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Schleswig/Fahrdorf/Borgwedel : Stechmücken nerven Schlei-Anwohner

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bewohner, Apotheker und Ärzte berichten von außergewöhnlich vielen Mückenstichen. Ein Biologe sieht ideale Wachstumsbedingungen am westlichen Ende der Schlei.

von
erstellt am 04.Aug.2014 | 12:45 Uhr

Während man in anderen Landesteilen in diesem Sommer „nicht gerade von einer Mückenplage sprechen kann“, wie Biologe Carsten Pusch vom Nabu-Schleswig-Holstein angesichts der lange anhaltenden Trockenheit betont, erlebt man rings um die innere Schlei zurzeit genau das Gegenteil. „So schlimm habe ich es noch nie erlebt. Wir sind alle zerstochen, insbesondere die Kinder“, sagt etwa Britta Bünger (35) aus Stexwig.

Mit dieser Einschätzung steht die zweifache Mutter nicht alleine da. Das Problem könnte, so vermutet der Kieler Biologe und Gewässerexperte Joachim Stuhr, „der geringe Salzgehalt in Kombination mit dem Nährstoffreichtum im westlichen Ende der Schlei sein“. Ideale Bedingungen für ein schnelles und gutes Mückenwachstum. Denn die Larven ernähren sich von Plankton, erklärt Stuhr. Dass es davon zurzeit genügend in der Schlei gebe, erkenne man gut an der geringen Sichttiefe. Das trübe Wasser wiederum mache es den natürlichen Feinden der Mücke, den Fischen, schwer, die Larven aufzuspüren. „Die sind insbesondere im Uferbereich zwischen Schilf und anderen Pflanzen gut geschützt“, weiß der Biologe.

Entsprechend hoch ist dann auch genau dort, am Ufer der Schlei, das Mückenaufkommen, in erster Linie gegen Abend. „Meine Schwiegermutter war mit dem Hund am Wasser spazieren. Hinterher war sie mit Stichen übersät. Und als sie dann nach Fahrdorf in die Apotheke fuhr, waren sämtliche Mittel zur Linderung ausverkauft“, erzählt Britta Bünger.

Eine „außergewöhnlich hohe Nachfrage“ sowohl für Mittel gegen Juckreiz und Schwellungen als auch vorbeugende Sprays oder Cremes bestätigt dann auch eine Mitarbeiterin der Apotheke in Gemeinde am südlichen Schleiufer auf SN-Nachfrage. Gleiches gilt für die Schleswiger Apotheken. „Im Moment kommen sehr viele Kunden, die extrem zerstochen sind. Viele Urlauber erzählen uns, dass sie auf so viele Mücken gar nicht vorbereitet seien“, sagt Kristina Schmidt-Lassen von der ABC-Apotheke. Auch ihr Kollege Paul Körner von der Altstadt-Apotheke hat „eine höhere Nachfrage insbesondere nach Mitteln, die die Nachwirkungen der Stiche lindern sollen“ registriert. Und Ulrike Feddersen, Mitarbeiterin der Bären-Apotheke am Kornmarkt, berichtet sogar von einem Kunden, der sich gleich für mehrere Familien mit homöopathischen Mitteln eingedeckt habe. „Man hat das Gefühl, in den letzten Tagen ist ein richtiger Mückenhype ausgebrochen“, sagt Feddersen.

Eine Beobachtung, die man auch in vielen Arztpraxen gemacht hat. „Wir haben zurzeit auffällig viele Patienten mit entzündeten Stichen von Mücken, aber auch von anderen Insekten hier“, sagt etwa eine Mitarbeiterin der Fahrdorfer Ärztin Dr. Heidemarie Rüping.

Der milde Winter habe sicherlich viel dazu beigetragen, dass sich die Stechmücken in diesem Sommer rings um die Schlei so stark ausbreiten können, glaubt Biologe Joachim Stuhr. „Durch die nur kurze Frostperiode sind sicher deutlich weniger Mücken hops gegangen als üblich.“ Das glaubt auch Jochen Mohr-Kriegshammer, beim Kreisgesundheitsamt unter anderem für die Gewässer zuständig. „Uns liegen zwar keine aktuellen Studien oder Untersuchungen vor. Aber zumindest nach meinem subjektiven Empfinden, sind zurzeit sehr viele Stechmücken unterwegs.“

„Sehr viel“ findet Michael Pohlmann sogar noch untertrieben. „Wahnsinn, diese Schwärme. Man kann abends ja kaum draußen sitzen“, stöhnt der 44-jährige Westfale, der zurzeit bei Freunden in Schleswig zu Besuch ist, bei einem Spaziergang vom Stadthafen in Richtung Königswiesen. Aber zumindest in einem Punkt hat er Glück gehabt. „Ich habe noch Autan bekommen und in meinem Gästezimmer ein schönes Fliegengitter.“

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