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Demografischer Wandel : Strategien für die Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Zwei Jahre lang wurden im Kreis Schleswig-Flensburg Daten gesammelt und Konzepte für eine alternde Gesellschaft erarbeitet. Jetzt wurden die alarmierenden Zahlen und Lösungsansätze präsentiert.

Der Anteil älterer Menschen wird in den kommenden Jahren deutlich steigen, Jüngere werden zunehmend rar, die Zahl der Kinder sinkt, und im Gegenzug nimmt der Pflegebedarf erheblich zu – der demografische Wandel zwingt zum Handeln. Das hat der Kreis erkannt und im Rahmen einer zweijährigen Projektarbeit nicht nur eine umfangreiche Datenbasis, sondern auch Empfehlungen und mögliche Handlungsstrategien erarbeitet. Die Ergebnisse wurde nun in Form der Regionalstrategie Daseinsvorsorge „Demographischer Wandel – Region schafft Zukunft“ vorgestellt. So feierlich der Anlass, so alarmierend waren die Fakten, die im Anschluss an die zentrale Abschlussveranstaltung im Kreishaus vorgestellt wurden.

Darüber konnten die lobenden Worte nicht hinwegtäuschen, die Gudrun Schwarz vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (früher Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) an die Teilnehmer der Abschlussveranstaltung richtete. Sie erkannte viel kreatives Potenzial, viele zu Tage geförderte Ansätze und „sicher auch Ideen, die sich bundesweit in die Diskussion einbringen lassen“. Als besonders überzeugend bezeichnete sie beispielsweise, dass bereits konkrete Ideen zur Umgestaltung der sozialen Infrastruktur erarbeitet wurden – Inklusionsansätze, die Strategie „ambulant vor stationär“ oder auch die konkret geplante Jugendberufsagentur des Kreises. Die 180 000 Euro, die der Bund dem Kreis als einer von 21 Modellregionen zur Verfügung gestellt hatte, seien gut angelegt.

Kreispräsident Ulrich Brüggemeier bezeichnete den demografischen Wandel als „große Herausforderung für den Zusammenhalt der Gesellschaft“. Entsprechend bedeutsam sei die von mehr als 120 Beteiligten aus Verwaltung, Politik, Kommunen und Verbänden geleistete Arbeit an der Regionalstrategie. So sei ein wertvolles Instrument für Entscheidungen in der Zukunft geschaffen worden.

Nach einem farbenfrohen Ausblick durch die Schüler der Klasse 4b der Margarethenwallschule aus Schleswig, die den Malwettbewerb des Aktionsprogramms gewonnen hatten (Motto: „Rentner 2030 – lässig oder stressig?“), skizzierten die Koordinatoren Heike Albert und Helmut Birkner die nüchternen Fakten und verdeutlichten den Handlungsbedarf auf verschiedenen sozialen Feldern. Einige Beispiele:

Bevölkerungsentwicklung: Die Zahlen werden sich im Kreis sehr uneinheitlich entwickeln. Während für Handewitt bis zum Jahr 2030 ein Anstieg um drei Prozent vorhergesagt wird, schrumpft die Bevölkerung in allen anderen Städten und Gemeinden um zwei bis 14 Prozent. Gleichzeitig werden sich erhebliche Verschiebungen in der Altersstruktur ergeben, die wiederum Auswirkungen auf die soziale Infrastruktur haben werden (siehe Grafiken).

Senioren und Pflege: Während 2009 5429 Menschen im Kreis Pflegeleistungen beanspruchten, werden es im Jahr 2030 voraussichtlich 8500 sein, ein Anstieg um 56 Prozent. Die Zahl der Demenzerkrankten könnte um 40 Prozent steigen. Mit dieser Entwicklung wird ein steigender Bedarf an stationären Pflegeplätzen (plus 65 Prozent) und Personal einhergehen.

Menschen mit Behinderungen: Es ist davon auszugehen, dass auch hier die Fallzahlen steigen, bei den 18- bis 65-Jährigen um 30 Prozent, den Älteren jedoch um 300 Prozent. Zwar reichen die bestehenden Versorgungs-Kapazitäten auch im Jahr 2030 noch aus, es ergeben sich aber Herausforderungen bei der medizinischen Betreuung, der Integration ins Arbeitsleben und durch die notwendige Reduzierung der Nutzung der vorhandenen Kapazitäten durch Leistungsberechtigte aus anderen Regionen.

Arbeitsmarkt und Grundsicherung: Hier kristallisieren sich als zentrale Themenfelder der Fachkräftemangel und die Integration Jugendlicher zwischen 14 und 25 Jahren heraus. „Jugendberufsagenturen“ sollen Beratung und Vermittlung verbessern.

Bildung: Der Rückgang der Kinderzahlen wird zum Problem für Kita- und Grundschulträger, aber auch für Gemeinschaftsschulen. 13 Grundschulstandorte gelten als gefährdet, und auch die Hälfte der Gemeinschaftsschulen fällt bis 2030 unter die heute geltenden Mindestschülerzahlen. Schulschließungen können nur durch Kooperationslösungen vermieden werden. Folgen sind auch für den Schülerverkehr zu erwarten.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 07:04 Uhr

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