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Kulturzentrum FKKZ in Schleswig : Strom-Boykott: Firma bedroht, Bands können nicht proben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Kulturzentrum FKKZ in Schleswig gibt es keinen Strom mehr. Politiker und der Bürgermeister kritisieren die Entscheidung.

von
erstellt am 09.Feb.2016 | 10:40 Uhr

Schleswig | Schon seit über einer Woche gibt es im Kulturzentrum FKKZ auf der Freiheit in Schleswig keinen Strom mehr. Zurückzuführen ist das auf eine Person: Volker Schlüschen. Dessen Geschäftsgebaren als Chef der Freiheit-Projektgesellschaft Team Vivendi stand am Montag im Blickpunkt des Hauptausschusses.

Speziell Schlüschens jüngster Vorstoß, das Freie Kommunikations- und Kulturzentrum (FKKZ) aus den östlichen Kasernenblocks auf der Freiheit zu vertreiben, indem er ihnen schon mal den Strom abschaltete, rief im Ausschuss unter Leitung von Holger Ley (CDU) einhellige Empörung hervor.

Arne Olaf Jöhnk vom FKKZ-Vorstand schilderte den Ausschussmitgliedern die Lage. Zirka 35 Bands könnten derzeit nicht mehr im ehemaligen Kasernengebäude proben, ebenfalls betroffen seien andere junge Kulturschaffende unter dem Dach des FKKZ. Schlüschen hatte den Strom mit der Begründung abgestellt, die Nebenkosten seit mehreren Monaten nicht erstattet bekommen zu haben. Dies wird von Jöhnk vehement bestritten, durch entsprechende Belege könne er nachweisen, dass die Vorwürfe haltlos seien.

Auch zwei weitere Zuhörer, die auf der Freiheit wohnen, meldeten sich im Ausschuss zu Wort. Jürgen Sawitzki, als Untermieter in den FKKZ-Räumen ebenfalls von Strom und Licht ausgeschlossen, klagte: „Was kann man gegen diese Willkür des Herrn Schlüschen tun? Können Sie von der Stadt uns nicht helfen?“ Der zweite war Bastian Hauck, der eine kleine Bootswerft in der ehemaligen Lkw-Wartungshalle unweit des FKKZ-Domizils betreibt. Auch er ist von Schlüschens Strom-Boykott betroffen, denn die Halle hängt am selben Stromkabel wie das FKKZ.

Haucks Geschäftssituation ist dadurch prekär, seine Existenz hängt von den nächsten Wochen ab. Seit zwölf Tagen hat er für seinen Vier-Mann-Betrieb keinen Strom mehr und bereits Aufträge verloren. Etwa 30 Boote und Schiffe befinden sich in der Halle, die meisten von Schleswiger Seglern, die eigentlich pünktlich zu Ostern ihre reparierten Boote zu Wasser lassen sollten. „Das werde ich wohl nicht ganz schaffen. Und ich gehe pleite, wenn ich nicht rechtzeitig einen ausreichend großen Generator auftreiben kann“, erklärte er.

Die Schilderungen über Schlüschens Vorgehen riefen bei den meisten Ausschussmitgliedern Unverständnis und Kopfschütteln hervor. Es erinnere an die Erfahrungen, die auch die Stadt mit Team Vivendi gemacht habe, als es um den Erwerb der neuen Kulturstätte „Heimat“ gegangen war, hieß es. Dass jedoch Kommunalpolitik und Stadtverwaltung den Geschädigten von der Freiheit rechtlich nicht weiterhelfen können, machte Steffanie Hildebrandt (CDU) deutlich und drückte darüber ihr Bedauern aus.

Vor Gericht geklärt aber wird derzeit die Sache zwischen FKKZ und Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen. Die Akten liegen nunmehr beim Landgericht Flensburg. Indessen will Bürgermeister Arthur Christiansen („die Problematik mit dem Freiheit-Eigentümer ist uns vertraut“) versuchen, eine Lösung für das FKKZ zu finden. Denn es sei eine Einrichtung für junge Leute in Schleswig und dem Umland, die „außerordentlich gut läuft und viel Wertschätzung erfährt“.

Einen Kauf des Kasernengebäudes (Block 20) komme für die Stadt allerdings nicht infrage. Jedoch, so Christiansen, könne man darüber nachdenken, mit einem Finanzierungsmodell eine Bleibe für das FKKZ zu ermöglichen. Alternativ käme dafür der Bauhof in Betracht. „Ich weiß, da muss viel gemacht werden. Aber zumindest könntet ihr dann da raus aus dem Dilemma auf der Freiheit“, meinte er. Holger Ley fügte hinzu, dass Kauf-Verhandlungen mit Team Vivendi sich in der Vergangenheit als äußerst schwierig erwiesen hätten.

Als weitere Notlösung für das FKKZ kämen daher vielleicht auch die Kellerräume in der „Heimat“ in Frage, meinte er. Dies sei schwierig, gab Ingo Harder (Bündnis für Bürger) zu bedenken, denn Bands probten in der Regel am Wochenende, und zu dem Zeitpunkt fänden auch Theater- und Varieté-Vorstellungen in dem Gebäude statt. Stephan Dose (SPD) sprach sich deshalb für die Bauhof-Lösung aus und betonte: „Dass auf der Freiheit dem FKKZ der Strom gekappt wird, das finde ich einfach nur schrecklich.“

Arne Olaf Jöhnk will nun die Anregungen und Angebote aus dem Ausschuss mit in den Trägerverein des Kulturzentrums nehmen. Bei den nächsten Treffen werde man besprechen, wie es weiter gehen solle. Jöhnk: „Nur eines wäre schade – wenn nach zehn erfolgreichen FKKZ-Jahren plötzlich alles vorbei sein sollte.“

 

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