Moot-Court in Schleswig : Studenten messen sich vor dem Verwaltungsgericht

Studenten und Juristen: vorne von links die Zweitplatzierten Joana Segin, Vivien Völz, Beatrice Schulz und Tanja Thedens, neben den Siegern Timm Wüstenberg, Svend-Bjarne Beil und Marc Pieronczyk. Hinten: Prof. Christoph Brüning, Richterin Dörte Dörschner, Verwaltungsgerichtspräsident Hartwig Martensen, Richter Reinhard Wilke,Fachanwältin Silke Reimer.
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Studenten und Juristen: vorne von links die Zweitplatzierten Joana Segin, Vivien Völz, Beatrice Schulz und Tanja Thedens, neben den Siegern Timm Wüstenberg, Svend-Bjarne Beil und Marc Pieronczyk. Hinten: Prof. Christoph Brüning, Richterin Dörte Dörschner, Verwaltungsgerichtspräsident Hartwig Martensen, Richter Reinhard Wilke,Fachanwältin Silke Reimer.

Beim „Moot-Court“ übt sich juristischer Nachwuchs aus Kiel an einem echten Fall: Wie viel Werbung ist im Fenster eines Parteibüros gestattet?

shz.de von
08. Juli 2015, 10:26 Uhr

Es ging heiß her beim nunmehr dritten Moot-Court am Schleswiger Verwaltungsgericht, und das lag nicht nur allein am Wetter. Vier Studenten-Teams der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel durften gestern im Wettbewerb ihre juristischen Fähigkeiten bei einem simulierten Verfahren unter Beweis stellen. Dabei entbrannten zum Teil hitzige Diskussionen.

In wirklichen Juristenleben war der Fall zwar längst abgeschlossen, die Studenten durften sich aber noch einmal in die Situationen von Klägern und Angeklagten hineinversetzen: Der Kreisverband Rendsburg-Eckernförde der Partei Die Linke beklebte die Fenster seiner Rendsburger Geschäftsstelle mit politischen Werbeträgern. Die Stadt Rendsburg bestand darauf, sie zu entfernen. Die Linke klagte daraufhin vor dem Schleswig-Holsteinischen Verwaltungsgericht.

„Wir haben bereits im April, also zu Beginn des Sommersemesters, mit der Vorbereitung begonnen“, erzählte Student Svend-Bjarne Beil. Als Bewerbung mussten bereits vorher schriftliche Verfahrensunterlagen abgegeben werden. Teamkollege Timm Wüstenberg meinte: „Dieser Fall erfordert schon etwas etwas spezielleres Wissen, das wir uns vorher erstmal anlesen mussten.“ Marc Pieronczyk, der Dritte im Bunde, scherzte: „So wirklich auf das Verfahren haben wir uns aber auch erst gestern Abend vorbereitet.“

Die drei traten im Finale gegen ihr Gegnerteam aus dem Halbfinale an. Als Begründung nannte die Jury unter anderem „strukturiertere und normenorientiertere Argumentation“. Beide Finalteams sind bereits im sechsten Semester, die anderen beiden erst im vierten. „Die Finalisten hatten vielleicht einen leichten Vorteil. Die Gruppierungen in der Vorrunde wurden allerdings ausgelost, das war also reiner Zufall“, gestand die Jury.

Im Finale wurden dann die Positionen noch einmal getauscht, Einzelheiten im Fall zudem geändert. Das Team um Svend-Bjarne Beil übernahm dabei die Rolle der Kläger. Beklagte waren Beatrice Schulz, Joana Segin, Tanja Thedens und Vivien Völz. Beide Teams schlugen sich generell recht tapfer. Besonders ins Schwitzen gerieten die Studenten allerdings, wenn ihnen die erfahrenen Richter überraschende Fragen stellten oder nochmal unangenehm nachhakten. „Wir hatten teilweise echt ein bisschen Angst, hoch zu den Richtern zu gucken“, gab Joana Segin zu.

Am Ende des Verfahrens konnten sich beide Parteien bloß in einzelnen Nebenaspekten einigen, so dass abschließend kein Urteil gefällt wurde. „Das Ergebnis war eigentlich eher Nebensache. Die praktischen Erfahrungen, die die Studenten während des Studiums kaum bekommen, waren viel entscheidender“, fand Richter Malte Sievers, der für die Organisation der Aktion mitverantwortlich war.

Die Studenten waren von der gesamten Veranstaltung begeistert. „Nach den Erfahrungen heute könnte ich mir vielleicht sogar vorstellen, einmal am Verwaltungsrecht zu arbeiten“, überlegte Tanja Thedens. Der Sieg ging schließlich ganz knapp an das männliche Trio. Alle Studenten bekamen Urkunden für ihre Teilnahme, die Plätze eins und zwei zudem Checks im Wert von 350 und 250 Euro.

„Alle Studenten haben sich sehr wacker geschlagen“, lobte Verwaltungsgerichtspräsident Hartwig Martensen. „Wir hier am Verwaltungsgericht suchen sehr gerne den Kontakt zu jungen Leuten. Wir möchten den Moot-Court auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder hier abhalten.“

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