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Winderatter See : Stiftung Naturschutz zieht Konsequenzen nach Rinder-Attacke

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Schilder sollen auf mögliche Gefahren hinweisen – am Miteinander von Mensch und Tier soll aber festgehalten werden.

shz.de von
erstellt am 24.Nov.2014 | 14:16 Uhr

Husby | Die körperlichen Wunden sind mehr schlecht als recht verheilt, die Nachwirkungen der Rinder-Attacke am Winderatter See (Kreis Schleswig-Flensburg) aber wirken noch nach. Am 1. Oktober wollte Margret Dickreuter mit ihrem Hund „Jonna“ einen Spaziergang in dem Naturschutzgebiet nahe Husby machen. Sie wählte für den Weg die Wilde Weide am Winderatter See – ein 35 Hektar großes Gelände mit einem ausgewiesenen Wanderweg.

Diese Entscheidung hätte sie beinahe mit dem Leben bezahlt. Denn die 58-Jährige wurde auf dem Wanderweg von dort weidenden Dexter-Rindern angegriffen. Nur mit Mühe konnte sie sich retten. Im Krankenhaus stellten die Ärzte später fest, dass vier Rippen, das Brustbein und das Schlüsselbein gebrochen waren. Ein Lungenflügel war eingefallen. Am Oberschenkel klaffte eine 20 Zentimeter lange Fleischwunde und der ganze Körper war mit Prellungen übersät. Margret Dickreuter hat erst vor wenigen Tagen die Reha verlassen können, leidet aber immer noch an den körperlichen und seelischen Folgen des Angriffs. Acht Wochen nach dem lebensgefährlichen Vorfall auf ihrem Gelände hat die Stiftung Naturschutz jetzt Konsequenzen gezogen: Unter anderem soll die Dexter-Rinder vom Winderatter See abgezogen werden.

Als erste Reaktion auf den Vorfall hatte die Stiftung Naturschutz als Eigentümerin des Gebiets den Wanderweg am See sperren lassen. „Wir müssen jetzt herausfinden, warum die Tiere so reagiert haben und überlegen, wie wir weiter vorgehen können“, sagte Pressesprecherin Nicola Brockmüller zur Begründung. Hintergrund: Die Stiftung Naturschutz hat das Miteinander von Tieren und Menschen zum Prinzip erklärt – und das war plötzlich gefährdet. „An diesem Konzept halten wir grundsätzlich auch weiterhin fest“, erklärte die Pressesprecherin jetzt, „wir haben aber die Zeit zu intensiven Beratungen mit dem Pächter, der auch Halter der Tiere ist, mit dem betreuenden Naturschutzverein, mit Behörden und anderen Akteuren genutzt.“ Daraus hat sich für die Stiftung die Erkenntnis ergeben, dass das größte Problem für die Robustrinder frei laufende Hunde sind. Diese könnten den Herdenverband negativ prägen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Um Spaziergänger deutlicher vor den Gefahren zu warnen, sollen in den nächsten Wochen an allen 37 Weiden der Stiftung mit Besucherverkehr neue Schilder ausgestellt werden – mit dem Ziel, auf richtiges Verhalten hinzuweisen und deutlich vor möglichen Risiken und Gefahren zu warnen. „Auf den Schildern wird dringend davon abgeraten, die Flächen mit Hunden zu betreten“, sagte Nicola Brockmüller. Von einem Hunde-Verbot hat die Stiftung abgesehen, weil sie dieses auch kontrollieren müsste. „Das aber ist nicht machbar“, sagte die Pressesprecherin.

Als Problem sieht die Stiftung offenbar auch die Dexter-Rinder an, die Margret Dickreuter so schwer verletzt haben. „Es gibt Hinweise darauf, dass sie doch nicht ganz so gelassen sind, wie wir bisher dachten“, so Brockmüller. Deshalb wurde mit dem Pächter vereinbart, die Herde von der Weide zu nehmen. Bis das geschehen ist, bleibt die Weide gesperrt. Anschließend will der Pächter dort andere Rubustrinder weiden lassen.

Die Stiftung Naturschutz hält also auch am Winderatter See an ihrem Konzept fest – auch wenn hier zusätzlich ein anderes Angebot gemacht werden soll – am Nordteil des Gebiets ist ein Wanderweg außerhalb des Weidegebiets geplant. Getrennt von den Rindern und auch für Herrchen mit Hund geeignet.

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