Schleswig : Streit um das Offizierskasino

Zieht hier wieder ein Restaurant ein? Die Zukunft des ehemaligen Offizierskasinos auf der Freiheit bleibt ungewiss.
Zieht hier wieder ein Restaurant ein? Die Zukunft des ehemaligen Offizierskasinos auf der Freiheit bleibt ungewiss.

Wegen strenger Auflagen der Stadt, droht der Investor, vom Vertrag zurückzutreten. Team Vivendi findet Käufer für den „Flieger“.

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19. Mai 2015, 08:54 Uhr

Ob der Bau des Binnenhafens in diesem Jahr noch in Angriff genommen werden kann, scheint eher unwahrscheinlich. Dennoch herrscht Bewegung im neuen Stadtteil Auf der Freiheit. So ist jetzt mit dem „Flieger“ einer der verbliebenen Kasernenbauten an einen Schleswiger Unternehmer verkauft worden, wie Michael Radtke, Sprecher der Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi, gestern gegenüber den SN erklärte. Einzelheiten wollte er nicht verraten, kündigte aber an, dass der Käufer zeitnah seine Pläne für das Gebäude vorstellen wolle.

Der „Flieger“, dessen Grundriss einem Flugzeug gleicht und in dem einst die Kantine der Soldaten untergebracht war, gehört zu den Kasernengebäuden, die laut städtebaulichem Vertrag erhalten bleiben sollen. Vor einem Jahr war die Frist zur Sanierung, in die auch Landesmittel fließen, verlängert worden. Geplant war bislang, dass das Gebäude zu einem Dienstleistungszentrum werden soll.

Vertrackter stellt sich die Situation des alten Offizierskasinos dar, das ebenfalls vom Abriss verschont werden soll. Mit seiner exponierten Lage an der Schleipromenade und dem Arkadengang an der Rückseite gehört es ohne Zweifel zu den interessantesten Immobilien auf der Freiheit. Doch nachdem der Geltorfer Musiker Kai Wingenfelder („Fury in the Slaughterhouse“) und seine Frau Claude 2012 dort ihr Restaurant-Experiment nach nur wenigen Monaten wieder beendet hatten, ist es ruhig geworden ums Kasino. Das Gebäude macht einen zunehmend heruntergekommenen Eindruck. Dabei hatte sich Team-Vivendi-Chef Volker Schlüschen schon vor Jahresfrist optimistisch gezeigt, dass bald wieder ein Gastronom in das Haus einziehen könnte.

Tatsächlich hat sich inzwischen ein Investor gefunden: Der Busdorfer Tiefbauunternehmer Matthias Johannssen hat die Immobilie bereits Ende vergangenen Jahres von Team Vivendi gekauft. Doch nun droht dieser, von dem Vertrag zurückzutreten. Hintergrund ist die bislang fehlende sanierungsrechtliche Genehmigung durch die Stadt. Diese ist erforderlich, da sich das Kasino im Sanierungsgebiet Holmer Noor befindet. Die vertraglichen Vereinbarungen des Sanierungsträgers mit Team Vivendi scheinen nun nicht mit den Vereinbarungen zwischen Team Vivendi und Johannssen übereinzustimmen, wie dieser gegenüber den SN erklärte. „Somit ist der Kauf im Moment schwebend unwirksam.“ Zu Details wollte sich Johannssen ebenso wenig äußern wie Team Vivendi und die Stadt. „Da es sich um eine Vertragsangelegenheit handelt, sind weitere Auskünfte nicht möglich“, teilte Rathaussprecherin Antje Wendt mit.

Johannssen deutete allerdings an, dass er das Offizierskasino unter den jetzigen Voraussetzungen nicht unbedingt wieder als Restaurant nutzen wolle, zumal im Moment noch nicht einmal sicher sei, ob das seit vielen Jahren unbeheizte Gebäude überhaupt noch sanierbar ist. Stattdessen habe er seinen Architekten acht verschiedene Optionen für das Gebäude prüfen lassen. Vorstellbar seien dort zum Beispiel ein Tagungshotel, die Einrichtung von Büros oder eine Wohnnutzung.

Offenbar ist genau das der Knackpunkt. Dem Vernehmen nach drängt die Stadt auf einen gastronomischen Betrieb, um die Attraktivität der Freiheit zu steigern. Doch lohnt sich eine Gaststätte vor dem Hintergrund, dass das Konversionsprojekt im östlichen Teil des früheren Kasernengeländes nur schleppend vorankommt? Matthias Johannssen scheint skeptisch. Er sagt: „Meine Frau Silke und ich sind aktuell nicht in der Lage einzuschätzen, wie sich der Bebauungsplan im hinteren Teil entwickelt. Die positive weitere Entwicklung – insbesondere der für den Tourismus wichtige Binnenhafen und das Ferienhausgebiet – sind eine zwingende Voraussetzung für eine von einer Wohnbebauung abweichende Planung.“

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