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Kreis Schleswig-Flensburg : Stress bei der Mais-Ernte: Wie zwei Bauern für Frieden in Freienwill sorgen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ärger über Dreck und Lärm? Nicht mit Dirk und Knut Richelsen. Die Bauern wissen, wie man Nachbarn glücklich macht.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 16:41 Uhr

Freienwill | Zurzeit rollen die Erntemaschinen über Felder und Straßen. Wenn das Wetter es zulässt, rund um die Uhr. Es ist Mais-Erntezeit. Viele Bürger klagen deshalb über Lärm, über schmale Dorfstraßen und Wirtschaftswege rasende Erntefahrzeuge und Dreck auf den Fahrbahnen. Und die Bauern sind im Stress, weil sie die kostbare Ernte vor dem nächsten Wetterumschwung eingefahren haben wollen. Eine konfliktträchtige Ausgangslage.

Doch es muss während der Maisernte nicht zur Konfrontation zwischen Bauern und Bevölkerung kommen. Dies zeigt das Beispiel der Landwirte Dirk und Knut Richelsen aus Freienwill. Die Brüder, die einen Hof mit knapp 200 Kühen, 450 Hektar Land führen und einer Biogasanlage betreiben, informieren seit fünf Jahren die Anlieger entlang ihrer Ernte-Routen mit Wurfsendungen über die bevorstehenden Erntearbeiten, bedanken sich für das Verständnis und geben Telefonnummern bekannt, unter denen auftretende Problemen gemeldet werden können.

„Seit wir die Handzettel verteilen, haben wir keine Probleme mehr“, sagt Dirk Richelsen. Auf die Idee kamen sein Bruder und er, nachdem genervte Anlieger 2009 die Erntefahrzeuge der Bauern durch geparkte Pkw blockiert hatten. „Das konnte damals friedlich geklärt werden, mit der Maßgabe, dass sich jeder Gedanken zum Thema machen solle“, erinnert sich Richelsen. Er und sein Bruder setzten auf die Information der von ihren Ernte-Aktivitäten Betroffenen. Seither verteilen sie, bevor sie mit der Maisernte beginnen, rund 150 Handzettel in der Nachbarschaft und entlang der Fahrstrecken der Erntefahrzeuge in Freienwill, im Ortsteil Estrup und Teilen von Großsolt. Die Kosten dafür seien gering. „Die Texte schreiben wir selber, Kinder aus der Nachbarschaft verteilen sie. Seither haben wir keine Probleme mehr“, sagt Richelsen.

Dazu beitragen mag auch, dass die Landwirte dort, wo es möglich ist, bei nächtlichen Einsätzen die Wohngebiete umfahren. Und auch in Sachen Straßenverschmutzung achten sie darauf, dass entsprechende Gefahrenstellen gekennzeichnet werden. „Wir sind da ständig hinterher. Ein Mann mit Kehrbesen reinigt die grobe Verschmutzung sofort“, sagt Richelsen. Die Feinreinigung erfolge dann so schnell wie möglich. Das alles zeigt offenbar Wirkung. Auch wenn es nur selten direkte Rückmeldungen gebe, weiß Richelsen: „Das wird wahrgenommen. Wir haben kein Problem mehr mit parkenden Fahrzeugen.“

Dirk Richelsen hat durchaus Verständnis für den Unmut in der Bevölkerung während der Erntezeit und sieht sich selbst auch in der Verantwortung. „Als Mitglied der Gemeindevertretung und stellvertretender Bürgermeister kenne ich das Problem. Das, was wir können, wollen wir machen. Die Akzeptanz soll hoch bleiben.“

Das wünscht sich auch Bernd Thomsen, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Schleswig. Deshalb empfehle sein Verband, dort wo es möglich ist, Ringverkehre einzurichten, damit es auf den Straßen nicht zu Begegnungen der breiten Erntemaschinen komme, sagt er. „Wir arbeiten verstärkt auch sonntags, um den Berufsverkehr nicht zu stören“, sagt Thomsen. Außerdem hätten die Bauern die Ernte auf verschmutzungsträchtigen Flächen auf die Zeit vorgezogen, als die Wetterlage trocken war, um starke Verschmutzungen zu vermeiden. Entsprechende Stellen mit Warnschildern kenntlich zu machen, sei eine Selbstverständlichkeit. Dank des trockenen Wetters sei es diesmal in deutlich geringerem Maße zu Verschmutzungen gekommen als in den Vorjahren. „Wenn das Wetter mitspielt, entspannt sich die Lage“, weiß Thomsen. Und: „Wenn das Wetter hält, sind wir in einer Woche mit der Mais-Ernte durch.“

Die Ertragslage bezeichnet Thomsen als „durchschnittlich bis ordentlich“. Im Frühjahr sei die Witterung schwierig gewesen. „Die Pflanzen sind erst Ende Juni in Gang gekommen.“ Deshalb sei nun die Abreife verzögert und die Bauern sind mit der Ernte ungewöhnlich spät dran.“ Es gab auch schon Jahre, da waren wir schon Ende September mit dem Häckseln durch.“ Jetzt rechnet Thomsen mit einem Ertrag von 40 Tonnen je Hektar. „Das ist ein ordentlicher Wert.“

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