa 10 000 Waldbesitzer. Sie schlagen auf ihren 150 000 Hektar Wald jedes Jahr gut 600 000 Festmeter Holz. Experten schätzen, dass sich allein die Ausbeute des Orkans „Christian“ in den drei besonders betroffenen Nordkreisen auf mindestens 700 000 Festmeter beläuft.

Das hohe zusätzliche Verkehrsaufkommen auf der Schiene hat die Deutsche Bahn bislang nicht vor Probleme gestellt. Alle zusätzlichen Güterzüge konnten nach Angaben von Unternehmenssprecherin Sabine Brunkhorst problemlos in den Fahrplan eingefügt werden. Wäre das nicht der Fall, müsste die Bahn dies an die Bundesnetzagentur melden. Brunkhorst: „Das haben wir bisher nicht einmal tun müssen.“

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erstellt am 22.Jan.2014 | 07:45 Uhr

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