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Auf der Freiheit : Streit um öffentliche Fußwege auf Privatgrund

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt Schleswig plant öffentliche Fußwege quer durch Appartementhaus-Grundstücke auf der Freiheit. Die Eigentümer sind von dem Vorhaben überrascht und wollen sich wehren.

Die Hecke vor dem Appartementhaus mit der Adresse „Zum Netzetrockenplatz 6“ ist frisch gepflanzt. Die Eigentümergemeinschaft des Hauses auf der Freiheit hatte einstimmig beschlossen, ihren Rasen mit Rosen einzuhegen. Doch es ist gut möglich, dass die jungen Pflanzen bald wieder aus der Erde gerissen werden. Die Stadt Schleswig plant einen öffentlichen Fußweg quer über das Privatgrundstück. Anderthalb Meter von der Hauswand entfernt.

Die Eigentümer sind entsetzt. „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir davon hörten“, sagt Peter Finger, ein 73-jähriger ehemaliger Einzelhandelskaufmann, der vor zwei Jahren mit seiner Frau Karin (70) aus Quickborn auf die Freiheit zog. Für die Wohnung mit Panoramablick über die Schlei hätten sie sehr viel Geld ausgegeben, sagt er. Von dem geplanten Weg habe ihnen niemand etwas gesagt.

Die Stadt beruft sich auf den Bebauungsplan (B-Plan) für die Freiheit. In ihm sind sieben Stichwege eingezeichnet, die das Wohngebiet mit dem Schleiufer-Wanderweg verbinden, der derzeit gebaut wird. Im Jahr 2004 hatte die Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi mit der Stadt einen städtebaulichen Vertrag geschlossen, der Grundlage ist für den B-Plan. „Die Stadt hat das Recht, den Anspruch auf die Verbindungswege in das Grundbuch eintragen zu lassen“, teilt Rathaus-Sprecherin Antje Wendt auf SN-Nachfrage mit.

In den Kaufverträgen, die die Fingers und ihre Nachbarn mit Team Vivendi abschlossen, findet sich ein Hinweis auf diesen B-Plan. Dessen Bestimmungen, heißt es dort, seien zu beachten. Das ist keine ungewöhnliche Formulierung in Grundstückskaufverträgen. Welche einschneidende Bedeutung in diesem Fall dahinter steckte, habe ihnen niemand erklärt, versichern die Fingers. Dasselbe sagt Dörte Schoenmakers (64), eine pensionierte Lehrerin, die vor wenigen Monaten aus Nordrhein-Westfalen in das Appartmentehaus zog. Team-Vivendi-Geschäftsführer Volker Schlüschen sagt dazu: „Alle Kaufverträge sind einwandfrei und von der Stadt genehmigt worden.“ Allerdings könne er sich nicht mehr erinnern, ob die Verbindungswege in den Verkaufsgesprächen Thema gewesen seien. „Und bei den Notarterminen bin ich in den seltensten Fällen persönlich dabei.“

Die Bewohner warten nun auf ein Gespräch mit Vertretern des Bauamtes, das ihnen bereits zugesichert wurde. Große Hoffnungen macht die Stadtverwaltung ihnen aber nicht. Auf die Verbindungswege zu verzichten, sei nicht denkbar, sagt Wendt. Die Fingers können sich inzwischen einen Kompromiss vorstellen: Vielleicht, überlegen sie, ließe sich der Weg um ein paar Meter verschieben, so dass er nicht mehr an der Hauswand entlang mitten übers Grundstück verläuft, sondern auf der Grenze zum Nachbargrundstück. Außerdem wünschen sie sich Gewissheit, dass sie nicht für Räum- und Streudienste und andere Verpflichtungen in Anspruch genommen werden.

Ein paar Monate bleiben noch Zeit für eine Einigung. Die Stichwege sollen frühestens im kommenden Frühjahr gebaut werden, wenn der Schleiufer-Wanderweg fertig ist.

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erstellt am 02.Okt.2014 | 08:02 Uhr

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