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Schleswiger Nachrichten

18. August 2017 | 07:14 Uhr

Schleswig : Stillstand im alten Butterwerk

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Investoren-Streit verhindert Weiternutzung der Industrie-Immobilie. Zwei Kaufverträge sorgen für jede Menge Arbeit für die Juristen.

Hochtrabende Pläne für eine zukünftige Nutzung gab es einige – doch nun geht gar nichts mehr im ehemaligen Butterwerk an der Schleidörferstraße. Nachdem die Deutsche Milchkontor GmbH (DMK) im vergangenen Sommer ihre Produktion von Molkepulver an dem Standort eingestellt hat, droht nun ein jahrelanger Rechtsstreit um die Zukunft der Industrie-Immobilie.

Die Lage ist äußerst vertrackt. Der Flensburger Projektentwickler Marco Iwersen hatte das 30  000 Quadratmeter große Areal bereits im März 2013 von DMK gekauft. Nachdem seine Pläne gescheitert waren, das Segeberger Unternehmen Möbel Kraft dort im Gewerbegebiet St. Jürgen mit einer Niederlassung anzusiedeln, hatte er im Juni vergangenen Jahres einen Vertrag mit der Hamburger „Sealine Real Estate GmbH“ geschlossen. Einer der geschäftsführenden Gesellschafter ist Volker Schlüschen, Chef der Schleswiger Projektentwicklungsgesellschaft Team Vivendi. Schlüschen will auf dem Gelände nach eigener Auskunft eine Baumaschinen-Vermietung ansiedeln. Zudem plane er, in einigen Gebäudeteilen Büroräume zu vermieten.

Doch zu einer ordnungsgemäßen Abwicklung des 287  500 Euro teuren Kaufgeschäfts ist es nicht gekommen. Drei Tage vor der für den 1.    September geplanten Übergabe des Objekts war Iwersen kurzerhand von dem Vertrag zurückgetreten. Begründung: Schlüschen habe mit entsprechenden Äußerungen gegenüber Dritten die vertragliche Treuepflicht verletzt. Parallel dazu hatte Iwersen einen Vertrag mit der Kaltenkirchener Firma Lactoprot geschlossen. Diese wollte in dem Schleswiger Werk Kaseinate produzieren. Kaseinate sind Milcheiweißerzeugnisse und finden in der Lebensmittelindustrie in verschiedener Form Verwendung.

Doch was ist eine Fabrik ohne die nötigen Produktionsanlagen? Nachdem DMK kurz vor der Werksübergabe an Iwersen das sämtliche relevante Zubehör ausgebaut hatte, verweigerte dieser seinerseits die Übernahme der Immobilie. Der Projektentwickler geht davon aus, dass das Deutsche Milchkontor nur deshalb tätig wurde, weil es Wind vom Lactoprot-Deal bekommen hatte und das Feld nicht einem potenziellen Konkurrenten überlassen wollte.

„Ich habe zwar bezahlt, aber DMK ist immer noch Eigentümer“, sagt Iwersen nun. Weiterverkaufen darf der Flensburger das Objekt vorerst nicht, nachdem Volker Schlüschen vor dem Flensburger Landgericht eine entsprechende Unterlassungsverfügung erwirkt hat. Das Schleswiger Oberlandesgericht (OLG) hat diese Entscheidung vor wenigen Wochen bestätigt und Iwersens Berufung dagegen zurückgewiesen.

„Es ist eine sehr komplizierte rechtliche Situation entstanden. Das OLG hat das Werk zum Stillstand verurteilt“, sagt Marco Iwersen. Wann in der Sache entschieden werde und er gegebenenfalls Schadenersatz erstreiten könne, sei völlig unklar. Auf Schlüschen ist Iwersen nicht gut zu sprechen: „Herr Schlüschen hat noch keinen einzigen Cent in die Hand genommen. Er blockiert nur.“

Der so Kritisierte hat naturgemäß eine andere Auffassung von dem Geschäft. „Man verkauft ein Grundstück in Deutschland nicht zweimal notariell. Ich habe einen rechtskräftigen Vertrag mit Herrn Iwersen geschlossen“, sagt Schlüschen – und besteht auf den Kauf des Milchwerks. Er habe demnächst einen Termin bei seinem Anwalt. Dabei würden die weiteren rechtlichen Schritte besprochen. „Das Ganze kann noch Jahre dauern. Die Stadt kann sich bei Herrn Iwersen bedanken“, echauffiert sich Schlüschen.

Weil DMK nach wie vor im Besitz des Standortes ist, muss das in Bremen ansässige Unternehmen auch weiterhin für die nötige Unterhaltung wie Energieversorgung und Sicherheitsdienst aufkommen. Ob die Hängepartie um das Schleswiger Werk dem Milchkonzern vielleicht sogar recht ist, weil so kein Konkurrenzbetrieb zum Zuge kommen kann, wollte DMK auf SN-Nachfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher teilte lediglich mit: „Das Ansinnen von DMK ist und war es, die Immobilie und das Grundstück zu den vereinbarten Bedingungen zu verkaufen. Informationen zu derzeit laufenden juristischen Verfahren unterliegen der Verschwiegenheit.“

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erstellt am 09.Mär.2015 | 07:19 Uhr

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