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Eggebek : Startschuss für umstrittenen Energiepark

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Umweltminister Habeck hat gestern eine Forschungs-Windkraftanlage auf dem Gelände des Eggebeker Energie- und Technologieparks eingeweiht. In Wanderup sollen im nächsten Jahr zwei weitere, noch höhere Forschungsanlagen entstehen.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Anfeindungen, beinahe körperliche Auseinandersetzungen und ein vollkommen zerstrittenes Dorf waren der Tiefpunkt in der Auseinandersetzung um die Errichtung von Windkraftanlagen zu Forschungszwecken auf dem Gelände des ehemaligen Eggebeker Flugplatzes. Mit der offiziellen Inbetriebnahme setzte gestern nun Energiewendeminister Robert Habeck den endgültigen Schlusspunkt unter den Zwist und fügte dem Energiepark Eggebek nach Biogas und Photovoltaik die dritte Komponente regenerativer Energien hinzu. Auf Knopfdruck setzte er das 146 Meter hohe Windrad in Gang und übergab es so seiner Bestimmung. Von Forschungsseite wird das Projekt vom Institut für Windenergie (Wind Energy Technology Institute) der Fachhochschule Flensburg begleitet, Kooperationspartner sind unter anderem die auf Windkraftanlagen spezialisierten Unternehmen Denker und Wulf sowie Repower.

Vier Jahre hatten die Initiatoren für die Genehmigung der Forschungsanlage gekämpft und dabei so manches Hindernis zu überwinden. Erheblichen Aufwand bedeutete nicht zuletzt die Umsetzung eines Zielabweichungsverfahren, da für den Raum Eggebek keine derartige Forschungsanlage – in Wanderup werden zwei mit 180 Metern noch höhere Windkraftanlagen entstehen – vorgesehen war. Um so erleichterter zeigten sich gestern bei der offiziellen Inbetriebnahme des ersten Forschungswindrades die Verantwortlichen. Minister Habeck, der noch bis vor Kurzem in der Region lebte, zeigte sich beeindruckt von der Entwicklung, die auf dem ehemaligen Flugplatz des Marine- Fliegergeschwaders vollzogen wurde. „Wenn man nach fünf Jahren wieder hierher kommt, dann sieht man, was Konversion bedeutet“, sagte der Minister. Besonderes Lob sprach Habeck dem federführenden Unternehmen aus: „Die Investitionen zum Wohle der Forschung vorzustrecken, das ist bemerkenswert. So sollte es sein.“

2,8 Millionen Euro hat Denker und Wulf laut seinem Vorstandsvorsitzenden Torsten Levsen in das Forschungswindrad investiert. Das Unternehmen stiftet die Erträge aus dem Stromverkauf nach Abzug der Kosten für die Finanzierung des Baus der Anlage der Flensburger Fachhochschule. Je nach Verhältnis zwischen Betriebs- und Forschungsnutzung könnten so laut Unternehmensauskunft jährlich bis zu 100 000 Euro zur Unterstützung der Forschung aus den Stromerträgen erwirtschaftet werden. Levsen verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass das Projekt dazu beitragen möge, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft in der Gemeinde Eggebek zu stärken.

Im Namen der Fachhochschule Flensburg dankte deren Präsident Herbert Zickfeld den Investoren für deren Einsatz bei der Realisierung des Projektes und die daraus resultierenden Forschungsmöglichkeiten. Mit Inbetriebnahme der Forschungs- und Test-Windenergieanlage „Repower MM92“ in Eggebek steht der Fachhochschule Flensburg und speziell dem Wind Energy Technology Institute eine Testanlage für die Evaluierung diverser Forschungsvorhaben zu Verfügung. Zwei weitere 6-MW-Forschungsanlagen sollen in Wanderup entstehen. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt, die Realisierung soll im nächsten Jahr erfolgen.

Die Erweiterung des Konversionsgeländes um die Bereiche Windenergie und Forschung verschafft der Gemeinde Eggebek und dem Flächeneigentümer GPC (Gewerbepark Carstensen GmbH, hinter dem der Unternehmer Hans-Peter Carstensen aus Jarplund-Weding steht) Planungssicherheit für den gut 60 Hektar großen Energie- und Technologiepark, in dem sich bereits zahlreiche Unternehmen auf dem Bereich der Regenerativen Energien niedergelassen haben. Eggebeks Bürgermeister Willy Toft jedenfalls war die Erleichterung, dass das Thema Forschungs-Windkraftanlage nun endlich abgeschlossen werden konnte, deutlich anzumerken. Neben den Auseinandersetzungen innerhalb des Ortes hatte zwischenzeitlich der erste Anlagenbauer Insolvenz angemeldet und auch der erste Eigentümer des Geländes, die Tower Schleswig-Holstein GmbH, hatte sich aus dem Projekt zurückgezogen. Um so erfreulicher sei, dass das Projekt Energiepark Eggebek nun eine Fortführung gefunden habe. Toft: „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch so kompliziert wird. Ich freue mich über das gute Ende.“

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