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Schleswig : Statiker Korsch verteidigt Theater-Abriss am Lollfuß

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Diplom-Ingenieur Günter Korsch führt über die Baustelle am Lollfuß – und präsentiert Reste des brüchigen Dachstuhls. Bis Mai wird nichts mehr übrig sein vom alten Stadttheater am Lollfuß.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 11:40 Uhr

Der Streit steckt Günter Korsch noch immer in den Knochen. Ein Jahr ist es her, dass eine Gruppe von Schleswiger Bürgern auf die Barrikaden ging, um das alte Stadttheater vor dem Abriss zu retten. In Korsch sahen sie den Mann, der mit seinem Statik-Gutachten das Gebäude vorschnell zum Abriss freigegeben hatte.

Inzwischen sind der Bühnenturm und der Saal längst abgeräumt. Nur wer vom Lollfuß aus auf die Fassade blickt, könnte glauben, dass sich dahinter noch immer ein vollständiges Theater verbirgt. Korsch ist der Ingenieur, den die Stadt damit beauftragt hat, die Arbeiten zu begleiten. Gestern hatte er gemeinsam mit Bauamtsleiterin Manja Havenstein die Presse auf die Baustelle eingeladen. Sie wollten vom Fortgang der Abrissarbeiten berichten. Und Korsch präsentierte Beweisstücke: Marode Balken, die zeigen sollen, dass die Dachkonstruktion noch viel stärker vom Einsturz bedroht gewesen sei, als selbst er es vorher erkannt hatte. Korsch: „Wenn ich mir vorstelle, dass Jahrzehnte lang regelmäßig 500 Menschen unter diesem Dach gesessen haben, finde ich das entsetzlich.“

Mehr als 50 Tonnen Steinwolle haben die Arbeiter der mit dem Abbruch beauftragten Firma bereits aus dem alten Gebäude entfernt. Diese Dämmstoffe, die in den 90er Jahren eingebaute Feuerschutzdecke und ebenfalls an der Decke installierte Beleuchtungsanlagen haben offenbar ihren Teil dazu beigetragen, dass das Dach unter dem Gewicht nachzugeben begann. „Das hätte man damals sicherlich erkennen können, dürfen und sollen“, sagte Korsch nun. Die ersten baulichen Probleme mit dem mehr als 160 Jahre alten Bauwerk traten indes schon kurz vor dem Ersten Weltkrieg auf: Schon seit mehr als hundert Jahren war erkennbar, dass die Mauern auf dem weichen Untergrund nahe der Schlei in Schieflage gerieten. „Über viele Jahre ist an dem Haus gebastelt worden, ohne wirklich etwas zu verbessern“, meinte Korsch, der darauf vorbereitet ist, noch weitere Überraschungen zu entdecken. „Was im Fundament auf uns wartet, wissen wir noch nicht.“ Deshalb sei es auch noch zu früh zu sagen, ob die knapp 900.000 Euro ausreichen werden, die im städtischen Haushalt für den Abriss eingeplant sind. Vier Arbeiter sortieren den Schutt per Hand, um jede Sorte Sondermüll getrennt entsorgen zu können.

Ab der übernächsten Woche ist auch mit Verkehrsbehinderungen im Lollfuß zu rechnen. Noch im März soll der östliche Seitenflügel des Gebäudes verschwinden. Die Hauptfassade mit dem Eingangsbereich wird vermutlich noch bis mindestens Ende April stehen. Im Mai ist das Stadttheater dann endgültig Geschichte.

Ob und wann ein neues Theater gebaut wird, ist nach wie vor offen. Zunächst einmal wird also eine Brachfläche zurückbleiben. „Wir werden dafür sorgen, dass es kein Schandfleck wird“, versicherte Bauamtsleiterin Havenstein. Das Grundstück soll so weit hergerichtet werden, dass es keine Gefahr darstellt. Außerdem wird rundherum ein Zaun aufgebaut. Wie der aussehen wird, ist noch offen. Die Ausschreibung läuft derzeit.

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