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Mediationstag im Oberlandesgericht : Streitschlichter vernetzen sich

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf dem dritten Mediationstag im Schleswiger Oberlandesgericht waren erstmals auch Vertreter aus Wirtschaft und dem Gesundheitswesen dabei.

von
erstellt am 15.Sep.2014 | 07:45 Uhr

Ein Gerichtsurteil ist nicht immer der beste Weg, einen Streit zu lösen. Da ist sich Landesjustizministerin Anke Spoorendonk (SSW) sicher. Besser sei oft „eine Portion gesunden Menschenverstandes“ – und ein moderiertes Mediationsgespräch. Wie so etwas funktioniert, darum ging es auf dem Mediationstag am Sonnabend im Oberlandesgericht. Unter dem Motto „Besser vernetzen – Qualität sichern“ trafen sich rund 200 Teilnehmer und 30 Referenten. Sie sprachen unter anderem über aktuelle Studien und Projekte in der deutschen und internationalen Mediationslandschaft. In den nachmittäglichen Foren diskutierten sie über Themen wie Konfliktfälle im Agrarbereich, in Familien oder der Frage der Qualitätssicherung in der Mediation. Bei der Organisation der Veranstaltung wirkten neben dem Oberlandesgericht auch die schleswig-holsteinische Rechtsanwaltskammer, der Verein „Mediation mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten in Schleswig-Holstein“, der Bundesverband der Mediation und das Justizministerium mit.

Unter dem Begriff der Mediation versteht man grundsätzlich das Einschalten eines unabhängigen und objektiven Dritten der den beiden streitenden Parteien beim Finden einer zufriedenstellenden Lösung zur Seite stehen soll. Dabei ist jedoch die Bezeichnung als Mediator noch nicht abschließend geregelt, auch wenn es bereits das Modell des „zertifizierten“ Mediators gibt.

„Wer gehofft hat, dass durch das Inkrafttreten des Mediationsgesetzes 2012 zeitnah einheitliche Qualitätsstandards und gleichzeitig Transparenz geschaffen werden, muss enttäuscht sein“, sagte Spoorendonk als Schirmherrin der Veranstaltung. Darum sei es umso begrüßenswerter, dass die Qualität in der Mediation einen der Schwerpunkte des Mediationstages bilde.

Der Mediationstag fand bereits zum dritten Mal statt. Seit der Premiere 2008 hat sich der Schwerpunkt deutlich verlagert – weg von der gerichtsinternen Mediation. Mediator und Anwalt Sascha Boettcher erklärte: „In diesem Jahr ist der interdisziplinäre Kontext der Veranstaltung besonders wichtig.“ Es gehe demnach nicht nur um die Mediation in Form der Güteverhandlung vor Gericht, sondern auch um die so genannten freien Mediatoren, die vor der Anrufung eines Gerichts tätig werden. Auch Spoorendonk betonte: „ Zwischen der Mediation beim Güterichter und der außergerichtlichen Mediation besteht keine Konkurrenz.“ Vielmehr seien es sich ergänzende Konfliktlösungsverfahren.

Mit dem Projekt „Go to Mediation“ stellte Antonia Schmidt-Busse von der Handelskammer Hamburg ein Projekt europäischer Handelskammern vor, das von der Europäischen Union gefördert wird und auch die Mediation bei grenzüberschreitenden Konflikten publik machen und fördern soll. „Qualitätssicherung, sprachliche Barrieren und Öffentlichkeitsarbeit befinden sich im Moment auf unserer Agenda“, sagte Schmidt-Busse.

Unter den Teilnehmern waren nicht nur Richter und Anwälte, sondern auch freie Mediatoren aus Wirtschaft und Agrarwesen sowie dem Gesundheitswesen. Angela Reinhard, die in Nordfriesland als Mediatorin bei Pro Familia arbeitet, sagte: „ Es ist schön, dass es heute eben nicht nur um die gerichtliche Mediation geht, sondern der Bogen zu den freien Mediatoren gespannt wird.“ So seien Gespräche und die Vernetzung der beiden Gruppen möglich. „Es ist sehr spannend, sich mit Kollegen auszutauschen, mit denen man sonst nicht in Kontakt kommt.“

Martin Probst, Vorsitzender Richter am OLG und selbst Mediator, betonte: „Die Mediationslandschaft in Schleswig-Holstein geht als positives Beispiel voran.“ Demnach seien Tage wie dieser ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. „Aktuell planen wir einen solchen Mediationstag im Zwei-Jahres-Turnus abzuhalten“, fügte er hinzu.


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