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„Paulssstheater“ auf der Freiheit : Storm, Jens und Juppheidi

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die neuen Angebote auf der Kleinkunstbühne der „Zwergen-Heimat“ starten am kommenden Sonntag.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 07:45 Uhr

Zugegeben, der Start vor den Sommerferien war ein bisschen holprig. Aber jetzt schwören die Künstler Sven Stäcker und André Eckner, dass ihr Herbstprogramm auf der Kleinkunstbühne der Heimat fest gemauert in der Erden steht und für Klein und Groß Attraktives bereit hält. Es lohnt sich sicherlich, die Probe aufs Exempel zu machen.

Gestartet wird am Sonntag, 8. September, um 11 Uhr mit einem Stück für Menschen ab fünf Jahre, das die beiden „Puppentheater mit Gebrauchsgegenständen und zwei Menschen“ genannt haben. Es ist eine Bearbeitung des Kunstmärchens „Die Regentrude“, das der Dichter Theodor Storm im Jahr 1863 geschrieben hat. Dieses handelt vom (damals schon) gestörten Gleichgewicht in der Natur und dem mühsamen Versuch, es durch den Rückgriff auf tradierte Glaubensinhalte wieder herzustellen. Also: eine aktuelle Botschaft, aber – so wie man Stäcker und Eckner kennt – durchaus unterhaltsam dargeboten. Karten kosten drei Euro für Kinder und vier Euro für Erwachsene.

Die nächste Premiere dagegen geht ganz anders zur Sache. Am Sonnabend, 14. September, ab 19 Uhr wird in der Regie von Stäcker und mit Eckner auf der Bühne „Der Fall Judas“ verhandelt. Das Stück nach dem gleichnamigen Roman des bedeutenden, im Juni dieses Jahres gestorbenen Autoren und Rhetorikers Walter Jens aus dem Jahr 1975 ist schon starker Tobak. Denn in der fiktiven Verteidigungsrede des Judas Ischariot wird die Frage gestellt, ob Judas nicht Jesus verraten musste, um den göttlichen Heilsplan in Erfüllung gehen zu lassen. Ist der Böse nicht in Wirklichkeit ein Heiliger? Um die Antwort auf diese Frage sacken zu lassen, dürfte der Hinweis „Getränke können erstanden werden“ hilfreich sein. Karten kosten diesmal elf Euro.

Am 22. September schließlich gibt es wieder eine ganz andere Farbe im Programm der Kleinkunstbühne, die sich selber auch „Zwergen-Heimat“ nennt – der kleine Bruder des großen Saals in der Heimat. In den passen an die 500 Besucher, vor der Kleinkunstbühne im Untergeschoss können sich rund 100 versammeln.

Der Schauspieler Stephan Dierichs bringt an diesem Abend ab 19 Uhr eine „Erotische Weinlesung“ zu Gehör. Texte also, die wohl eher für bereits erwachsene Liebhaber der Sonntagnacht gedacht sind. Dierichs kennt sich nicht nur in dieser Literatur aus, er hat 16 weitere Weinlesungen im Angebot. Und warum „Wein“? Die Antwort heißt wohl: Erstens passt’s und zweitens hat Dierichs selber einmal ein Weingut in der Toskana geleitet, versteht sich also auf Lesungen wie auf Lese.

So ließe sich das Programm der beiden ehemaligen Landestheater-Mitarbeiter munter weiter aufblättern, es reicht bis in den Dezember hinein. Details dazu sind nachlesbar auf der Homepage www.pssstpaulssstheater.de – eine Bezeichnung, die sich herleitet von der Puppe „Herr Paul“, einem gewaltigen Grantler vor dem Herrn, den Stäcker gerne als Wiedererkennungsmerkmal ins Feld führt. Tickets für alle Vorstellungen gibt es an der Abendkasse oder bei der Buchhandlung Liesegang.

Stäcker und Eckner legen Wert darauf, dass ihre Stücke auch mobil zu buchen sind. Die Einladung dazu fällt sehr pauschal aus: „Sagen Sie uns, an welchem Tag und zu welcher Zeit wir ein Stück, welches auch immer, der Spielplan ist vorhanden, für Sie und für Euch spielen dürfen!“ Stäcker erreicht man unter 0170/3 84 61 72 und Eckner unter 0 46 21/94 30 05. Der letztere übrigens steht aktuell in der Verfilmung des Dora-Heldt-Bestsellers „Herzlichen Glückwunsch – Sie haben gewonnen“ (spielt an der Schlei) vor der Kamera.

Wie aber geht es weiter mit der „Zwergen-Heimat“? Mario Hoff, der verantwortliche Gestalter der Heimat, betont: „Ich finde gut, was Stäcker und Eckner machen.“ Das sei „eine lebendige Ergänzung“ des Varieté-Programms auf der großen Bühne. Im nächsten Jahr allerdings soll die Kleinkunstbühne erst so richtig zur Geltung kommen. Hoff: „Wir planen Halbe-halbe-Bespielung der beiden Bühnen.“ Bleibt nur zu hoffen, dass auch das Kleinkunst-Programm – nicht nur, aber auch das von St-Eckner – noch weiter aufgestockt wird.

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