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Schleswig-Flensburg : Stillstand auf dem Arbeitsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Wenig Chancen für Hochqualifizierte, viele Minijobs und Teilzeitbeschäftigte – strukturelle Probleme verhindern im ländlichen Kreis Schleswig-Flensburg mehr Dynamik auf dem Arbeitsmarkt.

Die Arbeitslosenquote lag im Kreisgebiet im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 7,7 Prozent. Das ist zwar im Vergleich zum Vorjahr eine marginale Steigerung um 0,2 Prozent, liegt aber dennoch im Trend. Dieser deutet auf eine Stagnation der Erwerbslosigkeit zwischen Flensburg und Kropp, Kappeln und Schafflund hin. So gab es im Dezember 2013 das übliche Winterplus um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat November. 7636 Arbeitslose bedeuten gegenüber Dezember 2012 aber dennoch einen Rückgang der Arbeitslosenquote um 0,8 Prozent. Dass trotz brummender Konjunktur eine stärkere Belebung auf dem Arbeitsmarkt ausbleibt, liegt daran, dass die Rahmenbedingungen im Kreis in vielen Bereichen besonders schlecht sind.

Mehrere Faktoren fallen dabei ins Gewicht. Während beispielsweise die Zahl älterer Arbeitsloser gegen den Landestrend leicht zurückgegangen ist, verhält es sich bei den Unter-25-Jährigen genau entgegengesetzt. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2,7 Prozent. Zwölf Prozent aller Erwerbslosen sind inzwischen unter 25 Jahre alt, und das, obwohl es erklärtes Ziel vor allem des Kreises ist, gerade jungen Menschen den Weg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Hier macht sich die Strukturschwäche des Kreises bemerkbar. Einerseits betont Heike Döpke, Leiterin der Agentur für Arbeit in Flensburg, wie wichtig es ist, dass junge Menschen eine gute Ausbildung erhalten, andererseits muss sie jedoch auch feststellen: „Viele junge Schleswig-Flensburger verlassen den Kreis für die Ausbildung oder ein Studium. Auch Arbeitsmöglichkeiten für Hochqualifizierte sind nur bedingt vorhanden.“

Entsprechend hoch ist das Missverhältnis von Menschen, die zum Arbeiten in den Kreis kommen, zu jenen, die außerhalb des Kreises arbeiten. Es gibt deutlich mehr Auspendler. Das gilt nicht nur für junge Menschen in der Ausbildung, sondern für den Arbeitsmarkt generell.

Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: Der Anteil Geringqualifizierter wächst im Kreis ebenfalls überproportional – innerhalb eines Jahres um 7,1 Prozent auf 43,8 Prozent aller Arbeitslosen. Auf einem Markt, auf dem schon jetzt ein nicht unerheblicher Facharbeitermangel besteht, sind diese Menschen schwer zu vermitteln. „Deshalb wird auch 2014 die Erstausbildung junger Erwachsener im Alter von 25 bis 35 Jahren ein Schwerpunkt unserer Arbeit sein“, sagt Döpke.

Ebenfalls auffällig: Jeder fünfte Arbeitnehmer im Kreis geht inzwischen einem Minijob (19,3 Prozent) nach, und fast jeder Dritte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet in Teilzeit (29,2 Prozent). In beiden Bereichen liegt der Kreis über dem Landes- und weit über dem Schnitt in Westdeutschland. Döpke: „Gerade gut ausgebildete Frauen arbeiten häufig in Minijobs oder in Teilzeit. Hier schlummert ein wertvolles Potenzial an Fachkräften für die Region.“

Im Resultat führen diese Faktoren zu einer Lähmung auf dem Arbeitsmarkt. Nirgendwo im Land gibt es so wenig Zu- und Abgänge in der Arbeitslosenstatistik wie im Kreis Schleswig-Flensburg.

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erstellt am 26.Feb.2014 | 07:45 Uhr

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