Gottschalk von Ahlefeldt : "Stattlich und höchst vornehm"

Gottschalk von Ahlefeldt (1475-1541)
Gottschalk von Ahlefeldt (1475-1541)

Schleswigs letzter katholischer Bischof kämpfte aus Steuer-Gründen für die Zugehörigkeit zum dänischen Reich

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12. Oktober 2011, 07:39 Uhr

SCHLESWIG | Mit ihm ging eine religionsgeschichtliche Epoche zu Ende: Gottschalk oder Gosche von Ahlefeldt war ab 1507 bis zu seinem Tode am 23. Januar 1541 der letzte katholische Bischof von Schleswig.Seine Amtsperiode fiel die Zeit der reformatorischen Bewegung, die durch Martin Luther in Wittenberg ausgelöst worden war. So war Tilemann von Hussen, ein erklärter Anhänger der Reformation und AhlefeldtsNachfolger im Amt des Schleswiger Bischofs, evangelischer Konfession.

Geboren wurde Gottschalk von Ahlefeldt 1475 auf einem adeligen Gut seiner Familie in Bollingstedt. Seine Eltern Claus von Ahlefeldt und Anna von Buchwald sorgten für eine fundierte Ausbildung und schufen damit die Voraussetzungen für einen akademischen Weg ihres Sohnes. Er studierte in Rostock und Bologna und kehrte 1501 mit dem Titel eines Doktors für kanonisches Recht ins Herzogtum Schleswig zurück. Noch im selben Jahr wurde ihm auf Gottorf zunächst ein bedeutendes weltliches Amt übertragen: Friedrich I., von 1490 bis 1533 Herzog von Schleswig und Holstein, ernannte ihn zum Kanzler. Er war damit ein enger Vertrauter des Herzogs, kümmerte sich um dessen finanzielle Angelegenheiten und bewährte sich als politischer Unterhändler in der norddeutschen Region. Er sei ein "sehr geschäftstüchtiger Mann" gewesen, heißt es in einer Charakterisierung von Ahlefeldts. Ein Zeitgenosse habe ihn als "einen stattlichen, höchst vornehmen und überaus gewandten Mann von hervorragender Gelehrsamkeit und vielseitiger Bildung, großer Klugheit und scharfsinnigem Urteil" beschrieben.

Seine Lebensaufgabe fand er in geistlichen Ämtern. 1506 wurde ihm die Würde des Dompropstes von Schleswig übertragen. Als 1507 Bischof Detlef Pogwisch gestorben und dessen Nachfolge zu regeln war, fiel die Wahl auf Gottschalk von Ahlefeldt, und zwar einstimmig. Obwohl er die päpstliche Bestätigung umgehend erhalten hatte, musste er noch ein Jahr warten, bis er in Lübeck von den Bischöfen Johannes von Ratzeburg und Peter von Schwerin zum Bischof geweiht wurde.

Als er das Amt des Bischofs von Schleswig antrat, übernahm er ein hoch verschuldetes Bistum. Diese Finanzlast versuchte er vor allem durch den Verkauf von Gütern, die in kirchlicher Hand waren, abzutragen. Um sich der Gunst des Heiligen Stuhl zu versichern, nahm er die weite, schwierige Reise nach Rom auf sich. In Sorge um ein einheitliches geistliches Leben gab er einige belehrende Schriften heraus. Ferner erließ er Verordnungen gegen die Schwelgerei und zur Bestrafung des Meineids. 1526 legte er eine Untersuchung vor, um zu beweisen, dass das Bistum Schleswig zum dänischen und nicht zum deutschen Reich gehöre. Damit wehrte sich Bischof von Ahlefeldt gegen die Auffassung des Kaiserlichen Reichskammergerichts zu Speyer, das Bistum sei ein Reichslehen und damit mit einer jährlichen Steuer zu belegen.

Er war ein Widersacher der reformatorischen Bewegung und verlangte von den Räten des Königs, die katholische Religion nicht "leichtsinnig preiszugeben". Doch er konnte die Entwicklung letztlich nicht aufhalten. Nach seinem Tode - er starb am 25. Januar 1541 auf dem Familiensitz in Bollingstedt, auf den er sich zurückgezogen hatte - wurde der Schleswiger Dom zu einer evangelisch-lutherischen Kirche. Die Geschichtsschreibung bescheinigt von Ahlefeldt, durch seine kluge, zurückhaltende Einstellung dazu beigetragen zu haben, dass die Reformation ohne Gewalt ihren Einzug in die Herzogtümer halten konnte. Bestattet wurde er im Dom. Sein Grabstein befindet sich seit 1874 an der Südwand des südlichen Seitenschiffes.

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