Schleswig : Stadtwerke wandeln sich zum "grünen" Unternehmen

Windpark in der Nordsee:  Die modernen 'Windmühlen' sollen künftig bis zu 13 Prozent des Schleswiger Strombedarfs decken. Foto: dpa
Windpark in der Nordsee: Die modernen "Windmühlen" sollen künftig bis zu 13 Prozent des Schleswiger Strombedarfs decken. Foto: dpa

Versorger will bis 2015 mehr als 50 Prozent des Stromes umweltfreundlich erzeugen

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01. April 2011, 09:11 Uhr

Schleswig | Die Pläne liegen bereits seit einiger Zeit in der Schublade, aber erst durch das Atom-Moratorium der Bundesregierung bekommen sie einen besonderen Schwung: Die Stadtwerke wollen ihre Stromerzeugung aus umweltfreundlichen und regenerativen Ressourcen erheblich ausbauen. Mehr als die Hälfte des Energiebedarfs der Kunden soll künftig mit Strom aus Blockheizkraftwerken sowie Windkraft- und Photovoltaikanlagen gedeckt werden. Derzeit liegt dieser Anteil bei 40 Prozent.

Um ihr neues Ziel zu erreichen, müssen die Stadtwerke kräftig investieren. Auf über 13 Millionen Euro kalkuliert Geschäftsführer Wolfgang Schoofs die Summe, die für den Ausbau der unternehmenseigenen Stromerzeugung erforderlich ist. Dieses Geld soll in vier Projekte fließen. Das 19 Jahre alte Blockheizkraftwerk (BHKW) hinter der Schwimmhalle wird modernisiert, zwei BHKW werden neu gebaut, zudem beteiligt sich das Unternehmen an einem Offshore-Windpark in der Nordsee.

Mit dem Ausbau des Öko-Strom-Anteils soll gleichzeitig der Bedarf an Atomenergie weiter sinken, der in Schleswig im Vergleich zum bundesrepublikanischen Durchschnitt (25 Prozent) ohnehin gering ist. Nur 13 Prozent des Schleswiger Strombedarfs von insgesamt 110 Millionen Kilowattstunden pro Jahr werden mit Energie aus Kernkraftwerken gedeckt. Mittelfristig werde dieser Bedarf auf unter zehn Prozent sinken, sagt Schoofs: "Langfristig sollen es null Prozent sein".

Der Ausbau der Öko-Energie dient nicht nur der Umwelt. Die Stadtwerke wollen damit ihre Abhängigkeit von den großen Stromkonzernen und den Kurssprüngen an der Leipziger Energiebörse weiter verringern. Das Atom-Moratorium hilft dabei: Je weniger vermeintlich "billiger" Atomstrom auf dem Markt angeboten wird, umso konkurrenzfähiger - und damit wirtschaftlich lohnender - wird die Produktion von Öko-Strom.

Allerdings eilt dem Öko-Strom der Ruf voraus, dass er teurer zu produzieren sei als die Energie aus Atom- und Kohlekraftwerken. Die Stadtwerke-Kunden sollen das aber zumindest in absehbarer Zeit nicht zu spüren bekommen. Für die kommenden zwölf Monate sind laut Schoofs keine Preiserhöhungen geplant.

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