Wackerballig in Gelting : Stinkendes Seegras an der Ostsee nervt Touristen

Ein schwarzer, stinkender Mix aus Tang und Seegras breitet sich am Strand von Wackerballig aus.
Foto:
Ein schwarzer, stinkender Mix aus Tang und Seegras breitet sich am Strand von Wackerballig aus.

Am Strand von Wackerballig in Gelting werden Unmengen Pflanzen angespült. Die Entsorgung ist wegen der Witterung schwierig.

shz.de von
31. Juli 2015, 07:06 Uhr

Die größte Landgemeinde an der Geltinger Bucht ist ein staatlich anerkannter Luftkurort. Doch lässt sich im Ortsteil Wackerballig dieser zertifizierte Status gegenwärtig nicht mit der Realität in Einklang bringen: Am Strand stinkt es heftig. Ursache für den üblen Geruch ist ein im Fäulnisprozess befindlicher „grüner Teppich“, ein angeschwemmter Mix aus Algen und Seetang. Wie ein schwarzer Gürtel zieht er sich am Badestrand zwischen der Landbrücke zum Yachthafen bis in Höhe des Campingplatzes Wackerballig.

Der Wind aus Nordwest trägt den Gestank über die Stellplätze von Wohnmobilen hinweg bis hin zu den dänischen Holzhäusern in der Feriensiedlung hinter dem Jens-Füerschipp-Weg. Zum Trost der Einheimischen und Urlauber herrscht in der zweiten Juli-Hälfte kein Badewetter. So brauchen auch keine Kinder auf dem Weg in die Flachwasserzone der Bucht den grünen Stinke-Streifen zu durchlaufen. Das tun derzeit aber unbekümmert die in ihren Neoprenanzügen gut gesicherten Windsurfer, die sich trotz des kommunalen Verbots in der durch weiße Bojen abgesteckten Zone für Schwimmer tummeln. „Wir stören ja keinen“, antwortete eine Surferin, als eine Strandbesucherin ihr das Fehlverhalten vorhielt.

Eine aus Württemberg vor einigen Jahren nach Gelting umgesiedelte Neubürgerin äußerte sich zu dem Algenproblem wie folgt: Diese Anspülungen aus den Unterwasserwiesen der Geltinger Bucht sei eine alljährlich zu beobachtende Naturerscheinung. Auch in Wackerballig würden wegen der Anziehungskraft der Ostsee neue Häuser gebaut und zunehmend Urlauber angelockt, und da passe diese Form der Strandverschmutzung nicht in das positive Gesamtbild. „Das Zeug muss weg, und zwar schnell.“

Diese Forderung ist für Bürgermeister Uwe Linde, der sich zu dieser Problematik telefonisch aus seinem derzeitigen Urlaubsquartier meldete, völlig berechtigt. Seinen Worten nach haben zwei Faktoren die längst angeordnete notwendige Strandreinigung bislang verhindert: Zum einen sei anfangs der Bagger des von der Kommune beauftragten Unternehmers defekt gewesen, zum anderen könne der grüne Aushub infolge der langen Regenperiode nicht – wie vorgesehen – von Landwirten als Dünger auf die Felder verbracht werden, da sich ihre Fahrzeuge im weichen Boden festfahren würden.

Als nicht anwendbare Alternative bezeichnet der Bürgermeister die vorübergehende Zwischenlagerung der stinkenden Masse in Haufen auf einem Nebengelände. Der Gesetzgeber würde in einem solchen Fall das Zeug nicht mehr als Dünger, sondern als Sondermüll einstufen. Und dessen Entsorgung würde zu einer großen finanziellen Belastung des kommunalen Haushalts führen.

Linde: „Wir warten jetzt auf eine sonnige Periode mit trockenem Wetter, damit die Trecker wieder auf ihre Felder fahren können.“ Alle Beteiligten stehen also „Gewehr bei Fuß“, um den Geltinger Badeort Wackerballig zurück in einen Kurort mit angenehmer maritimer Luft zu verwandeln. Dann braucht auch eine erboste Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen nicht mehr darüber zu klagen, „dass es hier übler stinkt als bei uns zu Hause an der Emscher.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen