Streit um Luxusautos auf Sylt

Autoschauen mit Rolls-Royce, Lamborghini & Co. wecken nicht nur Begeisterung auf der Insel

shz.de von
27. Juli 2018, 13:09 Uhr

Edel-Autohersteller präsentieren ihre Luxus-Wagen wieder auf Sylt – und sorgen für Diskussionen: Nützen ihre Präsentationen der Insel – oder schaden sie eher?

Das Klischee muss so alt sein wie der Schnack von den „Schönen und den Reichen“: Zu Sylt gehören teure Sportwagen und edle Limousinen. An jeder Ecke fette SUVs, zahllose 911er, auch nach Cabrios dreht sich längst keiner mehr um. Jetzt schlagen Rolls-Royce, Lamborghini & Co. wieder auf der Insel auf. Passt das wirklich zusammen, unberührte Natur und Edelflitzer?

Für Hartmut Carl ist die Antwort klar: Die Lamborghinis, die seine Firma in Kampen präsentiert, sind Designprodukte und ein Stück Autohistorie – die passen sehr wohl in die Sylter Landschaft. „Das Klientel auf der Insel Sylt hat große Freude daran, damit in Berührung zu kommen“, ist der Hamburger Eventmanager überzeugt. „Ganz zart“ und „mit viel Rücksichtnahme“ werde man auf die Präsenz der italienischen Marke hinweisen, der man sonst im Alltag nicht begegnet.

Ab Sonnabend residiert das Audi-Tochterunternehmen in Kampen, in der Hauptstraße , wo sonst feine Highlander-Pullover verkauft werden. Drei Wochen lang können sich die Gäste in dem kleinen Ladenlokal informieren lassen und Probefahrten vereinbaren. Auf dem Hof stehen ein Aventador S Roadster, ein Huracán Spyder Performante und der Geländewagen Urus zur Abfahrt bereit. Zum Verkauf allerdings nicht, betont Hartmut Carl, nur zum Anschauen.

Wer sich lieber feudal-britisch statt brachial-italienisch fortbewegen möchte, wird vielleicht bei Rolls-Royce in Hörnum fündig. Zum 11. Mal bittet der Kölner Autohändler Michael Gleissner Freunde der Marke zum Rolls-Royce Come Together auf die Insel. Vom 3. bis zum 5. August residiert Rolls-Royce im Hotel Budersand und im Restaurant Strönholt. Zur Flotte gehören ein Wraith Luminary Coupé, die achte Generation des Phantom, düstere Black-Badge-Modelle und ein türkisfarbenes Dawn Cabriolet. Die Fahrzeuge stehen am Budersand zum Gucken bereit, zeitweise aber auch in Kampen am Restaurant Rauchfang und an der Galerie Werkhallen.

Dabei ist Kampens Bürgermeisterin erklärte Gegnerin des Autohypes. „Wir sind kein Autohaus“, sagt Steffi Böhm, „sowas wollen wir hier nicht haben.“ Anfragen von Autofirmen nach Parkplätzen und Freiflächen für Veranstaltungen würden von der Gemeinde rigoros abgelehnt. Automarken wie Jaguar, Land Rover, Maserati und Bentley, die früher mit Dutzenden Autos nach Kampen kamen, seien alle nicht mehr da. „Wir sind mit aller Härte dagegen angegangen, das hat gefruchtet.“ Für Steffi Böhm steht außer Frage: „Wir haben schon genug Autos, wir wollen nicht noch einen Haufen zusätzlicher Wagen.“

Lamborghini habe sich ein Ladenlokal gemietet, dagegen könne die Gemeinde nichts unternehmen. Allerdings seien diese Autos auf der Straße häufig zu laut: „Viele Gäste haben sich bei uns beschwert, das kommt nicht gut an.“

Aber nicht nur Luxusmarken kommen nach Sylt, auch Großserienhersteller nutzen die große Zahl an Touristen, um ihre Modelle vorzustellen. Mercedes zeigt seine G-Klasse diesmal in List auf dem Gosch-Parkplatz neben dem ehemaligen Soldatenheim, nachdem die Geländewagen letztes Jahr auf dem Fliegerhorst gezeigt wurden. Bis zum 16. August können Interessierte das neue G-Modell dort unter die Lupe nehmen und Probefahrten vereinbaren. Ursprünglich wollten die Stuttgarter auf den Hafenplatz, aber den hatte schon Mini für sich reserviert. Volvo ist in diesem Jahr zum vierten Mal mit seiner Schweden-Flotte auf der Insel. Bis zum 2. September können 18 SUV der Baureihen XC40, XC60 und XC90 ausprobiert werden, die an sieben Sylter Stationen auf das Publikum warten. Wer eine App auf seinem Handy installiert und seinen Führerschein nachweist, kann drei Stunden kostenlos mit einem der weißen Autos umherfahren und die Nordseeinsel erkunden.

Der Lister Bürgermeister Ronald Benck sieht diese Autoschau auf Sylt derweil entspannt: „Die Angebote von Mercedes und Mini in List werden gut angenommen, das läuft geräuschlos ab, es gibt keine Probleme.“ Und darüberhinaus verdiene die Gemeinde noch an der Vermietung der Parkflächen.

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