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Auf dem Karberg : Stand hier Schleswigs erste Bischofskirche?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Kopenhagener Hobby-Archäologe glaubt, den Ort gefunden zu haben, an dem die Wikinger einst zum Christentum fanden.

von
erstellt am 31.Okt.2017 | 08:11 Uhr

Es ist eines der größten Rätsel der Haithabu-Forschung: Wo stand die Kirche, in der Ansgar, der Apostel des Nordens, vor mehr als 1150 Jahren zu den ersten Christen unter den Wikingern predigte? Und wo war die erste Bischofskirche, die Vorgängerin des heutigen St.-Petri-Doms? Jørgen D. Siemonsen, ein 72-jähriger Hobbyforscher und früherer Diplomat aus Kopenhagen, behauptet nun, die Antwort zu kennen. Gefunden hat er sie auf alten Landkarten. Demnach war die erste Kirche zwar direkt am Haddebyer Noor, aber nicht in Haithabu, wo die Archäologen bis heute nach ihr suchen, sondern auf der Fahrdorfer Seite – auf dem Karberg. Als Beweis führt er an, dass der Karberg auf Plattdeutsch einst „Karkberg“ und auf Dänisch „Kirkebjerg“ geheißen habe – also Kirchberg. Dann muss dort auch eine Kirche gestanden haben, folgert er. Und was für eine Kirche soll das gewesen sein, wenn nicht die von Ansgar und der ersten Schleswiger Bischöfe?

Fahrdorf als historischer Bischofssitz. Die Profi-Archäologen auf Schloss Gottorf haben für diese These kaum mehr als ein Achselzucken übrig. Sie wollen zwar nicht zu hundert Prozent ausschließen, dass Siemonsen richtig liegt, wirklich vorstellen können sie es sich aber nicht.Volker Hilberg, im Archäologischen Landesmuseum verantwortlich für die Haithabu-Feldforschung, verweist darauf, dass auf der Fahrdorfer Seite des Haddebyer Noores noch nie irgendwelche wikingerzeitlichen Spuren entdeckt worden seien. Zumindest Bischofskirchen, fügt er hinzu, hätten sich zudem fast immer mitten in der Stadt befunden und nicht irgendwo außerhalb. Hilberg hält es für erfolgversprechender, innerhalb des Halbkreiswalls von Haithabu zu suchen. Dort wurden bislang aber nirgends Hinweise auf eine Kirche entdeckt – auch nicht bei den Ausgrabungen in diesem Sommer, wo ein teilweise christliches Gräberfeld untersucht wurde. Anders als Siemonsen geht Hilberg nicht unbedingt davon aus, dass Ansgars Kirche und die Kirche des ersten Bischofs, der hundert Jahre später ernannt wurde, an derselben Stelle gestanden haben.

Jørgen D. Siemonsen
Jørgen D. Siemonsen

Hilberg hat immer wieder mit Hobbyforschern zu tun, die Ansgars Kirche entdeckt haben wollen. „Einmal kam jemand mit einer Wünschelrute und sagte, er hätte an einer bestimmten Stelle in Haithabu ein Energiefeld ausgemacht, das er sich nur damit erklären konnte, dass dort einmal eine Kirche gestanden haben muss.“

Wünschelrutengänger ist Jørgen D. Siemonsen nicht – aber doch eine schillernde Figur. Es gelingt ihm immer wieder, Aufmerksamkeit für seine Thesen zu erzielen. Er hat schon in verschiedenen großen dänischen Medien veröffentlicht und tritt auf als Direktor und Vorsitzender des „Norse Research Commitee“, nach eigenen Angaben eine „unabhängige internationale Forschungsgruppe zu Wikingerzeit und Mittelalter“. Außer Siemonsen selbst treten indes keine Mitglieder dieses Komitees öffentlich in Erscheinung. Kürzlich stellte er seine Theorie von der Bischofskirche auf dem Karberg in einem Vortrag im Vereinshaus des dänischen Ruderclubs vor.

Im Raum Schleswig meldete er sich schon vor elf Jahren einmal mit einer steilen These zu Wort. Damals hatte er sich eine Pfeilspitze vorgenommen, die an einem Selker Fischteich entdeckt worden war und die aus Nordamerika stammen sollte. Siemonsen versuchte nachzuweisen, dass sie schon vor 1000 Jahren über Neufundland, Grönland und Island nach Haithabu gelangt sein muss.

Die Hoffnung Siemonsens, dass die Gottorfer Wissenschaftler ihn dabei unterstützen, den Karberg archäologisch zu untersuchen, dürfte sich also wohl nicht erfüllen. Ohnehin gilt es als unwahrscheinlich, dort noch Spuren zu finden, nachdem in den 1950er Jahren auf dem Karberg der große Soldatenfriedhof angelegt wurde.

 

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