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Sozialverband : Starker Partner für Bürger in Not

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Sozialverband Schleswig-Holstein begrüßte in Schleswig sein 125.000. Mitglied. Anke Matthiensen aus Hörup braucht Hilfe, um ihren Antrag auf Erwerbsminderungsrente durchzusetzen.

Irgendwann ging es einfach nicht mehr bei Anke Matthiensen. Die 56-Jährige hatte Jahre lang auf dem Hof ihres Mannes Heinrich-Thomas (61) in Hörup gearbeitet, dann machte ihr Körper nicht mehr mit. Sie wurde krank, konnte nicht mehr dort tätig sein und beantragte Erwerbsminderungsrente. Die obligatorische Prüfung durch die Rentenversicherung endete für sie mit einer argen Enttäuschung: Sechs Stunden Arbeit müssten noch drin sein – Antrag abgelehnt. Anke Matthiensen legte Widerspruch ein – abgelehnt. An Arbeit war für sie nicht zu denken, doch der Hof brauchte Arbeitskraft – die Matthiensens waren verzweifelt. Vom Bauernverband erhielten sie den Rat, sich an den Sozialverband Deutschland zu wenden. Das taten sie.

„Wir freuen uns, dass Sie mit Ihrem Antrag ins Schwarze getroffen haben“, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende des Verbandes, Karin Oswald, in einer kleinen Feierstunde in der Schleswiger Kreisverbandsgeschäftsstelle – denn mit Karin Matthiensen konnte der SoVD-Landesverband sein 125 000. Mitglied begrüßen. Das sei zwar einerseits durchaus ein Grund zur Freude, schließlich wachse die „größte Familie Deutschlands“ durch das Jubiläumspaar noch ein Stück weiter. Andererseits zeige der Fall Matthiensen aber auch, dass es heute für viele Menschen gar nicht so einfach sei, zurechtzukommen. Bezogen auf das Leistungsspektrum des Sozialverbandes bedeutet das: Die Zahl derjenigen, die sich in den Fallstricken des Sozialstaates verfangen, steigt. Denn alles, was durch die Sozialgesetzgebung in Deutschland geregelt wird, ist auch das Betätigungsfeld des Sozialverbandes. Oswald: „Wir helfen, wo es nur möglich ist.“

Im Falle der Matthiensens ist es der rechtliche Beistand im Widerspruchsverfahren, der konkret gefordert ist, und den gewährt der Sozialverband. Er übernimmt mit dem Mitgliedsbeitrag sofort alle sozialrechtlichen Mandate. „Wir übernehmen für sie den Fall – wie ein Rechtsanwalt“, sagt Landesverbandssprecher Guido Bauer. Das heißt: Sollte der Einspruch abgelehnt werden, wird geprüft, ob es Aussicht auf Erfolg vor dem Sozialgericht gibt. Ist dies gegeben, zieht der Sozialverband für die Matthiensens vor Gericht – dafür würde das Landwirtsehepaar eine Pauschale von 34 Euro zusätzlich zahlen. „Wir sind also wie eine Rechtschutzversicherung fürs Sozialrecht“, so Bauer – allerdings mit einer gewissen Filterfunktion, die auch von den Sozialgerichten im Land geschätzt werde. „Denn wir sagen den Leuten auch ganz klar, wenn keine Aussicht auf Erfolg besteht.“ Dadurch würden die ohnehin überlasteten Sozialgerichte entlastet.

Das bestätigt auch Bernd Selke, Sprecher des Landessozialgerichts in Schleswig. „Die Kommunikation mit dem Sozialverband ist hervorragend, wir sehen die Verbände in ihrem Wirken durchaus positiv.“ Denn vertreten würden deren Mitglieder ausschließlich durch im Sozialrecht versierte Juristen. „Die sind fit und handeln mit Augenmaß.“ Selke hebt hervor, dass die rechtliche Vertretung durch Verbände – beispielsweise auch durch Gewerkschaften – gesetzlich ausdrücklich vorgesehen ist.

Wie erfolgreich der Sozialverband dabei ist, lässt sich mit Zahlen belegen. Nach eigenen Angaben erstreitet er landesweit jährlich Leistungen in Höhe von zehn Millionen Euro für seine Mitglieder. Die Erfolgsquote vor den Sozialgerichten beziffert Sprecher Bauer auf rund 50 Prozent. Andere Zahlen belegen allerdings auch den Bedarf an sozialer Beratung und Lebenshilfe. SoVD-Kreisgeschäftsführer Uwe-Dieter May: „Jede Woche kommen zwischen 60 und 70 Menschen zu uns und bitten um Hilfe.“ In zunehmendem Maße seien dies auch junge Menschen, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, und Menschen mit Handicap.

Der Sozialverband hat rund 4000 ehrenamtliche Mitarbeiter in 15 Kreis- und 400 Ortsverbänden, die weit mehr leisten als Sozialberatung und Vermittlung professioneller Hilfe. Unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ organisieren sie Veranstaltungen wie Ausflugsfahrten und Informationsabende und leisten so auch einen wichtigen Beitrag für das gesellige Zusammenleben gerade im ländlichen Raum. Auch das ist für die Matthiensens durchaus von Interesse, doch für sie ist zunächst wichtiger, dass ihr Widerspruchsverfahren zu einem guten Ende kommt.

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erstellt am 28.Aug.2014 | 07:45 Uhr

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